Sonntag, 19. Dezember 2010

Zum Nachdenken: Abraham J. Heschel über das Gebet

"Genuine prayer does not flow out of concepts. It comes out of awareness of the mystery of God rather than out of information about Him." - Abraham J. Heschel, Man's Quest for God. Studies in Prayer and Symbolism, Santa Fe 1998

Sonntag, 12. Dezember 2010

Abraham J. Heschels "Man's Quest for God" - Einführung und Teil I: The Inner World (1-20)

Abraham Josua Heschel (1907-1972) war ein einflußreicher jüdischer Theologe, Religionsphilosoph, Professor und Aktivist, der auch christlicherseits stark rezipiert worden ist. Da dies aber hauptsächlich im englischsprachigen Raum passiert (ist), ist es mir ein Anliegen, seine Person und sein Denken im deutschsprachigen Raum zu verbreiten. Deshalb werde ich an dieser Stelle sukzessive zunächst einmal eines seiner zentralen Werke vorstellen: „Man‘s Quest for God. Studies in Prayer and Symbolism“ aus dem Jahre 1954 (Die Zahlen in den Klammern verweisen auf die jeweiligen Seiten im Buch).

Heschel diagnostiziert als Ausgangsproblem des Menschen, daß er sich in Selbstzentriertheit vom Gebet fernhalte (4). Warum nicht mal eine Stunde still werden? Der Mensch stelle stattdessen eine „thick screen of self” (ebd.) zwischen Gott und sich.

Um nicht an dieser Diagnose zu verzweifeln, schlägt Heschel als Einstieg ins Gebet vor, die Gedanken für und zu Gott zu öffnen (5). Wir könnten Ihn nicht für uns sichtbar machen, aber uns selbst für Ihn könnten wir sichtbar machen (ebd.). Denn

[t]o pray is to take notice of the wonder, to regain a sense of the mystery that animates all beings, the divine margin in all attainments. Prayer is our humble answer to the inconceivable surprise of living. (ebd.)


Zwar ist Gebet für Heschel kein Allheilmittel (8), aber - mit der richtigen Herzenshaltung (= Kavanah; vgl. 12) - sei es ein Geschenk, Hoffnungen, Sorgen und Wünsche vor ihn zu legen (9); ein Ausschütten des Herzens.

Weil Gebet ein „complete turning of the heart toward God, toward His goodness and power” (15) sei, befähige es uns, von Selbstzentrierheit und eigenen Problemen abzusehen (ebd.) und stattdessen die Welt im Spiegel des Heiligen (Gottes) zu betrachten (7). Gleichzeitig, so Heschel, werde der Beter zum Objekt Gottes und unterscheide sich darin diametral von dem Denker, der Gott zum Objekt mache (10; 12).

In alledem seien die gesprochenenen Worte weniger entscheidend als die Hingabe des Herzens (13). Denn es geht nach Heschel im Gebet darum, Gott einzuladen, in das Leben des Betenden einzugreifen: Gebet sei „opening of a window to Him in our will, an effort to make Him the Lord of our soul.” (15)