Mittwoch, 28. April 2010

"Seeker-Sensitivity"?

"In our culture of ,seeker sensitivity' and radical inclusivity, the great temptation is to compromise the cost of discipleship in order to draw a larger crowd." - Shane Claiborne, The irresistible revolution. living as an ordinary radical, Grand Rapids 2006

Und, hat er recht? Tun wir dies in unseren deutschen Kirchen auch?

Freitag, 16. April 2010

"Imagine - was wäre, wenn..." - Worship-Event in der Basis mit James Mark Gulley (Waco, Texas), Teil I

Zwei Tage sind rum, die wir in der Basis mit James Mark Gulley, einem der Top-Worship-Leiter aus den Staaten, verbracht haben. Das faszinierende für mich ist, daß schon so viel passiert und mein Leben verändert hat, obwohl es eigentlich richtig erst heute abend losgehen soll.
Die erste Begegnung mit ihm war am Mittwoch abend: Angekündigt war, daß James Mark kurz bei unserer Probe reinschauen würde, um uns kennenzulernen. Tatsächlich kam er aber absolut pünktlich und rockte den ganzen Abend mit, was für mich total phänomenal war, denn immerhin war sein Flieger erst am Morgen desselben Tages gelandet. Aber es lohnte sich, denn es war einfach ein Vergnügen, mit dem Mann auf der Bühne zu stehen.

Der gestrige Abend mit James Mark war wieder Band-intern und v.a. für seine Story, Fragen und eine praktische Übung gedacht. Nachdem mein erster Eindruck von James Mark ja schon sehr positiv gewesen war, durfte ich gestern weitere geniale Facetten kennenlernen. Denn der Mann kann nicht einfach nur gut singen oder Gitarre spielen, sondern sein Herz ist das eines Mannes Gottes, er ist ein echter Worshiper by heart. Schon als er seine Lebensgeschichte erzählte, stieg in mir eine Ehrfurcht Gott gegenüber hoch. Aber als wir zur praktischen Übung übergingen, und James Mark zu spielen und zu singen anfing, lagen die Emotionen blank: Er hatte von den liebenden - aber im Vokabular noch sehr beschränkten - Worten seiner Tochter (3 Jahre) an ihn gesprochen, mit dem sie ihrem Vater ihre Liebe. Und so sollten wir zu unserem himmlischen Vater singen, ob wir nun nach menschlichen Maßstäben singen könnten oder nicht. Mich persönlich setzte diese "Anweisung" unglaublich frei und ich merkte, wie mir in den letzten Monaten genau dies gefehlt hatte. Ich mußte/durfte ein weiteres Mal realisieren, daß über Gott nachdenken doch nicht dasselbe ist, wie für Gott zu singen und sein Herz ihm auf diese Art und Weise hinzulegen, und daß absolut beides von mir will.

Mit Vorfreude blicke ich auf heute abend und bin gespannt, was Gott noch alles tun wird...

Samstag, 10. April 2010

Neue Ansätze für die Nachfolge Jesu: "Untamed" von Alan und Debra Hirsch

Alan Hirsch, einer der Vorrreiter der postmodern-missionalen Gemeindebewegung, hat mit "Untamed" erneut einen zentralen Baustein für Christsein und Gemeinde behandelt: Jüngerschaft - diesmal in Kolaboration mit seiner Frau Debra Hirsch.

Nach einigen Wochen des Wartens habe ich "Untamed" nun auch endlich lesen dürfen, und um die Spannung gleich vorweg etwas aufzulösen: Es hat sich gelohnt!

Logischerweise erinnert mich vieles an das, was ich schon zuvor bei Alan gelesen habe, da die "DNA", also die theologischen Grundsätze dieselben sind; trotzdem lohnt sich die Lektüre, da zum einen auch ganz neue Inhalte angeschnitten werden, zum anderen - vielleicht auch durch die Kolaboration mit Ehefrau Debra - das Buch aufgrund zahlreicher erwähnter Ereignisse persönlicher rüberkommt als Alans andere Werke.


