Montag, 22. Dezember 2014

Nicht verpassen: Demnächst hier “Vor-“Rezension zu Roland Hardmeiers “Mssionale Theologie“ (erhältlich ab März 2015)

Ich habe das Privileg, als einer der Ersten Roland Hardmeiers neues Werk “Missionale Theologie“ lesen zu dürfen. Das Buch kommt eigentlich erst im März heraus, aber in den nächsten Tagen werdet Ihr hier auf meinem Blog bereits eine erste knappe Zusammenfassung mit Gedanken  dazu finden. Lasst Euch das auf keinen Fall entgehen! Demnächst also mehr - hier.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Zum Nachdenken: Das Malheur falschen BIbelgebrauchs. Peter Rollins, der orthodoxe Häretiker

“Unsere Aufgabe besteht nicht allein darin, zur Bibel zurückzukehren, sondern zum lebensspendenden Wort zurückzukehren, das die Bibel erst ermöglichte und das durch sie spricht - wir hören die Botschaft, indem wir sie ausleben, anstatt uns bloß an ihrer Sprachgewalt zu erfreuen.“

- Peter Rollins: Der orthodoxe Häretiker - und andere unglaubliche Geschichten. Marburg: Verlag der Francke-Buchhandlung, 2014, Edition Emergent, S. 69f.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Zum Nachdenken: Liebe vs. Ethik? Peter Rollins, der orthodoxe Häretiker

“Anders ausgedrückt sollten wir uns fragen, ob uns die Heilige Schrift wirklich konkrete ethische Anweisungen gibt, die dann in eine Art religiösen Verhaltens- kodex umgemünzt werden können, oder ob uns Jesus nicht eigentlich eine von Grund auf andere Herangehensweise an das Leben eröffnet.
Was ist, wenn Jesus seinen Nachfolgern nicht eine Ethik anbot, nach der man sich richten soll, sondern sie einlud, sich auf ein Leben der Liebe einzulassen, das über eine bestimmte Ethik hinausgeht, ein Leben in Freiheit, welches jenseits von religiösen Gesetzen besteht?
[…] Denn während das Gesetz uns ein durchschnittliches Leben verspricht, beruft uns der Weg der Liebe zu einem Leben, das weit über das Gesetz hinausgeht. Liebe treibt uns dazu an, über unsere Pflichten hinauszugehen, anstatt uns mit ihrer Erfüllung zufriedenzustellen.“


- Peter Rollins: Der orthodoxe Häretiker - und andere unglaubliche Geschichten. Marburg: Verlag der Francke-Buchhandlung, 2014, Edition Emergent, S. 63ff.

Samstag, 6. Dezember 2014

Zum Nachdenken: Glaube durch Erklärung von Leid? Peter Rollins, der orthodoxe Häretiker

“Die Wahrheit des Glaubens wird nicht dadurch artikuliert, dass man Gründe für das Leid anführt, sondern vielmehr, indem man sich zu denen stellt, die leiden, ihnen beisteht und für sie eintritt. Das ist Seelsorge in reinster Form.“

- Peter Rollins: Der orthodoxe Häretiker - und andere unglaubliche Geschichten. Marburg: Verlag der Francke-Buchhandlung, 2014, Edition Emergent, S. 60.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Zum Nachdenken: Die Herausforderung uneigennütziger Gastfreundschaft. Peter Rollins, der orthodoxe Häretiker

“Unsere Gastfreundschaft ist oft nicht mehr als eigennütziger Austausch, bei dem wir einige Leute zu unserem eige- nen Vergnügen in unser Haus einladen. Unsere Gastfreundschaft ist an Bedin- gungen geknüpft, Bedingungen, die Höflichkeit, Respekt und eine gute Flasche Wein beinhalten.
Obwohl an einer solchen Tatsache nichts auszusetzen ist, geht die radikale, un- mögliche Gastfreundschaft, von der Jesus sprach, unendlich viel weiter. Es handelt sich dabei um eine Gastfreund- schaft, die jenen die Türen öffnet, die nicht Teil unseres Freundeskreises sind, denjenigen, die uns wahr- scheinlich keine Geschenke mitbringen oder sich nicht um unsere Gefühle scheren. Diese Sicht von Gastfreundschaft steht im Einklang mit Jesu Sicht von Liebe - einer Liebe, die von uns mehr verlangt, als lediglich diejenigen anzunehmen, die uns liebe (was manchmal sogar die unbarmherzigste Kriminellen tun). Sie verlangt von uns, jene anzunehmen, die uns gleichgültig gegenüberstehen oder die uns sogar verachten.“

- Peter Rollins: Der orthodoxe Häretiker - und andere unglaubliche Geschichten. Marburg: Verlag der Francke-Buchhandlung, 2014, Edition Emergent, S. 45f.

