Freitag, 22. Oktober 2010

Zum Nachdenken: Abraham Josua Heschel und geistliches Leben

"The highest peak of spiritual living is not necessarily reached in rare moments of ecstasy; the highest peak lies wherever we are and may be ascended in a common deed. […] Jewish tradition maintains that there is no exterritoriality in the realm of the spirit. […] Judaism begins at the bottom, taking very seriously the forms of one's behavior in relation to the external, even conventional functions and amenities of life,, teaching us how to eat, how to rest, how to act." - Abraham J. Heschel, Man's Quest for God. Studies in prayer and symbolism, Santa Fe 1998, S.111

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Was wäre, wenn D. Bonhoeffer heute noch lebte, Teil II: Kirchenstruktur/-organisation/Formales

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) wuchs in einer gut betuchten Familie mit langer Tradition auf (sowohl kirchlich als auch profan). Sein Vater war zudem als Lehrstuhlinhaber in Berlin einer der führenden deutschen Psychiatrieprofessoren, was dazu führte, daß Bonhoeffer früh in den führenden akademischen Kreis Berliner Theologen (u.a. Adolf v. Harnack) eingeführt wurde und nach seiner Entscheidung für die Theologie u.a. über diese Verbindungen erste akademische Erfolge verzeichnete (Dissertation mit 21 Jahren, Habillitation mit 24 Jahren!!). Der Weg zum Lehrstuhl war geebnet, gleichzeitig stand ihm nach den kirchlichen Examina auch die Tür ins Pfarramt offen. Anfänglich, Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre, schien es so, als ob er sich sehr gut sowohl im akademischen als auch im kirchlichen System zurechtfinden und dort Karriere anstreben werde.

Daß Bonhoeffer sich spätestens 1935 kritisch gegenüber der universitären Theologenausbildung positionierte, läßt sich unter http://phil-mertens.blogspot.com/2010/07/lernen-von-dietrich-bonhoeffer-teil-6.html nachlesen. Dies mag sicherlich auch damit zusammenhängen, daß sich nach der NS-Machtergreifung 1933 ein bedeutender Teil der universitären und kirchlichen Theologen dem Regime gegenüber loyal verhielt. Die Kritik jedoch, die er vorbrachte, bezog sich primär darauf, daß in der universitären Ausbildung die spirituelle Dimension, vornehmlich Gebet und Nachfolge, außen vor gelassen werde. Erst sekundär erwähnte er das Verhältnis zum Staat.

Eng mit der Kritik an der bestehenden Theologenausbildung verbunden, sprach Bonhoeffer zu dieser Zeit, Mitte der 30er Jahre, mehrfach von der Option einer Freikirche
(vgl. Bethge, Bonhoeffer, 362; 374; 379), u.a. angeregt durch seine multikonfessionellen Erfahrungen: Eine Studienreise nach Rom (1924) hatte ihn bereits früh vom Katholizismus beeindruckt, später kamen ein Vikariat in Barcelona (1928) und ein Studienjahr in New York am Union Theological Seminary dazu (1930-31), desweiteren sein ökumenisches Engagement ab 1931. Bonhoeffer bewegte sich also jenseits engstirniger Konfessionsgrenzen, sodaß auch die Option einer Freikirche nicht gänzlich aus dem Rahmen fiel. Seine Theologie jener Zeit, wie er sie dann auch in der "Nachfolge" (1937) niederschrieb, verfolgte ebenfalls die Sammlung der Nachfolgenden jenseits von "billiger Gnade".

Im Jahre 1942 verfaßte Bonhoeffer ein Kladdeentwurf (DBW 16, 589-595; vgl. Eberhard Bethge, Dietrich Bonhoeffer. Theologe - Christ - Zeitgenosse, 9. Aufl. Gütersloh 2005) einen Verweis auf ), in dem es heißt, es müsse "vermieden werden, daß die reaktionären Kreise der einstigen Generalsuperintendenten und der kirchenbehördlichen Bürokratie wieder die Leitung in die Hand bekommen." (ebd., 593) Ebenso ist die Rede von einer Neubildung der theologischen Fakultäten, Abschaffung des Kirchenministeriums und überhaupt einer staatsfreien Kirche.