Aufgebaut ist das Buch anhand folgender vier "Bereiche" und ihren Unterkapiteln:
  • The untamed god: 1. Jeebus Made Me do It, 2. Your God Is Too Sick, 3. The Spirit's Edge
  • The untamed culture: 4. Kultcha-Schultcha, 5. The Church That Jesus Built, 6. Refocusing the Family
  • The untamed self: 7. The Lying Mirror, 8. Too Sexy for the Church?
  • The untamed mission: 9. Going Out, Going Deep
Von den bereits in vorherigen Büchern behandelten Themen werden z.B. folgende wieder aufgegriffen: Unsere Ansicht über Jesus (1.), Verbindung von Jüngerschaft und Mission, Shema-Spiritualität (=praktischer Monotheismus) (2.), die Ganzheitlichkeit von Jüngerschaft (right thinking, right acting, right feeling) (2.), der missional-inkarnatorische Aspekt, Consumerism (4.), APEST (5.) u.a., immer unter dem speziellen Fokus von Jüngerschaft.
Neu sind dagegen v.a. Gedanken zu folgenden Themen: "The Spirit's Edge" (3.), "Refocusing the Family" (6.) und "Too Sexy for the Church" (8.).

Der erste Punkt dürfte besonders für charismatisch geprägte Menschen hilfreich sein, die bislang beim Lesen von Alans Literatur die Dimension des Heiligen Geistes etwas vermißt haben; an dieser Stelle wird dem voll Rechnung getragen, ohne dabei aber auf konkrete Praktiken einzugehen:


"After years of being in ministry, we and many others have come to the conclusion that with enough of the right music, preaching, emotively charged atmosphere, and clever group-socialization (crowd-control) processes, you can pretty much grow a church without God." (S.86)
"The challenge for all of us is to get to know the Holy Spirit in deeper ways and to remember that God will not be reduced to a set of ideas and beliefs." (S.91)
"Untamed discipleship is Spirit-filled discipleship." (S.102)

In "Refocusing the Family" machen Alan und Deb auf das (ihrer Ansicht nach) heutige Mißverständnis von Familie als "unit consisting of parents (single or mixed) and 2.2 kids" (S.166) aufmerksam. Auf dem Hintergrund einer materialistischen Prägung des guten Lebens sehen die beiden die Protektion der Familie vor der Außenwelt als Konsequenz, was wiederum ihrer Meinung nach ein zentraler Grund für das Fehlen von Gastfreundschaft ist (vgl. S.165). Stattdessen ist für sie die pefekte Familie, sofern möglich, "not an idealized nuclear unit of consumption, but an inclusive, warm, inviting einvironment where people can get a glimpse of true community, and therefore of heaven." (S.170)

Anhand von Beispielen anderer Kulturen (Nelson Mandela und die afrikanische Kultur; das alte griechisch Oikos-Verständnis) zeigen die beiden auf, daß das Haus vielmehr als Café oder Pub verstanden werden könnte.

Mit "Too Sexy for the Church" wollen Alan und Deb den immer noch präsenten Dualismus zwischen Sexualität und Spiritualität überwinden und versuchen dies zunächst durch folgende recht breit gehaltene Definitionen:

Sexualität: "Essentially it is a longing to know and be known by other people (on physical, emotional, psychological, and spiritual levels)." (S.213)

Spiritualität: "Essentially, it is a longing to know and be known by God (on physical, emotional, psychological, and spiritual levels)." (ebd.)

"Discipleship involves knowing and being known by God through Jesus and living our lives in the kingdom of God." (S.215)

Der Bereich der Sexualität wird dadurch als Teil von Spiritualität, Jüngerschaft und Herrschaft Jesu betrachtet, konsequenterweise dann auch als heilig angesehen. An dieser Stelle werden deshalb nicht, wie manch einer sich das vielleicht wünschen würde, schnelle Antworten darauf gegeben, ob beispielsweise Sex vor der Ehe oder Homosexualität falsch ist. Damit schlagen Alan und Deb einen Weg ähnlich zu Rob Bells "Sex God" ein und ermutigen zur eigenen Auseinandersetzung mit den eben beschriebenen Themen, ohne in eine Gesetzlichkeit zu geraten. Interessanterweise verweisen die beiden in diesem Zusammenhang darauf, daß der Umgang mit Habgier gegenüber dem mit Sexualität einen größeren Impact habe und Jesus mehr über Geld als Sexualität geredet habe, womit sie letzteres nicht lapidarisieren, sondern lediglich das Schriftzitat aus 1 Kor 6 etwas aus der Pflicht nehmen wollen, wo es um die Sünde gegen den eigenen Leib geht.