Montag, 1. Dezember 2014

Zum Nachdenken: Sollen wir wirklich die andere Wange hinhalten? Peter Rollins, der orthodoxe Häretiker

“Tatsächlich ist die unangenehme Wahr- heit sehr wahrscheinlich, dass wir dieje- nigen sind, die die Art von Menschen, mit denen Jesus sprach, unterdrücken - nicht direkt mit hasserfülltem Herzen, aber in- direkt durch die Kleidung, die wir kaufen, den Kaffee, den wir trinken, die Investi- tionen, die wir tätigen, und die Autos, die wir fahren. […] Es ist eine Erinnerung daran, dass ich diese Worte nur aufge- schnappt habe und dass sie eigentlich nicht für mich, sondern für diejenigen bestimmt sind, denen ich durch meine tagtäglichen Entscheidungen schade, ja sie im schlimmsten Fall sogar damit zerstöre. […] Würde er [Jesus] mich mit den Worten ’Falls jemand dir deinen Mantel nimmt, gib ihm auch dein Hemd’ ansprechen? Oder würde er mich nicht vielmehr ermahnen: ’Hör auf, die Armen zu bestehlen’?“

- Peter Rollins: Der orthodoxe Häretiker. Und andere unglaubliche Geschichten, Marburg: Verlag der Francke-Buchhandlung 2014, Edition Emergent.

Mittwoch, 26. November 2014

Glaubensherausforderung und eine neue Generation von Leiterschaft - ein kurzer Rückblick auf den Inspirationstag “Kirche.neu“

 Komme gerade zurück vom Inspirationstag “Kirche.neu“ unter der Leitung von verschiedenen Netzwerken wie “Konsultation für Gemeindegründung in Deutschland“, “Inno“ oder auch “Emergent Deutschland“. Wow, bin jetzt noch geflasht, ehrlich gesagt.

Wie bereits erwähnt, fand dieser Tag unter dem Zusammenschluss mehrerer Netzwerke statt, was für mich persönlich ein erstes sehr gutes Signal war; die Gemeinsamkeiten standen im Vordergrund. Dementsprechend waren auch gut 130 Leiterinnen und Leiter aus unterschiedlichsten Kirchen und Werken zusammen, die allesamt eine Frage beschäftigte: Wie muss sich Kirche in Deutschland verändern, damit sie überleben kann? Mit meiner Präsenz und einem kleinen IGW-Stand konnte ich mich hoffentlich ein wenig in die Diskussion einbringen.

Als Inspirator (und produktiver Kritiker) wurde Pastor Oskar Murio von der Nairobi Chapel eingeladen, der uns anhand von fünf Bildern, die er über die Kirche in Deutschland hat(te), mächtig aufrüttelte. Ohne die Bilder im einzelnen wiederzugeben, waren es meines Eindrucks nach letztlich zwei große Probleme bzw. Herausforderungen: Einerseits fehlen laut Murio die charismatischen Leiter in unserem Land, besonders infolge des Zweiten Weltkrieges. Andererseits verwies er immer wieder auf unsere Ingenieurskunst, die aber unsere Kirchen (wie auch das persönlich-spirituelle Leben) in den Bereich der Machbarkeit verfrachte, weil die Kontrolle immer dominiere, während das Gottvertrauen oftmals gar nicht erforderlich sei. In alledem ging es natürlich immer wieder auch um kulturtransfer-spezifische Fragestellungen.

Die wohl steilste und herausforderndste These des ganzen Tages lautet dann von Murio, dass man eine zukünftige, wirklich gut ausgebildete Leiterschaft nicht in Deutschland ausbilden könne. Dies begründete er mit der bestehenden, resistenten Kultur, die aufstrebende Leiter innerhalb weniger Jahre in den Sog der Resistenz ziehe, sodass längerfristig keine Veränderung möglich sei.

Als Murio dann anschließend von seiner Leiterschaftsausbildung sprach, durfte ich immerhin etwas beruhigt feststellen, dass sich doch gut 80% von dem, was seine Schützlinge durchlaufen, mit dem deckt, was wir bei IGW machen: Kontinuierlicher Praxisbezug, Charakter- und Persönlichkeitsentwicklung, theologische Bildung im Kontext der Kirche usw. Wirklich interessant war dabei seine Forderung, als Leiter mindestens ein Jahr im Ausland gewesen zu sein, um bi-kulturell leben zu können und damit gewappnet zu sein für andere kulturelle Kontexte.

Um unser Gottvertrauen zu trainieren, trug er uns abschließend eine konkrete Aufgabe auf. Und zwar soll jeder von uns über zehn Sachen im Zusammenhang seines Werkes/seiner Kirche visionieren, die man selbst nicht vollbringen kann, sondern wofür man dezidiert Gottes Hilfe braucht. Nun, ich habe mir diese Dinge noch nicht konkret überlegt oder mich entsprechend inspirieren lassen. Unabhängig davon hatte ich aber bereits im Vorfeld eine Zahl an Studenten fürs kommende erste Studienjahr von IGW Frankfurt im Kopf, die eigentlich absolut utopisch ist, für die ich aber seit längerer Zeit immer wieder bete; da bleibe ich in jedem Fall dran, und hinzukommen werden noch mindestens noch weitere Visionen, die ich selbst nicht machen kann.