Bonhoeffer wollte aufräumen innerhalb der Staatskirche durch Abspeckung und Abschaffung bestimmter kirchlicher Ministerien, grundsätzlich Trennung der Kirche vom Staat. Offensichtlich hatte er seine Gedanken bzgl. einer Freikirche zwischenzeitlich fallen gelassen und hoffte auf eine gesamtkirchliche Erneuerung. Die theologische Entwicklung in der "Ethik" spricht eine ähnliche Sprache (vgl. Bethge, Bonhoeffer, 805ff.), geht sogar über die gesamtkirchliche Verantwortung hinaus und nicht ganz neu die Welt mit in den Herrschaftsbereich Christi hinein (806; vgl. DBW 6, 39ff.).

Neben vielen anderen Gedanken, die Bonhoeffer bereits zuvor geäußert hatte (gut nachzulesen in "Bonhoeffer als praktischer Theologe" von Peter Zimmerling, Göttingen 2006), sind seine Ausführungen während der Tegeler Gefangenschaft maßgeblich, die er in einem "Entwurf für eine Arbeit" andachte (vgl. D. Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, 18. Auflage Gütersloh 2005, 203-206). Auf diesen wenigen Seiten skizzierte er folgende interessante Gedanken:
 
  1. Die Bekennende Kirche trete zu stark für die Sache der Kirche ein und zu wenig für persönlichen Christusglauben (203).
  2. "Glaube" sei Teilnahme an Jesu "Dasein-für-andere"; wie dies Jesu Transzendenzerfahrung gewesen sei, sei der "jeweils gegebene erreichbare Nächste […] das Transzendente" (204) des Gläubigen. Transzendenz - und damit Relation zu Gott durch Jesus - drücke sich deshalb im Dasein für andere aus (->; Nächstenliebe: http://phil-mertens.blogspot.com/2010/10/meine-liebe-zu-obdachlosen-gott-und-mir.html. vgl. dazu: D.Bonhoeffer, Ethik (DBW 6), 2. Auflage Gütersloh 1998, S.257ff.).
  3. Über die Möglichkeit der Neuinterpretation biblischer Begriffe steht scheinbar die Frage nach einem notwendigem Glaubensinhalt auf dem Spiel; jedoch beinhalte dieser Ansatz "[ü]berholte Kontroversfragen, speziell interkonfessionell; die lutherisch-reformierten - (teils auch katholischen) Gegensätze sind nicht mehr echt." (204)  Die Konsequenz sei, sich nicht - wie Barth und die Bekennende Kirche - hinter einem "Glauben der Kirche" (205) zu verschanzen, sondern seinen Glauben zu konstatieren. Das klingt in meinen Ohren schon recht postmodern nach Slogans wie "Einheit im Zentrum (Jesus), Vielfältigkeit in den Details."
  4. Für die Kirche bedeute dies anhand von 2. deshalb zunächst (nur), daß sie notwendig Kirche für andere sein müsse, was bedeute, daß sämtliches Kircheneigentum an Arme gegeben werden müsse und Pfarrer von freiwilligen Gaben (= Spenden; vgl. Zimmerling, S.51) - evtl. samt weltlichem Beruf - leben sollten (205). "Helfend" und "dienend" sind seine Begriffe, die sich allerdings nur durch "Vorbild […] Nachdruck und Kraft" (ebd.) bekämen. 
  5. Die "Revision der ,Bekenntnis'frage" (205f.) wirft er erneut auf, ohne sie näher zu erläutert.

