Montag, 22. September 2014

Neues vom LEAP-Network

Mein guter Freund Benjamin Rudolph, Leiter und Gründer des LEAP-Networks, war mal wieder fleißig und hat einen Kurzclip produziert, um deutlich zu machen, worum es dem LEAP-Network eigentlich geht. Seht selbst: 




Freitag, 19. September 2014

Zum Nachdenken: Mission und Out-of-the-Box-Denken (Alan Hirsch & Dave Ferguson)

“Die erste Priorität im Mobilisieren für Mission muss die Freisetzung der Vorstellungskraft sein. Wir müssen Menschen helfen, kreativ darüber nachzudenken, wie wir die Mission Jesu erfüllen können. Es gibt so viele Nachfolger, die es gut meinen, aber feststecken in bestehenden Denkmustern und nicht wissen, was sie nicht wissen. Wenn Menschen es nicht sehen können, können sie es nicht glauben, und wenn sie es nicht glauben können, werden sie es niemals tun! Was sie brauchen, ist Vorstellungskraft.“

 - Alan Hirsch/Dave Ferguson, On the Verge, Grand Rapids: Zondervan 2011, 262.

Sonntag, 14. September 2014

Was war das tatsächlich Neue an Jesus? Guido Baltes, "Jesus, der Jude, und die Missverständnisse der Christen

In Zeiten postmoderner Plurifor- mität ist es für unsere Kirchen immer wieder wichtig und gesund, auf die Schlüsselfigur Jesus zu schauen und von Ihm her zu fragen, was Er eigentlich wollte und was das Besondere an Ihm war. Guido Baltes, promovierter Neutestamentler und evange- lischer Pfarrer, Dozent am Mar- burger Bildungs- und Studien- zentrum und Mitarbeiter im Christus-Treff, tut dies und legt mit seinem Buch "Jesus, der Jude, und die Missverständnisse der Christen" (Marburg: Francke, 2013, 2. Aufl. 2014) eine gut leserliche Einführung über die jüdischen Hintergründe Jesu vor. Denn das ist der entscheidende Kontext, in dem er ihn verortet. Anhand von acht thematisch ausgerichteten Kapiteln (+ Epilog) auf insgesamt 276 Seiten deckt Guido Baltes dabei insgesamt 80 Missverständnisse auf, die er in der christlichen Szene vorfindet. Denen begegnet er nicht nur in persönlichen Zeugnissen, sondern auch in brandaktueller christlicher Literatur der Emerging- und missionalen Szene wie bei Rob Bell, Michael Frost & Alan Hirsch, aber auch bei John Eldredge und auch dem wohl aktuell angesagtesten Neutestamentler der evangelikalen Szene, N.T. Wright; sie alle will Guido Baltes nicht diffamieren, sondern er korrigiert sie, weil er sie nach eigenem Zeugnis besonders schätzt. Damit kommt dem Buch neben den allgemein guten Informationen die aktuelle Brisanz zu. Denn es bietet zu jedem Thema ausführliche Lesetipps und Hintergrundinfor- mationen, bleibt dabei gut verständlich, regt zur weiteren Beschäf- tigung mit der Thematik an und zeigt die Rezeption Jesu in wichtigen Veröffentlichungen auf. Besonders erwähnt seien die zahlreichen Zitate aus der rabbinischen Literatur, die dem Leser nicht nur den Zugang zu dieser Textsorte erleichtern und schmackhaft machen, sondern auch zeigen, wie tief Jesus von Nazareth in der jüdischen Kultur, Theologie und überhaupt Welt seiner Zeit verwurzelt war.