Sicher werde ich mich in nächster Zeit an diese Aufgabe zum Gottvertrauen heranwagen, aber ich will Dich ebenso mit hineinnehmen in diese doppelte Herausforderung, Mit viel Gottesvertrauen eine neue Generation von Leitern mit Verantwortung für Kirche und Gesellschaft hervorzubringen. Wenn Du selbst Pastor oder sonstiger Leiter in einer Kirche bist, überleg mal persönlich für Dich selbst, wie viele Nachwuchskräfte Du innerhalb Deiner Kirche oder Deinem Umfeld finden möchtest in einer begrenzten Zeit; vielleicht fällt Dir eigentlich überhaupt niemand an, was wäre dann eine für Dich unrealistische Zahl? Und wenn Dir welche einfallen, helfe ich Dir mit IGW gern bei der Ausbildung dieser Leute, aber begnüge Dich damit nicht; denn am besten nimmst Du eine Zahl vor, die wirklich völlig utopisch ist, bei der Gott also auf jeden Fall eingreifen und mithelfen muss. Und wenn Du umgekehrt mit der Frage ringst, ob Du ein Leiter bist und Dich ggf. leiterschaftlich-theologisch ausbilden lassen willst, nimm bsp. diesen ganzen Berg an finanziellen Herausforderungen als Chance, Gottvertrauen zu erlernen. Wir von IGW können Dir mit einem gewissen Maß an Flexibilität entgegenkommen, um nebenher jobben zu ermöglichen u.ä.; nichtsdestotrotz möchte ich Dich aber ermutigen, auf Gott zu vertrauen, dass er Dich versorgt, z.B. durch Spenden. Denn da fängt der eigentliche Wachstumsprozess an Jüngerschaft an, der Dich freisetzt, noch mehr auf Gott zu vertrauen.

Ich hoffe, ich konnte Dich als Leser mit hineinnehmen in den Tag und die dort thematisierten Herausforderungen. Gespannt bin ich selbst ,was ich daraus noch machen werde - bzw. natürlich Gott v.a. - und wie sich das Ganze weiterentwickelt, damit der Tag nicht bloß ein nettes Event war. Lassen wir uns überraschen.

Sonntag, 16. November 2014

Woher kommt unser theologisch-pastoraler Nachwuchs? Ein Appell an die Pastoren im Land

Immer wieder beschäftigt mich das Thema der Nachwuchsförderung in unseren Kirchen, nicht zuletzt durch meine neue Herausforderung als Studienleiter für IGW hier in Frankfurt. Natürlich ist das unser täglich Brot von IGW, dass wir Studenten haben, die wir ausbilden können - wie sämtliche andere theologischen Ausbildungsstätten auch; wir existieren sozusagen in direkter Abhängigkeit von unseren Studenten, ohne die wir überflüssig werden.

Aber diese direkte Abhängigkeit kann natürlich nirgends ein Ende in sich selbst sein, d.h. wir dürfen uns emotional und v.a. geistlich nicht abhängig machen von den Studenten und uns förmlich daran klammern, möglichst viele Leute zu uns zu ziehen. Die Motivation kann und darf nur die sein, dass wir Leute fördern wollen, damit sie - theologisch gesprochen - Gottes Reich bauen bzw. sich als Seine Werkzeuge benutzen lassen und um ihrer selbst willen als Menschen; wir als Ausbildungsstätten stehen somit im zweifachen Dienst Gottes: Am größeren, globalen Ziel, Sein Reich und Seine Güte in der Welt zu unterstützen, wie auch am einzelnen uns anvertrauten Menschen, ihn/sie zur Entfaltung zu bringen. Jede egoistische Perspektive wäre kontraproduktiv. Das ist bspw. der Grund, weshalb wir von IGW mitten in unserer Instituts- und Studienreform (ISR 2015) sind, anstatt staatliche Anerkennung zu priorisieren (nicht, dass wir da grund- sätzlich gegen wären, aber alles hat seinen Preis) - um die Studenten für ihren Dienst als zukünftige Pastoren, Theologen, Gemeinde- gründer und sonstige Leiter noch besser zuzurüsten; und andere Ausbildungsstätten tun dies ebenfalls auf ihre Art und Weise.

Ich positioniere mich damit klar zugunsten eines theologisch-grundständigen Studiums/Ausbildung. Auch wenn ich absolut dafür zu haben bin, dass wir gute Leute in säkularen Berufen brauchen, damit sie dort Gesellschaft prägen und besser machen können, ist aus meiner Sicht eine gewisse Gruppe von Leuten nötig, die theo- logisch, pastoral und/oder pioniermäßig vorangehen und v.a. vordenken. Das muss sich natürlich nicht ausschließen, aber um wichtige Erkenntnisse zu entwickeln, braucht es manchmal Zeit und Freiraum, den man im alltäglichen Stress oft nicht findet. Von daher halte ich auch die Rolle des klassischen Pastors nicht grundsätzlich für überholt, der z.B. einer Gruppe von Menschen eine Einsicht in das historische Setting der Bibel geben kann, wodurch bspw. fundamen- talistische Ausprägungen unterbunden werden können.