Insgesamt deutet vieles darauf hin, daß Bonhoeffer sich nach einer Freikirche folgender Art gesehnt hat: 

  • Intensive Spiritualität und echte Nachfolge der Gläubigen
  • Individualität in "sekundären" Fragen
  • Trennung der Kirche vom Staat
  • Abschaffung des (möglicherweise) größten Teils der kirchlichen Ministerien
  • Versorgung der Pfarrer durch direkte Spenden der Gemeindemitglieder
  • Ausbildung des theologischen Nachwuchses mit dem Schwerpunkt auf Spiritualität und Nachfolge 

Dieses "Programm für die Großkirche" war kein einfacher Geistesblitz Bonhoeffers, sondern entwickelte sich über Jahre und deckt sich mit seiner Theologie. Tatsächlich konnte er sich während des NS-Regimes innerkirchlich damit nicht durchsetzen, was daran deutlich wird, daß er zwischenzeitlich ernsthaft über eine separate Kirche nachdachte. Offen muß natürlich bleiben, welche Stimme er nach 1945 innerhalb der Kirche gehabt hätte. Doch läßt sich einerseits festhalten, daß Bonhoeffers politische Tätigkeiten innerhalb der Kirche nur wenig bis keine Anerkennung fanden (er tauchte beispielsweise nur sehr spät auf Fürbittelisten der Kirche auf). Andererseits hatte er sehr gute politische und kirchliche Beziehungen und wäre vielleicht nach dem NS-Regime mit anderen Augen betrachtet worden - v.a. von internationaler Seite.

Bonhoeffers angedachte Trennung der Kirche vom Staat wäre wohl der größte Einschnitt gewesen und hätte zur Abschaffung der Kirchensteuern geführt und damit die Finanzierung des Kirchenpersonals in die Hände der einzelnen Gemeinden gelegt. Aber darüberhinaus: Wie hätte  es sich dann beispielsweise mit dem schulischen Religionsunterricht verhalten? Welche strukturellen Veränderungen hätte es im diakonischen Bereich gegeben? Und wie hat sich Bonhoeffer die Finanzierung der theologischen Ausbildungsstätten gedacht?

Andererseits: Welch eine Kultur hätten wir wohl innerhalb der evangelischen Kirche(n) heutzutage? Welche politische Stimme hätten damit Repräsentanten dieser Kirche? Wie sähe damit auch die soziale Versorgung in Deutschland aus? 


Hier sind natürlich nur Spekulationen möglich. Aber sich einfach mal die Dimensionen vor Augen zu malen, kann z.B. dabei helfen, seinen Blick einmal jenseits des derzeitig Gegebenen zu wenden. Ich selbst versuche seit einiger Zeit immer wieder, über theologische Bildung und Ausbildung neu zu nachzudenken; daneben immer wieder einzelne theologische Aspekte (Kulturrelevanz, Reich Gottes, jüdisches Denken, etc.). Umso mehr freue ich mich, daß es vor, neben und mit mir schon viele gibt, die sich diesem Erneuerungsprozeß in vielen weiteren Bereichen ebenfalls aussetzen. Meine Hoffnung ist darüberhinaus, daß es nicht nur bei einzelnen bleibt, sondern Kirche in ihrer Gänze revolutioniert wird - und Bonhoeffers Vision wesentlich an Realität gewinnt.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Mainzer verschenken Weihnachtsfreude– Seid dabei

Vor ein paar Tagen erzählte mir ein Bekannter von KIA Mainz (Kirche in Aktion) von deren Verschenk-Aktion, Bedürftigen in Rumänien ein unvergeßliches Weihnachten bescheren zu wollen. Ich selbst finde die Aktion super und habe deshalb die Infos im nachfolgenden angefügt. Vielleicht findest Du die Aktion ja genauso gut und sponsorst ein eigenes Paket. Ich danke Dir schon an dieser Stelle.
 

"Schön verpackte Päckchen gehören für uns zum Weihnachtsfest dazu wie der traditionelle Mainzer Weihnachtsmarkt. Doch leider kann nicht jeder Weihnachten so verbringen wie wir.

Beispielsweise in Rumänien gibt es viele Menschen, die unter der Armutsgrenze leben.


Wir von Kirche in Aktion Mainz möchten praktisch und konkret dabei helfen, diesen Menschen in Rumänien ein unvergessliches Weihnachtsfest zu bereiten. Deshalb packen wir Pakete mit wichtigen Lebensmitteln und Hygieneartikel. Diese werden dann mithilfe eines Transporters direkt nach Rumänien gebracht.