Über die eigene Biographie als zeitweiser Auslandspfarrer in Jerusalem führt Guido Baltes in die jüdische Welt Jesu ein (Kap. 1) und erklärt, wie schon oben erwähnt, sein Anliegen: "Ich möchte Jesus als einen Menschen beschreiben, der nicht nur als Jude geboren wurde, sondern auch als Jude starb und auferstand." (7) Er will damit althergebrachte Vorurteile gegenüber dem Judentum abbauen und versucht, den Leser für die jüdische Welt des Zweiten Tempels sensibel zu machen, die er dezidiert von der israelitisch-davididischen Zeit wie auch dem modernen Judentum abgrenzt. Unter dem Titel "Jesus und seine jüdische Familie" (Kap. 2) werden Themen wie Beschneidung, religiöse Sozialisation oder auch ein falsch verstandenes Erwählungskonzept behandelt, wobei u.a. etwas klischeehaft en passant die Wichtigkeit von Ehe und Sex innerhalb der Ehe betont werden. Mit Kap. 3 baut Guido Baltes zurecht die Mauern besonders zum Pharisäismus ab und erläutert ausführlich die jüdischen Quellen jener Zeit, sodass deutlich wird, wie nah Jesus den dominierenden Lehren seiner Zeit stand (der nicht vorhandene Gegensatz zwischen Glauben und Werken/tun der Gebote sei an dieser Stelle eigens hervorgehoben). Jesu Stellung zum jüdischen Gesetz (Kap. 4) bestätigt diese Sicht und macht außerdem deutlich, dass es Jesus gerade nicht darum ging, das Gesetz (bzw. richtiger die Tora) abzuschaffen als etwas Temporäres oder gar Symbolisches, sondern als erfüllt zu sehen, auch wenn er manche Auslegung der Pharisäer nicht teilte. Fast überflüssig sollte eigentlich die Erläuterung sein, dass Jesus das Alte Testament (oder besser: Die Hebräische Bibel) in voller Gänze als autoritativ ansah, als Seine Bibel wertschätzte und den darin dargestellten Gott als Seinen Vater verkündete (Kap. 5); besonders begrüßenswert sind die Hintergrund- informationen über den Unterschied zwischen griechischem und hebräischem Denken sowie die Aufforderung, das Neue Testament vom "Alten" her zu lesen und nicht umgekehrt. In Kap. 6 deutet Guido Baltes Jesu Verständnis zum Jerusalemer Tempel; entgegen der aktuellen dritten Suche nach dem historischen Jesus wird Jesu Stellung zum Tempel - nicht ohne triftige Begründung - als äußerst positiv gedeutet. Auch Sein Verhältnis zur jüdischen Hoffnung (Kap. 7) bleibt nach Guido Baltes mit seiner dualen (nicht dualistischen!) Deutung zwischen gegenwärtigem und zukünftigem Reich Gottes, universaler und individueller Auferstehung der Toten und den Optionen von Himmel und Hölle ganz im Rahmen der damaligen jüdischen Erwartungen. Das abschließende achte Kapitel deutet auch Paulus als Verfechter des (natürlich messianischen) Judentums und betont u.a. das erst prozessartige Auseinandergehen von Judentum und Christentum als zwei distinkte Entitäten im Laufe der Jahrhunderte. 

Für manchen Leser sicherlich herausfordernd ist das Fazit des Buches, dass Jesus sich gerade nicht durch seine Lehren in signifi- kanter Weise von seiner jüdischen Umwelt unterschieden habe; vielmehr sei es die Person Jesu selbst, so Guido Baltes, in der sich die jüdische Hoffnung erfüllt habe und worin gerade der Unterschied zum sonstigen Judentum lege: 

"Im Mittelpunkt der neutestamentlichen Botschaft steht keine neue Lehre, keine neue Religion und keine neue Ethik, sondern eine Person. Diese Person ist Jesus, der Jude. Es geht darum, dass in diesem Juden Jesus Gott selbst Mensch wurde. Dass er sein Leben gab, um unseren Schuld zu tragen. Dass er von den Toten auferstanden ist, um uns den Weg zu einem neuen Leben in der kommenden Welt zu bahnen. Dass Jesus der Messias Israels ist und damit auch der Retter der Welt. Und dass er uns einlädt, ihm unser Leben anzuvertrauen. Darum geht es im neuen Testament." (254)

Auch wenn man nicht in allen Punkten folgen mag, liegt mit diesem Buch eine absolut wichtige und lesenswerte Grundlage vor, den Jesus der Evangelien besser zu verstehen, sofern man auch bereit ist, sich persönlich in seinem Glauben herausfordern zu lassen. Selbst der studierte Theologe wird dabei ganz neue Impulse und Informationen erhalten, sodass ich das Werk grundsätzlich als Standardlektüre an Bibelschulen, theologischen Seminaren und gar Universitäten empfehle. Dies Werk war hoffentlich nicht das letzte Werk seiner Art aus der Feder des Autors, denn was tatsächlich (aber verständlicherweise aufgrund der Fülle des Materials) viel zu kurz kommt, ist die Auseinandersetzung mit den übrigen Schriften des Neuen Testaments jenseits der Evangelien; die (echten) paulinischen Briefe und einiges mehr sind als literarische Werke ja teils deutlich früher/älter als die Evangelien selbst und bieten eigenständige, zumeist theologische Deutungen Jesu, die Guido Baltes aber fast vollständig außen vor lassen muss (mit Ausnahme des letzten Kapitels). Ein zweiter Band wäre also wünschenswert und gerade für den theologisch nicht-gebildeten Laien hilfreich und wichtig, um ein rundes Bild zu erhalten. Zudem dürfte Guido Baltes die ein oder andere seiner Thesen aus diesem Buch dann etwas entschärfen oder zumindest anders formulieren, da manche seiner sog. Missver- ständnisse aus meiner Sicht ihren Ursprung in den übrigen neutestamentlichen Schriften haben; bsp. wird ja der israelitische Opferkult laut Hebr 7 als unvollkommen beschrieben und durch Jesus als ein für allemal abgeschafft gedeutet, während Guido Baltes darauf mit keinem Wort eingeht. Wünschenswert wäre zudem in einer dritten Auflage eine noch genauere Argumentation seiner Thesen durch konsequente Belege. Natürlich schreibt er keine wissenschaftliche Abhandlung, es wirkt aber an manchen Stellen etwas schwammig, und er könnte dies durch wenige Fußnoten mehr leicht beheben; auch die sporadische und manchmal gegeneinander abwägende Kritik am evangelikalen und liberalen Lager wirkt teils zu pauschal und unpräzise. 