Nun stellt sich aber für mich die entscheidende Frage, wie man überhaupt diesen theologisch-pastoralen Nachwuchs findet. Denn das ist eine meiner ganz praktischen Herausforderungen als Studien- leiter. Also, wie kommen die Leute zu uns (oder zu anderen)? Es mag hier sicherlich unterschiedliche Ansätze und Wege geben, und jede Ausbildungsstätte versteht dies auch anders.

Ich für meinen Teil jedenfalls bin davon überzeugt, dass wenn es darum geht, theologisch-pastoralen Nachwuchs zu finden und zu fördern, spielen nach wie vor die Pastoren und sonstigen Leiter in unserem Lande eine entscheidende Rolle. Es ist richtig, dass sich im Zeitalter der Selbstbestimmung Teenies eigenständig mit ihrer Zukunft und den Ausbildungs- und Studienformaten auseinander- setzen wollen - und das sollen sie auch. Aber gleichzeitig herrscht eine Orientierungslosigkeit, gerade weil die Erfahrenen in unserem Land sich oftmals aus ihrer Verantwortung zurückgezogen haben (sicherlich auch Zeitgeist-bedingt aufgrund eines falsch propagierten Freiheitsverständnisses).

Wir, die wir schon unseren Platz in Familie, Kirche und Gesellschaft gefunden haben, sollten endlich wieder mehr und mehr geistliche Vater- und Mutterschaft vorleben; Mentoring und Talentscouting spielt hier also eine entscheidende Rolle, was zum Lifestyle von jedem von uns werden sollte. Und gerade dann, wenn wir uns in einer pastoralen Leitungsfunktion befinden, muss es in unserer DNA liegen, die Augen offen zu haben für den Nachwuchs. Dies finde ich bei Paulus und Timotheus, bei Elia und Elischa und nicht zuletzt natürlich bei Jesus selbst, der sich seine zwölf Jünger eigens auswählt, mit ihnen sein Leben teilt und sie in ihre spätere Bestimmung führt; und nur so funktioniert multiplikatives Wachstum, wie es bspw. von Jon und Dave Ferguson in “Exponential“ vermittelt wird.

Ich frage deshalb ganz persönlich Dich, der Du das als Pastor oder sonstiger Leiter hier liest: Wo gibt es Menschen um Dich herum, die in Deine Fußstapfen treten können, Deine rechte Hand werden oder unter Deiner Obhut etwas Neues starten? Es liegt an Dir (wie auch an mir), die nächste Generation zu prägen und zu fördern und diejenigen zu finden, die dazu berufen sind/sein können, um Dir in Deiner Berufung nachzufolgen. Wir von IGW können Dir und Euch dabei helfen, den eigenen Nachwuchs auszubilden und sofort in dem Bereich einzusetzen, wo die jeweiligen Stärken sind; das ist die Stärke unseres dualen Konzeptes. Dieses Prinzip der Mentorenschaft funktioniert übrigens auch bei jedem anderen Berufsbereich, auch wenn dies an dieser Stelle nicht mein Fokus ist/war.

Wenn Du Fragen und Ideen hast, wende Dich gern direkt an mich. Z.B. bei einem Kaffee können wir uns ausführlicher darüber unter- halten bzw. ich komme auch gern in Deiner Gemeinde vorbei und stelle unser Konzept und die dahinterliegenden Gedanken vor, sofern dies noch im Einzugsbereich von Frankfurt liegt (wobei wir auch Studiencenter in Essen, Braunschweig und überall in der Schweiz haben; ggf. kommt jemand anderes vorbei). Über ein äquivalentes Fernstudium können sogar weiter entfernte Distanzen überbrückt werden, wenn Du als Ansprechpartner und Mentor vor Ort aktiv bist; ich unterstütze Dich dabei gern wie jeder andere von uns bei IGW, und ebenso tun dies sicherlich die entsprechenden Leute der anderen Ausbildungsstätten. Zögere nicht, sondern fang heute an, Dir Gedanken zu machen und die Augen offen zu halten! Danke.

Montag, 3. November 2014

Missionale Kirche: Neues Video von Fresh X

Ein neues Video (Zumindest für mich bisher unbekannt) hat die Fresh X - Bewegung herausgebracht, die ziemlich gut und lustig missionales Denken und v.a. Handeln darstellt. Sehr selbst:


Mittwoch, 29. Oktober 2014

IGW kommenden Samstag (1.11. 2014) auf dem Netzwerktag Rhein-Main - komm vorbei!

Am kommenden Samstag, dem 1.11. 2014, werde ich zusammen mit meiner bezaubernden Frau Katharina IGW vorstellen, und zwar beim Netzwerktag Rhein-Main in der Mainzer EnChristo-Gemeinde. Wir werden dort auch mit einem Stand samt zahlreicher Informationen zu finden sein. Es gibt übrigens auch etwas zu gewinnen, und zwar ein iPad Mini. Also sei dabei, sprich uns an und lern uns kennen, löchere uns mit Deinen Fragen und nimm teil am Gewinnspiel! Wir freuen uns auf Dich. 

Übrigens gibt es seit heute bei Facebook auch eine IGW-Frankfurt-Gruppe, in der ebenfalls über den aktuellen Stand des neu entstehenden Studiencenters berichtet wird. Auch dort kannst Du Dich mit uns verlinken und mithlefen, dass IGW im Rhein-Main-Gebiet bekannt wird, damit wir die bestehende Gemeindelandschaft unterstützen und dabei helfen können, dass hier noch mehr Gutes passiert. Also, sei dabei :-)!