Dahinter steht die Organisation
Helping Hands e.V., eine Initiative für Entwicklungs- und Katastrophenhilfe.

Werdet auch ihr ein Freudenstifter für Bedürftige in Rumänien! Wir möchten euch einladen, an dieser Paket-Aktion teilzunehmen. Gemeinsam können wir Weihnachsfreude nach Rumänien schicken.


Wie könnt ihr dabei konkret helfen? Für nur 15 Euro kann ein Paket gepackt werden – ganz einfach und unkompliziert.


Auch kleine Dinge, können Großes bewirken. In unsere Weihnachtspäckchen kommen einfache Gegenstände:

viele-Leute-mit-Paeckchen

1 kg Reis (kein Milchreis!)
1 kg Nudeln
500 g Kaffee, gemahlen und vakuumverpackt
1 Tüte Gummibärchen
3 Tafeln Schokolade
2 Pakete Tee
4 Röhrchen Vitamintabletten
1 Shampoo
2 Tuben Zahnpasta
2 Zahnbürsten
2 Stück Seife
1 Deostift
1 Handcreme

Wir kümmern uns darum, dass die Pakete direkt bei den Bedürftigen in Bukarest, Rumänien ankommen. Gerne könnt ihr diese Aktion aber auch mit einer Geldspende unterstützen. Durch eine Spende mit Vermerk "Weihnachtsfreude" auf das Konto von Helping Hands e.V. (Konto-Nr. 22394 bei der Kreissparkasse Gelnhausen, BLZ 507 500 94). Bitte gebt eure vollständige Anschrift an. Ihr erhaltet dafür eine Spendenquittung.


Abgabeort ist im KiA Haus, Wormser Straße 111, 55130 Mainz. Letzter Abgabetermin ist Freitag, der 5. November.


Weitere Infos unter:
">http://eurasia-help.org/helfensiemit/weihnachtspakete.html">

Habt ihr noch Fragen? Wendet euch einfach an Kathrin Arnold (kathrin(at)kiamainz.de)."

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Meine Liebe zu Obdachlosen, Gott und mir selbst

Seitdem ich - nunmehr etwa 1 Jahr - mitten in der Mainzer City (Fußgängerzone) wohne, sehe ich tagtäglich Obdachlose. Und besonders dann, wenn ich zu Fuß von zuhause zur "Basis", unserer Gemeinde, gehe (oder zurück), muß ich über diese Leute nachdenken. In letzter Zeit habe ich regelrecht das Gefühl, daß Gott durch diese "Begegnungen" bewußt an mir arbeiten möchte - besonders über das Doppelgebot der Liebe und eine spezielle Auslegung dazu, die ich im folgenden etwas ausführlicher erläutern möchte.

Und zwar wurde Jesus  zu seiner Zeit seinem Auftreten entsprechend als jüdischer Schriftgelehrter (Rabbi) wahrgenommen. Wie es unter jüdischen Schriftgelehrten üblich war, stand im Mittelpunkt der Diskussion die Frage nach der rechten Auslegung der hebräischen Schrift, des Tanach - heute besser bekannt als "Altes Testament". 

Genau diese Situation finden wir im Zusammenhang der Frage nach dem höchsten Gebot wieder (Mt 22,34-40; Mk 12,28-34; Lk 10,25-28). Bei Lk heißt es explizit, daß ein anderer Schriftgelehrter Jesus versuche, was zunächst nichts weiter bedeutet als, daß er Jesu Auslegung der Schrift hören möchte und was er als höchstes und wichtigstes Gebot ansehe. Jesus erwidert, wie er denn das Gesetz bzw. die Schrift lese (Lk 10,26).

