Sonntag, 30. Mai 2010

Zum Nachdenken: Die Juden und die Fragen der letzten Dinge

"Das Denken der Juden bewegt sich nicht kompulsiv um die Fragen des Seins nach dem Tod. Gott hat jedem Menschen eine Aufgabe hier auf Erden gestellt, die er mit aller Kraft zu erfüllen hat. Die Zukunft überläßt der Jude Gott und seiner Gnade. Es wurde ihm gelehrt, daß alle Israeliten und alle Rechtschaffenden der Völker an der zukünftigen Welt Anteil haben. Es wird berichtet, daß Rabbinen Gott baten, ihnen keine Gewißheit der Erlösung ihrer Seelen zu geben, damit sie Ihm aus reiner Liebe und nicht in Erwartung eines künftigen Lohns dienen konnten."
Leo Trepp, die Juden. Volk, Geschichte, Religion, Reinbek 1998, S.274.

Montag, 24. Mai 2010

...Das Größte aber ist die Liebe...





Als ich neulich mal wieder über meinen Lieblingsfim "Stardust / Sternenwanderer" nachdachte, kam mir sofort die Szene ins Gedächtnis, in der Yvaine über die Liebe redet (s.o.)
. Als Stern konnte sie bis zu ihrem Fall die Erde von der Distanz wahrnehmen und überblicken. Sie beschreibt, wie sie über Jahrhunderte massenweise Kriege, Haß, usw. erlebt habe. Das einzige, was es für sie erträglich gemacht habe, all das Leid zu sehen, sei die Liebe, da schönste, was sich im ganzen Universum finden lasse.

Mich persönlich spricht diese Szene deshalb immer wieder an, weil ich glaube, daß Yvaine (bzw. der Autor der Vorlage) damit eine ganz entscheidende Wahrheit erkennt: Das Größte von allem ist die Liebe. Und ich bin davon überzeugt, daß letztendlich jeder Mensch genau nach dieser Liebe sucht.

Die Bibel bestätigt uns dies. Nicht nur, daß die Liebe von allem das Größte sei, wie Paulus es im 1. Brief an die Korinther schreibt (Kap. 13, V.13); vielmehr wird die Liebe sogar als zentraler Wesenszug Gottes genannt (1 Joh 4,8.16): Gott ist Liebe! Das ist deshalb interessant, weil im gesamten Neuen Testament diese Gleichsetzung ansonsten nur mit einem einzigen Charakterzug geschieht, nämlich "Gott ist Geist" (Joh 4,24). Wenn Gott Liebe ist und echte Liebe immer ihren letzten Ursprung in ihm hat, müßten ja eigentlich auch die allermeisten Leute nach ihr in der Kirche bzw. bei den Vertretern Gottes auf Erden, den Christen, suchen.

Tatsächlich erkennt Yvaine in dieser Szene auch sehr deutlich, daß es auf der Erde vor allem Kriege, Mord und Totschlag gibt/gegeben hat. Dort befindet sich Gottes Liebe offenbar nicht, zumindest nicht erkennbar. Und wenn man sich mit der Kirchengeschichte befaßt, wird sehr schnell deutlich, wie oft selbst innerhalb der Kirche(n) diese Liebe nicht zum Vorschein gekommen ist, sondern genau das Gegenteil. Traurigerweise waren Christen viel zu oft keine guten Repräsentanten des einen Gottes, der sich doch derart in seiner Liebe offenbart hat, daß er sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat (vgl. Röm 8,31).

Es scheint auch, kein Wunder zu sein, wenn Menschen, die nach echter Liebe suchen, die sie eigentlich bei Gott erwarten sollten, doch nicht innerhalb der Kirche(n) fündig werden. Deutlich wird dies z.B. in einer Studie namens "UnChristian" von David Kinnaman, aus der u.a. hervorgeht, daß Christen vielmehr dafür bekannt sind, wogegen sie alles sind, nämlich: Homosexualität, Sex vor der Ehe, Abtreibung, etc. Aber könnte es nicht auch sein, daß jemand, der homosexuelle Gefühle hat, in seinem Innersten genau nach dieser Liebe sucht?

Symptomatisch ist es aus meiner Sicht, wenn Christen o.g. Prägung auf den Himmel verweisen, den Ort, an dem all dies Leid nicht mehr sein werde. Grundsätzlich ist es ja richtig, daß die Welt nicht durch äußere Taten von Menschen durch eine Art Fortschritt immer besser wird, und Johannes berichtet in seiner Offenbarung (Kap. 21) sehr deutlich davon, daß Gott es ist, der Erneuerung schenkt, Leid beendet usw. Aber gern wird dies als Vorwand genommen, sich mit aktuellen Problemen unserer Welt nicht auseinandersetzen zu müssen. Stattdessen konzentriert man sich auf den Himmel und reduziert das Christsein gern darauf, den Weg zum Himmel zu wissen (wo soll der eigentlich sein? Offb 21 berichtet sehr deutlich von einer erneuerten Erde, und Gott wird dort unter seinem Volk sein; ich behaupte in Anlehnung an N.T. Wright, daß es eine Verknüpfung zwischen irdischen Taten und dem gibt, was in Gottes neuer Welt sein wird).