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Jetzt ganz offiziell: IGW Studiencenter Frankfurt mit mir als Studienleiter

Nun ist es ganz offiziell: Wir starten zum Herbst 2015 ein IGW Studiencenter in Frankfurt für das Rhein-Main-Gebiet!!!

Bei IGW kann sich jeder intensiv mit Theologie mitten im Leben auseinander- setzen, sei es als Teilnehmer eines einjährigen Programm zur Berufs- und Persönlichkeitsfindung (z.B. nach dem Abi), sei es als Vollzeit-Theologiestudent auf Bachelor- oder Masterlevel, sei es als fertiger Pastor/Gemeindeleiter/Gemeindegründer mit dem Wunsch, tiefer zu graben. 

Besonders an IGW ist das duale Konzept, sodass man nie trocken Theologie betreibt, sondern die Theorie direkt in die begleitende Praxisausbildung integrieren kann, die man an zwei Tagen pro Woche in einer Kirchengemeinde vor Ort absolviert; ein entsprechendes Curriculum unterstützt dies. Der nachfolgende Clip erklärt das Konzept noch einmal ganz anschaulich:




Meine Rolle in alledem ist die des Studienleiters. Aktuell bin ich besonders aktiv im Kontaktpflege zu einflussreichen Leitern und Pastoren des Rhein-Main-Gebietes, damit IGW hier bekannt wird. Nur so kann es auch tatsächlich 2015 losgehen. 

In der postmodernen Welt braucht es neben innovativer, passender Theologie auch ein entsprechendes Konzept, um den theologischen Nachwuchs praxisnah auszubilden. IGW mit seiner konsequent missionalen Theologie knüpft genau dort an. Mit Frankfurt als Standort sind wir nun auch im Herzen Deutschlands vertreten und können so sowohl regional als auch national positive Impulse in die Welt entsenden.

Sei Du dabei und klink Dich einfach, die Welt zu verändern! Denn ohne Dich wird es womöglich nicht funktionieren: Du bist mein Sprachrohr in Deinem Freundes- und Bekanntenkreis, Du kannst IGW dort bekannt machen (z.B. teile ganz einfach diesen Blogpost bei Facebook etc.). Du kannst auch unser zukünftiges Studiencenter direkt supporten, z.B. durch Gebet oder durch Deine finanzielle Investition (Stichwort “Studiencenter Frankfurt“). Und v.a. kannst Du selbst aktiver Teil von IGW und dem Movement werden, indem Du als Student bei uns durchstartest. Gern begleite ich Dich in alledem und helfe Dir weiter. Schick mir eine E-Mail oder kontaktiere mich über Facebook etc.

Montag, 22. September 2014

Neues vom LEAP-Network

Mein guter Freund Benjamin Rudolph, Leiter und Gründer des LEAP-Networks, war mal wieder fleißig und hat einen Kurzclip produziert, um deutlich zu machen, worum es dem LEAP-Network eigentlich geht. Seht selbst: 




Freitag, 19. September 2014

Zum Nachdenken: Mission und Out-of-the-Box-Denken (Alan Hirsch & Dave Ferguson)

“Die erste Priorität im Mobilisieren für Mission muss die Freisetzung der Vorstellungskraft sein. Wir müssen Menschen helfen, kreativ darüber nachzudenken, wie wir die Mission Jesu erfüllen können. Es gibt so viele Nachfolger, die es gut meinen, aber feststecken in bestehenden Denkmustern und nicht wissen, was sie nicht wissen. Wenn Menschen es nicht sehen können, können sie es nicht glauben, und wenn sie es nicht glauben können, werden sie es niemals tun! Was sie brauchen, ist Vorstellungskraft.“

 - Alan Hirsch/Dave Ferguson, On the Verge, Grand Rapids: Zondervan 2011, 262.

Sonntag, 14. September 2014

Was war das tatsächlich Neue an Jesus? Guido Baltes, "Jesus, der Jude, und die Missverständnisse der Christen