Unter den jüdischen Gelehrten gab es immer wieder das Bestreben, die 613 Gebote der Schrift zusammenzufassen. Regelmäßig stieß man auf die Frage, welches das wichtigste Gebot sei. Eine prominente Antwort damaliger Zeit lautete "Der Gerechte wird aus Glauben leben" (Hab 2,4), was wir später auch bei Paulus wieder finden werden (vgl. Röm 1,17; Gal 3,11). Einer der angesehensten Rabbis namens Hillel formulierte dem gegenüber: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Das ist die ganze Tora, alles andere ist Kommentierung..."

Jesus (oder - bei Lk - der Schriftgelehrte) antwortet mit zwei Geboten: "Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all Deinem Verstand." und "Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst." (Mt 22,37-39; Mk 12,30f.; Lk 10,27)

Nach Dwight A. Pryor tut Jesus hier zweierlei, er benutzt zwei Arten der rabbinischen Bibelauslegung (werden o.g. Hillel zugeschrieben): Erstens legt er das eine Gebot durch das andere aus ("Analogieschluß"). Das funktioniert wie folgt: Man sucht zwei Verse, die gleiche Bestandteile haben, in diesem Fall "Du sollst lieben". Das bedeutet praktisch: Wenn Du das Gebot "Du sollst den Herrn lieben" erfüllen willst, erfülle "Du sollst deinen Nächsten lieben". Wenn Du also das Nächstenliebegebot erfüllst, erfüllst Du auch das Gottesliebegebot! Denn in echter Nächstenliebe zeigt sich auch Deine Liebe zu Gott. 

Der zweite Kniff besagt, daß durch diese Kombination aus beiden Geboten faktisch nur noch ein einziges wird. Es lassen sich beide nicht voneinander trennen oder gegeneinander ausspielen, weil sie untrennbar zusammengehören. Jede Überbetonung eines der beiden führt zu Gesetzlichkeit oder reiner Vergeistlichung (von späteren jüdischen Gelehrten wird dies der Zusammenhang von Halacha und Agada/Kavanah genannt werden).


Auf meine persönliche Situation gemünzt, bedeutet das: Wenn ich einem Obdachlosen in irgendeiner Form Liebe entgegenbringe, drücke ich ebenso Gott gegenüber meine Liebe aus. Ich fing tatsächlich damit an, Münzgeld in meinen Taschen zu sammeln, um bei Gelegenheit etwas zu geben - oder weil ich dachte, ich müßte. Dennoch fehlte mir etwas, und ich fragte mich immer wieder, ob das mit dem Geld eigentlich der richtige Weg sei und tatsächlich helfen werde - und ob dies wirklich aus Liebe geschehe.

Bei Abraham Heschel, einem jüdischen Theologen des 20. Jh.s, stieß ich schließlich auf einen für mich sehr hilfreichen Aspekt. Und zwar bestätigt Heschel einerseits die Auslegung Pryors, indem er formuliert: "[T]he way of faith is a way of living" (God in search of Man, New York 1983, S.344), womit er den Ausdruck der Liebe zu Gott letztlich in sämtlichen Geboten gegeben sieht. Entscheidend aber sei dabei das Ziel "to transform the performer" (ebd., S.337). Das Ausführen der Gebote habe neben dem direkten praktischen Nutzen v.a. zwei Ziele: 1. Die Anbetung Gottes, 2. die Veränderung desjenigen, der das Gebot ausführt.

Dieser letzte Gedanke entspannt(e) mich bei der Frage, ob es überhaupt hilfreich ist, einem Obdachlosen einen Euro zu geben. Entscheidender ist zunächst, daß Gott meine innere Einstellung (Menschenfurcht, Berührungsängste, abwertende Gedanken) ändern und dadurch Seine Herrschaft in mir groß machen will. Daraus mag Größeres entstehen, mehr zumindest, als das Geld lieblos zu verschenken.

Es bleibt die Aufgabe herauszufinden, ob jemandem tatsächlich mit einem oder zwei Euro längerfristig geholfen ist. Daß ich aber in diesem Moment des Gebens mindestens drei Parteien einen Liebesdienst erweisen kann - dem Obdachlosen, Gott und mir selbst -, ist nicht von der Hand zu weisen.