Diese Kritik schmälert aber den Wert des Buches keineswegs. Gerade auch für den postmodernen Gemeindebau ist diese Jesus-Einführung überaus hilfreich, weil sie a) zeigt, wie vielschichtig das Judentum des 1. Jahrhunderts und damit Jesus innerhalb einer gewissen Pluriformität darstellt, wie auch das Christentum des 21. Jahrhundert viel pluriformer ist als die oft so monolithisch dargestellte evangelikale Szene, und b) immer wieder die Spannung/Dualität zwischen Gegenwärtigem und Zukünftigem, Irdischem und Himm- lischem, Individuellem und Kollektivem, zwischen institutioneller und spontaner Glaubenspraxis und zwischen Sendung und Versammlung hervorhebt. Und genau diese Spannungen brauchen wir so dringend in unseren Kirchen, um nicht von einer Site vom Pferd zu fallen, wie dies manchmal in der aktuellen christlichen Literatur der Fall zu sein scheint.

Donnerstag, 4. September 2014

Lücken schließen mit dem LEAP-Network. Ein kurzer Bericht vom ersten Stakeholder-Meeting in Karlsruhe




Nachdem ich bereits seit dem letzten Jahr immer wieder mit Gründer und Leiter des LEAP-Networks (engl. Sprung), Benjamin Rudolph, im Gespräch gewesen war, fand nun vorgestern endlich das erste persönliche Treffen mit ihm und anderen Involvierten statt, und zwar beim ersten Stakeholder-Treffen in Karlsruhe. Das LEAP-Network, das seit gut drei Jahren aus dem JANZ-Team/Teach Beyond innovativ nach vorne prescht, will eine Lücke innerhalb der deutschen missionalen Landschaft schließen; statt klassisch evangelistischer Veranstaltungen soll der Sprung in das Leben mit den Menschen zu teilen gefördert werden, um dort Gottes wiederherstellende Gegenwart zu leben (= inkarnatorischer Lebensstil). Vermittelt wird dieser Ansatz bislang schon durch Schulungen in Kirchen angeboten, um diese grundlegenden Gedanken missionaler Theologie auf breiter Ebene zu pflanzen. 

Im Gegensatz zu den sonstigen Seminaren und Schulungsmöglichkeiten, die sich i.d.R. eher an Gemeindeleiter und Pastoren richten, konzentriert sich das LEAP-Network dabei aber zu allererst auf die Basis jeder Gemeinde, die Ehrenamtlichen (wobei natürlich die Hauptamtlichen nicht ausgeschlossen werden solen); aktuell gibt es dazu bereits einen Grund- und einen Aufbaukurs, der jeweils über einen Tag lang in der Gemeinde veranstaltet und unterrichtet werden kann. Er kann natürlich auch jederzeit gebucht werden, und zwar hier.

Welche Zwecke das LEAP-Network neben dem relativ klassischen Schulungsangebot ansonsten noch bieten will/wird, ist bislang weitestgehend offen. Und genau dafür war das gestrige Treffen in Karlsruhe da, um zunächst einmal die Interessierten kennenzulernen, darüber hinaus aber auch zu diskutieren, in welche Kerbe überhaupt das Ganze schlagen will, wohin es also neben all den bestehenden Netzwerken und Initiativen wie “Inno“, “Novavox“, “Fresh X“ usw. noch gehen kann. Einigkeit - soviel sei schon mal vorab verraten - bestand darüber, dass es nicht beim reinen Schulungsangebot bleiben soll, das ja auch von vielen anderen Initiativen bereits abgedeckt wird. Vielmehr geht der Trend bei LEAP dahin, einerseits ein aktives Netzwerk zu etablieren und dabei beispielsweise konsequent Ressourcen zu bündeln, andererseits auf das Schulungsangebot aufbauend aber auch bei den praktischen Prozessen des missionalen Umdenkens und v.a. -agierens mit Rat und Tat zur Seite zu stehen; gerade Letzteres hinkt aus meiner Sicht in all der Missionalität noch deutlich hinterher.

Wir können gespannt sein, was die nächsten Stakeholder-Meetings ergeben; ich jedenfalls freue mich, mit so vielen inspirierenden Menschen weiterzudenken und zu schauen, welchen Teil ich und wir leisten können, um missionale Theologie ein Stückchen mehr Realität werden zu lassen. Willst Du dabei sein bei diesem Netzwerk, sprich mich gern an oder kontaktiere direkt Benjamin, den Leiter und Gründer vom LEAP-Network.