In Zeiten postmoderner Plurifor- mität ist es für unsere Kirchen immer wieder wichtig und gesund, auf die Schlüsselfigur Jesus zu schauen und von Ihm her zu fragen, was Er eigentlich wollte und was das Besondere an Ihm war. Guido Baltes, promovierter Neutestamentler und evange- lischer Pfarrer, Dozent am Mar- burger Bildungs- und Studien- zentrum und Mitarbeiter im Christus-Treff, tut dies und legt mit seinem Buch "Jesus, der Jude, und die Missverständnisse der Christen" (Marburg: Francke, 2013, 2. Aufl. 2014) eine gut leserliche Einführung über die jüdischen Hintergründe Jesu vor. Denn das ist der entscheidende Kontext, in dem er ihn verortet. Anhand von acht thematisch ausgerichteten Kapiteln (+ Epilog) auf insgesamt 276 Seiten deckt Guido Baltes dabei insgesamt 80 Missverständnisse auf, die er in der christlichen Szene vorfindet. Denen begegnet er nicht nur in persönlichen Zeugnissen, sondern auch in brandaktueller christlicher Literatur der Emerging- und missionalen Szene wie bei Rob Bell, Michael Frost & Alan Hirsch, aber auch bei John Eldredge und auch dem wohl aktuell angesagtesten Neutestamentler der evangelikalen Szene, N.T. Wright; sie alle will Guido Baltes nicht diffamieren, sondern er korrigiert sie, weil er sie nach eigenem Zeugnis besonders schätzt. Damit kommt dem Buch neben den allgemein guten Informationen die aktuelle Brisanz zu. Denn es bietet zu jedem Thema ausführliche Lesetipps und Hintergrundinfor- mationen, bleibt dabei gut verständlich, regt zur weiteren Beschäf- tigung mit der Thematik an und zeigt die Rezeption Jesu in wichtigen Veröffentlichungen auf. Besonders erwähnt seien die zahlreichen Zitate aus der rabbinischen Literatur, die dem Leser nicht nur den Zugang zu dieser Textsorte erleichtern und schmackhaft machen, sondern auch zeigen, wie tief Jesus von Nazareth in der jüdischen Kultur, Theologie und überhaupt Welt seiner Zeit verwurzelt war.

Über die eigene Biographie als zeitweiser Auslandspfarrer in Jerusalem führt Guido Baltes in die jüdische Welt Jesu ein (Kap. 1) und erklärt, wie schon oben erwähnt, sein Anliegen: "Ich möchte Jesus als einen Menschen beschreiben, der nicht nur als Jude geboren wurde, sondern auch als Jude starb und auferstand." (7) Er will damit althergebrachte Vorurteile gegenüber dem Judentum abbauen und versucht, den Leser für die jüdische Welt des Zweiten Tempels sensibel zu machen, die er dezidiert von der israelitisch-davididischen Zeit wie auch dem modernen Judentum abgrenzt. Unter dem Titel "Jesus und seine jüdische Familie" (Kap. 2) werden Themen wie Beschneidung, religiöse Sozialisation oder auch ein falsch verstandenes Erwählungskonzept behandelt, wobei u.a. etwas klischeehaft en passant die Wichtigkeit von Ehe und Sex innerhalb der Ehe betont werden. Mit Kap. 3 baut Guido Baltes zurecht die Mauern besonders zum Pharisäismus ab und erläutert ausführlich die jüdischen Quellen jener Zeit, sodass deutlich wird, wie nah Jesus den dominierenden Lehren seiner Zeit stand (der nicht vorhandene Gegensatz zwischen Glauben und Werken/tun der Gebote sei an dieser Stelle eigens hervorgehoben). Jesu Stellung zum jüdischen Gesetz (Kap. 4) bestätigt diese Sicht und macht außerdem deutlich, dass es Jesus gerade nicht darum ging, das Gesetz (bzw. richtiger die Tora) abzuschaffen als etwas Temporäres oder gar Symbolisches, sondern als erfüllt zu sehen, auch wenn er manche Auslegung der Pharisäer nicht teilte. Fast überflüssig sollte eigentlich die Erläuterung sein, dass Jesus das Alte Testament (oder besser: Die Hebräische Bibel) in voller Gänze als autoritativ ansah, als Seine Bibel wertschätzte und den darin dargestellten Gott als Seinen Vater verkündete (Kap. 5); besonders begrüßenswert sind die Hintergrund- informationen über den Unterschied zwischen griechischem und hebräischem Denken sowie die Aufforderung, das Neue Testament vom "Alten" her zu lesen und nicht umgekehrt. In Kap. 6 deutet Guido Baltes Jesu Verständnis zum Jerusalemer Tempel; entgegen der aktuellen dritten Suche nach dem historischen Jesus wird Jesu Stellung zum Tempel - nicht ohne triftige Begründung - als äußerst positiv gedeutet. Auch Sein Verhältnis zur jüdischen Hoffnung (Kap. 7) bleibt nach Guido Baltes mit seiner dualen (nicht dualistischen!) Deutung zwischen gegenwärtigem und zukünftigem Reich Gottes, universaler und individueller Auferstehung der Toten und den Optionen von Himmel und Hölle ganz im Rahmen der damaligen jüdischen Erwartungen. Das abschließende achte Kapitel deutet auch Paulus als Verfechter des (natürlich messianischen) Judentums und betont u.a. das erst prozessartige Auseinandergehen von Judentum und Christentum als zwei distinkte Entitäten im Laufe der Jahrhunderte. 

