Mittwoch, 13. August 2014

Ist Heilung heute (noch) möglich? Bill Johnson und Randy Clark im Interview


In letzter Zeit habe ich mich wieder mal intensiver mit dem Thema “Heilung“ beschäftigt, wovon uns v.a. im Neuen Testament immer wieder berichtet wird und wovon etliche Christen sagen, dass dies heute noch geschehe. Im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Kern des Evangeliums (als Prozess der Wieder- herstellung Gottes) bin ich darauf gestoßen, dass diese Thematik – in engem Zusammenhang auch mit Befrei- ung etc. - neben der verbalen Verkündi- gung von Kreuzigung und Auferstehung Jesu und der Sammlung der Christen zentralen Stellenwert in der Urchristenheit hatte, sodass ich nicht umhin kam, ihr ernsthafte Priorität beizumessen. Zudem hat mich diese Frage persönlich immer wieder gefesselt, und – prag- matisch formuliert – wenn tatsächlich heutzutage heute noch heilt und dazu Menschen wie Dich und mich gebraucht, will ich der Letzte sein, der sich dem widersetzt. Zu viele Menschen sterben immer noch zu früh oder quälen sich.

Unser westlich-rationalistisches Weltbild widerspricht natürlich grund- sätzlich der Möglichkeit göttlichen Eingreifens, da wir dieser Ansicht zufolge in einem geschlossenen Universum leben und auf uns allein gestellt sind. Nicht umsonst hört man gerade in nicht-westlichen Ländern wie Afrika oder Lateinamerika von Heilungsgeschichten, wo die Menschen noch durch ein ganz anderes Weltbild geprägt sind, während solche Berichte hier in Europa oder auch Nordamerika sehr rar sind.

Dennoch gibt es immer wieder auch westliche Zeugen, die behaup- ten, dass auch heute noch Heilungen geschehen, Menschen also gesundheitlich vollständig wiederhergestellt werden. Ein sehr aufschlussreiches und authentisches Dokument auf meiner Suche war dabei das Buch “Healing: Unplugged“ von Bill Johnson und Randy Clark, die sich darin gegenseitig interviewen und dabei erdig und ohne große Umschweife ihre Erfahrungen und Erkenntnisse preisgeben. Beide, Bill Johnson als Senior Pastor der “Bethel Church“ in Redding/California ebenso wie Randy Clark als Gründer von “Global Awakening“, sind die vermutlich erfahrensten und bekann- testen Vertreter der neo-charismatischen Szene und Vorreiter im gegenwärtigen christlichen Heilungsdienst. Ich persönlich schätze beide deshalb, weil sie im Gegensatz zu manch anderem sehr sachlich von ihren Erfahrungen berichten können und dabei eine Theologie vertreten, die in vielen Punkten gut verträglich ist mit meiner eigenen Perspektive.

Im ersten Teil des Buches interviewt Randy Bill, im zweiten Teil umgekehrt. Beide beginnen zunächst mit ihrer persönlichen Ge- schichte, wie sie zu dem geworden sind, was sie sind: Während Bill bereits in eine Pastorenfamilie hineingeboren ist, sich mehr und mehr mit dem Thema Heilung zu beschäftigen begann und einen entschei- dende Anstoß durch John Wimber (“Vineyard Movement“) 1987 erfuhr, erlebte Randy bereits als Teenager infolge eines schweren Autounfalls wundersame Heilung am eigenen Körper. Im Zuge der Kapitel wird nach und nach geschildert, wie sich diese Heilungs- begabung und -tätigkeit bei beiden regelrecht entwickelt. Denn interessanterweise sind es oft spezifische Krankheitsbilder, die erst nach und nach sozusagen erobert werden. Am befremdlichsten oder erstaunlichsten wirkt sicherlich dabei das Zeugnis, dass beide besonders in den letzten Jahren erlebt haben – so zumindest ihr Zeugnis -, dass Gott durch sie Menschen geheilt habe, bei denen Operationen mit Metall- oder Titanteilen schief gegangen seien und sie nun furchtbare Schmerzen und Einschränkungen hätten; die Heilungen beinhalten zumindest oft auch die Komponente, dass die eingesetzten Teile regelrecht verschwunden sind oder über die Haut resorbiert werden. Besondere Berichte wie diese als auch damit zusammenhängende theologische Positionen vermittelt dieses Buch sehr lebendig, unterhaltsam und v.a. inspirierend. Es steckt regelrecht dazu an, von Gott mehr zu erwarten, denn bei Randy und Bill bleibt Heilung kein Dienst nur für die oberen Zehn(tausend) der besonders frommen und heiligen Christen.

Ich für meinen Teil kann das Buch jedem empfehlen, der sich fernab von Show und zweifelhaften Attitüden mit dem Thema “Heilung“ auseinandersetzen will. Von meiner Theologie her ist es für mich auch sehr gut nachvollziehbar, dass Gott nach wie vor diese Dinge durch uns Christen tun will und es auch davon abhängt, welche Einstellung und Erwartung wir dem Ganzen gegenüber einnehmen; man vergleiche das nur mit der Story Jesu, der in seiner Heimatstadt Nazareth kaum Wunder tun konnte, weil die Menschen eben keine Erwartungshaltung hatten, sondern ihn lediglich für den Zimmermann hielten (Mk 6,1-6). Ich will an dieser Stelle keinesfalls eine simple Wohlstandstheologie o.ä. vermitteln, sei es im Sinne es “Man muss nur genügend glauben“; vielmehr meine ich aber, dass wir uns oft der Möglichkeiten selbst verbauen, die uns Gott eigentlich geben möchte. Ich jedenfalls bleibe dran und gespannt, wie sich meine ganz persön- liche Reise mit dieser Thematik entwickeln wird; grundsätzliche Einwände jedenfalls hege ich also nicht, da ich die Schwachstellen des westlich-rationalistischen Weltbildes kenne und glaube, dass Gott tatsächlich der Schöpfer von Himmel, Erde und des Menschen ist (creatio ex nihilo) und dieses Verlangen auch nie abgelegt hat (ergo creatio continua).