Deshalb bin ich der Überzeugung, daß gerade wir als Nachfolger Jesu dazu aufgerufen sind, diese Liebe Gottes in die Welt zu tragen und in möglichst jeder Situation zu leben. Jemand, der dies aus meiner Sicht wirklich vorbildlich lebt, ist Shane Claiborne, einer der Hauptvertreter der Erneuerungsbewegung "new monasticism". In seinem Buch "The irresistible revolution. Living as a ordinary radical" beschreibt er anhand zahlreicher Stories, wie er bzw. viele andere Menschen neben und vor ihm (von denen er lernt) diese Liebe Gottes ganz praktisch leb(t)en. Z.B. berichtet er von seinem Praktikum bei Mutter Theresa, die unter den Ärmsten der Armen und Kränkesten der Kranken lebte und den Menschen Würde schenkte. Oder während eines Bagdad-Besuchs zur Zeit des Iraks-Krieges lernt er von dortigen Irakis, wie diese ihn als Menschen lieben und schätzen können, während in gleichem Atemzug amerikanische Bomben auf die Dächer der Stadt niederprasseln.

Man mag darüber streiten, wie weit Shane Claiborne in seiner asketischen Lebensweise zu folgen ist, um möglichst Jesus-mäßig zu leben. Mir jedenfalls gibt er grundsätzlich genügend Punkte, durch die ich mein eigenes Leben immer wieder neu hinterfragen kann und möchte, um aus der Beziehung zu Gott heraus zu leben und Seine Liebe in die Welt zu tragen.

Daß Außenstehende von dieser echten Liebe angezogen werden, sich dies auch für ihr Leben wünschen und dadurch nach Gott fragen, ist mein Wunsch. Sicher ist es kein Allerheilmittel, um die Welt zu einem leidfreien Ort zu machen, aber wir können einen Unterschied machen und Jesus-mäßig Liebende sein, die ein Herz für diese Welt und ihre Mitmenschen haben. Shane ist ein ausgezeichnetes Vorbild, daß der Unterschied möglich ist. Und genau das ist aus meiner Sicht das Reich und die Herrschaft Gottes, die bereits in diesem Leben anfängt und wovon Jesus immerzu sprach.

Sonntag, 16. Mai 2010

Worship und musikalisches Know-How, Teil 1: Das "Fließenlassen" und Worship-Medleys

Vor kurzem hatten wir in unserer Gemeinde einen Workshop mit einem erfahrenen, amerikanischen Pastor für Worship und Creative Arts. Die Zeit war sehr intensiv und für viele sehr gesegnet. Ein Punkt dabei, der mir besonders an ihm auffiel, war folgender: Während des Lobpreises wechselte er als Leiter zwischen verschiedenen Songs innerhalb kurzer Zeit, spielte mal einen Refrain des einen Songs an, war dann schon wieder im Nächsten, ohne dabei Pause u.ä. zu machen. Dadurch konnte die Gemeinde sich im Gebet und in der Gegenwart Gottes fallen lassen, ohne dabei durch musikalische Brüche abgelenkt zu werden, und die Texte waren durch die bekannten Refrains in der Regel jedem präsent.

Ich hatte sowas früher, z.B. auf Jugendfreizeiten, auch schon öfters praktiziert, allerdings immer nur allein. Das klappte erwartungsgemäß recht gut. Innerhalb einer ganzen Band sind die Anforderungen aber komplexer. Da der positive Effekt solch eines Aneinanderreihens von Refrains (oder sonstigen markanten Songparts) auf eine Lobpreiszeit sehr hoch sein kann, möchte ich im folgenden dafür ein paar Tips geben. Dabei kann man zwei Herangehensweisen unterscheiden, die jeweils ihre eigenen Herausforderungen haben:
1. Die komplett durchgeplante Lobpreiszeit:

Diese Herangehensweise eignet sich besonders für solche Lobpreisleiter und Bands, die noch nicht allzu viel Erfahrung und/oder musikalische Improvisationsfähigkeiten besitzen. Denn man kann einfach anfangen, z.B. indem man sich die Refrains der gewählten Songs auf ein bzw. mehrere Blätter zusammenkopiert und selbst festlegt, wie oft man was spielen möchte. Hilfreich für den Fluß, den Sound und auch das Gut-Singen-Können ist es, wenn die Parts alle in derselben Tonart sind. Dadurch hat man eine harmonische Einheit, und die Übergänge zwischen den Songs funktionieren fast "wie von selbst".