Für manchen Leser sicherlich herausfordernd ist das Fazit des Buches, dass Jesus sich gerade nicht durch seine Lehren in signifi- kanter Weise von seiner jüdischen Umwelt unterschieden habe; vielmehr sei es die Person Jesu selbst, so Guido Baltes, in der sich die jüdische Hoffnung erfüllt habe und worin gerade der Unterschied zum sonstigen Judentum lege: 

"Im Mittelpunkt der neutestamentlichen Botschaft steht keine neue Lehre, keine neue Religion und keine neue Ethik, sondern eine Person. Diese Person ist Jesus, der Jude. Es geht darum, dass in diesem Juden Jesus Gott selbst Mensch wurde. Dass er sein Leben gab, um unseren Schuld zu tragen. Dass er von den Toten auferstanden ist, um uns den Weg zu einem neuen Leben in der kommenden Welt zu bahnen. Dass Jesus der Messias Israels ist und damit auch der Retter der Welt. Und dass er uns einlädt, ihm unser Leben anzuvertrauen. Darum geht es im neuen Testament." (254)

Auch wenn man nicht in allen Punkten folgen mag, liegt mit diesem Buch eine absolut wichtige und lesenswerte Grundlage vor, den Jesus der Evangelien besser zu verstehen, sofern man auch bereit ist, sich persönlich in seinem Glauben herausfordern zu lassen. Selbst der studierte Theologe wird dabei ganz neue Impulse und Informationen erhalten, sodass ich das Werk grundsätzlich als Standardlektüre an Bibelschulen, theologischen Seminaren und gar Universitäten empfehle. Dies Werk war hoffentlich nicht das letzte Werk seiner Art aus der Feder des Autors, denn was tatsächlich (aber verständlicherweise aufgrund der Fülle des Materials) viel zu kurz kommt, ist die Auseinandersetzung mit den übrigen Schriften des Neuen Testaments jenseits der Evangelien; die (echten) paulinischen Briefe und einiges mehr sind als literarische Werke ja teils deutlich früher/älter als die Evangelien selbst und bieten eigenständige, zumeist theologische Deutungen Jesu, die Guido Baltes aber fast vollständig außen vor lassen muss (mit Ausnahme des letzten Kapitels). Ein zweiter Band wäre also wünschenswert und gerade für den theologisch nicht-gebildeten Laien hilfreich und wichtig, um ein rundes Bild zu erhalten. Zudem dürfte Guido Baltes die ein oder andere seiner Thesen aus diesem Buch dann etwas entschärfen oder zumindest anders formulieren, da manche seiner sog. Missver- ständnisse aus meiner Sicht ihren Ursprung in den übrigen neutestamentlichen Schriften haben; bsp. wird ja der israelitische Opferkult laut Hebr 7 als unvollkommen beschrieben und durch Jesus als ein für allemal abgeschafft gedeutet, während Guido Baltes darauf mit keinem Wort eingeht. Wünschenswert wäre zudem in einer dritten Auflage eine noch genauere Argumentation seiner Thesen durch konsequente Belege. Natürlich schreibt er keine wissenschaftliche Abhandlung, es wirkt aber an manchen Stellen etwas schwammig, und er könnte dies durch wenige Fußnoten mehr leicht beheben; auch die sporadische und manchmal gegeneinander abwägende Kritik am evangelikalen und liberalen Lager wirkt teils zu pauschal und unpräzise. 

Diese Kritik schmälert aber den Wert des Buches keineswegs. Gerade auch für den postmodernen Gemeindebau ist diese Jesus-Einführung überaus hilfreich, weil sie a) zeigt, wie vielschichtig das Judentum des 1. Jahrhunderts und damit Jesus innerhalb einer gewissen Pluriformität darstellt, wie auch das Christentum des 21. Jahrhundert viel pluriformer ist als die oft so monolithisch dargestellte evangelikale Szene, und b) immer wieder die Spannung/Dualität zwischen Gegenwärtigem und Zukünftigem, Irdischem und Himm- lischem, Individuellem und Kollektivem, zwischen institutioneller und spontaner Glaubenspraxis und zwischen Sendung und Versammlung hervorhebt. Und genau diese Spannungen brauchen wir so dringend in unseren Kirchen, um nicht von einer Site vom Pferd zu fallen, wie dies manchmal in der aktuellen christlichen Literatur der Fall zu sein scheint.

Donnerstag, 4. September 2014

Lücken schließen mit dem LEAP-Network. Ein kurzer Bericht vom ersten Stakeholder-Meeting in Karlsruhe




Nachdem ich bereits seit dem letzten Jahr immer wieder mit Gründer und Leiter des LEAP-Networks (engl. Sprung), Benjamin Rudolph, im Gespräch gewesen war, fand nun vorgestern endlich das erste persönliche Treffen mit ihm und anderen Involvierten statt, und zwar beim ersten Stakeholder-Treffen in Karlsruhe. Das LEAP-Network, das seit gut drei Jahren aus dem JANZ-Team/Teach Beyond innovativ nach vorne prescht, will eine Lücke innerhalb der deutschen missionalen Landschaft schließen; statt klassisch evangelistischer Veranstaltungen soll der Sprung in das Leben mit den Menschen zu teilen gefördert werden, um dort Gottes wiederherstellende Gegenwart zu leben (= inkarnatorischer Lebensstil). Vermittelt wird dieser Ansatz bislang schon durch Schulungen in Kirchen angeboten, um diese grundlegenden Gedanken missionaler Theologie auf breiter Ebene zu pflanzen. 