Insgesamt überzeugt mich das Buch durch viele frische und neue Ideen. Zwar werden viele bereits zuvor veröffentlichen Themen erneut angeschnitten, sodaß der mit Alans Literatur bereits Vertraute zeitweise etwas gelangweilt wird, ist es gerade für solche, die sich noch nicht intensiver mit missionaler Theologie auseinandergesetzt haben, ein sehr guter Einstieg in diesen Bereich. Abgerundet wird jedes Kapitel durch Praxis-Vorschläge und eine Reihe von Fragen, die zum Start in eine Gruppendiskussion sehr hilfreich sein können, sodaß dieses Buch kein reines Theoriewerk bleibt, auch wenn es sicherlich auch nicht als "echtes" Praxiswerk zu verstehen ist.

Samstag, 3. April 2010

Praxisorientierte Literatur zu Worship?

Seit einigen Monaten beschäftigt mich (wieder) mehr und mehr das Thema "Worship", was sicherlich zum großen Teil daran liegt, daß ich seit dem Umzug nach Mainz und in unsere Gemeinde recht intensiv in die dortige Bandarbeit und -leitung involviert bin.

Als studierter Musiker und recht rationale Person habe ich vielleicht einen etwas speziellen Blick und lege mehr Wert auf musikalische Qualität als andere. Aber neben den theologischen Gründen, die ich teilweise schon unter http://phil-mertens.blogspot.com/2010/01/ein-pladoyer-fur-mehr-musikalische.html dargelegt habe, gibt es aus meiner Sicht auch ganz Pragmatische:

Wenn die Musik harmonisch rüberkommt, die Musiker grooven, ich aufgrund der gut adjustierten Technik die Texte verstehe und nicht durch irgendwelche Patzer abgelenkt werde, kann ich persönlich mich besser auf Gott einlassen und fallen lassen. Und vermutlich geht es vielen Menschen ähnlich.

Selbstverständlich muß die Musik und alles andere immer grob den beiden großen Zielen dienen:

  1. Gott mit voller Hingabe die Ehre geben
  2. Menschen in die Anbetung führen

Darum geht es, und Musik hat dann natürlich keinen Selbstzweck, z.B. bestimmte Musiker besonders hervorzuheben, usw. Aber trotzdem ist aus meiner Sicht dieser musikalische Bereich definitiv ernst zu nehmen, vielleicht ernster, als dies bislang der Fall ist.

Dies wird auch im Bereich der Publikationen deutlich: Es gibt eine Menge an Büchern von renommierten nationalen und internationalen Lobpreisleitern, aber fast alle beschäftigen sich ausschließlich mit der geistlichen Dimension. Die einzige Ausnahme, in der ich bisher wirklich hilfreiche Tips für die Praxis fand, war das "Lobpreis 1x1 Handbuch" von Heiko Boelsen aus dem Jahre 2002 (Gottfried Bernard Verlag).

Da ich, wenn ich Bands coache, immer wieder auf die gleichen musikalischen Basics zukomme, die ich als Tips reinreiche, frage ich mich ernsthaft, ob es da nicht sinnvoll wäre, ein Buch zu schreiben, in dem ich in Form einer Art Sammlung einzelner Artikel Dinge erkläre zu Themen wie Songauswahl/Song erarbeiten, Arrangement, Groove, usw. Denn selbst das o.g. Lobpreis 1x1 reißt diese Themen, wenn überhaupt, nur oberflächlich an, konkrete praktische Anleitungen fehlen aus meiner Sicht auch dort.
Ich bin aber überzeugt, daß vielen Gemeinden und ihren Bands (v.a. den entsprechenden Leitern) damit geholfen wäre, wenn sie hilfreiche Tips an die Hand bekämen, den musikalischen Bereich auszubauen.

Deshalb würden mich in diesem Zusammenhang folgende Fragen interessieren:

  1. Gibt es vielleicht doch schon Bücher, die genau diese Sparte bedienen, die ich aber bislang übersehen habe?
  2. Welche ganz konkreten Fragen und Probleme tauchen bei der Vorbereitung/Probe/Lobpreiszeit immer wieder auf, die unbedingt in einem potentiellen Buch behandelt werden sollten?
  3. Ist solch ein Buch überhaupt sinnvoll oder würde es sowieso niemand ernsthaft lesen bzw. durcharbeiten? Wären andere Medien vielleicht hilfreicher?