Wenn man grundsätzlich Schwierigkeiten mit dem Transponieren (Umschreiben) von Songs in eine einheitliche Tonart hat, können zwei Dinge hilfreich sein: Entweder wählt man nur Parts aus, die auch tatsächlich schon in der gleichen Tonarten auf den Noten abgedruckt sind (wenn man aus einem Liederheft spielt), oder man meldet sich bei einer Computer-basierten Lieddatenbank wie "Songselect" (http://www.ccli.de/songselect/index.cfm) an. Dort hat man eine Fülle an Worship-Songs präsent und kann ganz einfach direkt die gewünschte Tonart anwählen. Gleichzeitig erwirbt man bei der Anmeldung die Rechte zum Spielen und Projizieren der Texte innerhalb der Gemeinde. Allerdings ist die Sache (natürlich) kostenpflichtig.

Nur sollte man darauf achten, daß das Ganze nicht zu statisch wird. Denn gern reiht man dann die Parts so hintereinander, daß jeder Teil zwei oder viermal vorkommt, am besten noch mit gleichbleibender Lautstärke. Dadurch kann es sehr schnell "langweilig" werden, weil jede Abwechslung fehlt. Da ist "Dynamik" das Zauberwort, also "lauter und leiser werden".
2. Das spontane (möglicherweise geistgeleitete) Spielen eines "Worship-Medleys":

Wer während der Lobpreiszeit bewußt flexibel sein möchte, um auf die Stimmung im Raum eingehen zu können, dem sei über das unter 1. Gesagte hinaus folgendes ans Herz gelegt:

Am besten sollte jeder involvierte Musiker die Akkordfolgen der zu spielenden Parts auswendig können. Dies hilft ungemein, um schnell auf die Leitung eingehen zu können. Denn der Leiter/die Leiterin wird möglicherweise den ein oder anderen Part komplett rauslassen oder einen bereits Gespielten später noch einmal wiederholen. Dafür ist aber unablässig, daß die anderen Musiker die Parts 1a kennen und auch durchs Hören
erkennen.

Ein weiterer Vorteil ist die (hoffentlich) positive Auswirkung auf die Dynamik: Wer den Ablauf eines solchen Worship-Medleys spontan hält, kann natürlich auch mit der Dynamik spielen, d.h. man kann z.B. ruhig anfangen und sich immer lauter werden. Oder man baut zwischenzeitlich an geeigneter Stelle einen Gebetspart über einen sich wiederholenden Part ein.

Diese zweite Variante bietet sich auch deshalb an, weil ein Großteil der bekannten Worship-Songs ähnliche Harmoniestrukturen verwendet, was bedeutet, daß immer wieder ähnliche oder gar gleichklingende Akkordfolgen gespielt werden, bei denen sich lediglich der Text ändert. Ohne wirkliche Dynamik, die auch noch die Stimmung im Raum aufnimmt, kann es sehr schnell zu einem Herunterleiern verschiedener, sehr ähnlich klingender Songs kommen.

Grundsätzlich können deshalb folgende Tools sehr hilfreich sein:
  1. Lerne Songs auswendig! Wenn Du Musik und Text im Kopf hast, kannst Du immer wieder spontan und flexibel in Lobpreiszeiten leiten, sowohl im Hauskreis als auch in größeren Meetings. Und als Musiker kannst Du flexibel auf die Leitung reagieren.
  2. Beschäftige Dich auch mit Musiktheorie! Es gibt relativ einfache Mittel, wodurch Du lernen kannst, einen Song harmonisch zu durchschauen. Und schnell wirst Du merken, daß viele Songs sehr ähnlich funktionieren. Das hilft auch ungemein beim Auswendiglernen.
  3. Höre bewußt Songs! Du kannst Musik natürlich als Ganzes wahrnehmen und auf Dich wirklich lassen. Aber um dem Grund dieser Gesamtwirkung auf die Schliche zu kommen, macht es Sinn, auch immer wieder hinzugehen und zu "analysieren", was die einzelnen Instrumente zum Ganzen beitragen. Dadurch lernst Du als Leiter, wie Du die Band zu "dirigieren" hast, damit Dynamik und Leben ins Spiel kommt, und als Musiker, wie Du auf die Leitung und die Gesamtstimmung reagieren kannst.
  4. Hört aufeinander! Nur wer die anderen Musiker wahrnimmt und zugunsten des Gesamt-Sounds spielt, trägt auch zur Einheit in der Lobpreiszeit und vor Gott bei. Dies läßt sich ganz praktisch während der Proben üben.