Im Gegensatz zu den sonstigen Seminaren und Schulungsmöglichkeiten, die sich i.d.R. eher an Gemeindeleiter und Pastoren richten, konzentriert sich das LEAP-Network dabei aber zu allererst auf die Basis jeder Gemeinde, die Ehrenamtlichen (wobei natürlich die Hauptamtlichen nicht ausgeschlossen werden solen); aktuell gibt es dazu bereits einen Grund- und einen Aufbaukurs, der jeweils über einen Tag lang in der Gemeinde veranstaltet und unterrichtet werden kann. Er kann natürlich auch jederzeit gebucht werden, und zwar hier.

Welche Zwecke das LEAP-Network neben dem relativ klassischen Schulungsangebot ansonsten noch bieten will/wird, ist bislang weitestgehend offen. Und genau dafür war das gestrige Treffen in Karlsruhe da, um zunächst einmal die Interessierten kennenzulernen, darüber hinaus aber auch zu diskutieren, in welche Kerbe überhaupt das Ganze schlagen will, wohin es also neben all den bestehenden Netzwerken und Initiativen wie “Inno“, “Novavox“, “Fresh X“ usw. noch gehen kann. Einigkeit - soviel sei schon mal vorab verraten - bestand darüber, dass es nicht beim reinen Schulungsangebot bleiben soll, das ja auch von vielen anderen Initiativen bereits abgedeckt wird. Vielmehr geht der Trend bei LEAP dahin, einerseits ein aktives Netzwerk zu etablieren und dabei beispielsweise konsequent Ressourcen zu bündeln, andererseits auf das Schulungsangebot aufbauend aber auch bei den praktischen Prozessen des missionalen Umdenkens und v.a. -agierens mit Rat und Tat zur Seite zu stehen; gerade Letzteres hinkt aus meiner Sicht in all der Missionalität noch deutlich hinterher.

Wir können gespannt sein, was die nächsten Stakeholder-Meetings ergeben; ich jedenfalls freue mich, mit so vielen inspirierenden Menschen weiterzudenken und zu schauen, welchen Teil ich und wir leisten können, um missionale Theologie ein Stückchen mehr Realität werden zu lassen. Willst Du dabei sein bei diesem Netzwerk, sprich mich gern an oder kontaktiere direkt Benjamin, den Leiter und Gründer vom LEAP-Network.

Mittwoch, 13. August 2014

Ist Heilung heute (noch) möglich? Bill Johnson und Randy Clark im Interview


In letzter Zeit habe ich mich wieder mal intensiver mit dem Thema “Heilung“ beschäftigt, wovon uns v.a. im Neuen Testament immer wieder berichtet wird und wovon etliche Christen sagen, dass dies heute noch geschehe. Im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Kern des Evangeliums (als Prozess der Wieder- herstellung Gottes) bin ich darauf gestoßen, dass diese Thematik – in engem Zusammenhang auch mit Befrei- ung etc. - neben der verbalen Verkündi- gung von Kreuzigung und Auferstehung Jesu und der Sammlung der Christen zentralen Stellenwert in der Urchristenheit hatte, sodass ich nicht umhin kam, ihr ernsthafte Priorität beizumessen. Zudem hat mich diese Frage persönlich immer wieder gefesselt, und – prag- matisch formuliert – wenn tatsächlich heutzutage heute noch heilt und dazu Menschen wie Dich und mich gebraucht, will ich der Letzte sein, der sich dem widersetzt. Zu viele Menschen sterben immer noch zu früh oder quälen sich.

Unser westlich-rationalistisches Weltbild widerspricht natürlich grund- sätzlich der Möglichkeit göttlichen Eingreifens, da wir dieser Ansicht zufolge in einem geschlossenen Universum leben und auf uns allein gestellt sind. Nicht umsonst hört man gerade in nicht-westlichen Ländern wie Afrika oder Lateinamerika von Heilungsgeschichten, wo die Menschen noch durch ein ganz anderes Weltbild geprägt sind, während solche Berichte hier in Europa oder auch Nordamerika sehr rar sind.

Dennoch gibt es immer wieder auch westliche Zeugen, die behaup- ten, dass auch heute noch Heilungen geschehen, Menschen also gesundheitlich vollständig wiederhergestellt werden. Ein sehr aufschlussreiches und authentisches Dokument auf meiner Suche war dabei das Buch “Healing: Unplugged“ von Bill Johnson und Randy Clark, die sich darin gegenseitig interviewen und dabei erdig und ohne große Umschweife ihre Erfahrungen und Erkenntnisse preisgeben. Beide, Bill Johnson als Senior Pastor der “Bethel Church“ in Redding/California ebenso wie Randy Clark als Gründer von “Global Awakening“, sind die vermutlich erfahrensten und bekann- testen Vertreter der neo-charismatischen Szene und Vorreiter im gegenwärtigen christlichen Heilungsdienst. Ich persönlich schätze beide deshalb, weil sie im Gegensatz zu manch anderem sehr sachlich von ihren Erfahrungen berichten können und dabei eine Theologie vertreten, die in vielen Punkten gut verträglich ist mit meiner eigenen Perspektive.

Im ersten Teil des Buches interviewt Randy Bill, im zweiten Teil umgekehrt. Beide beginnen zunächst mit ihrer persönlichen Ge- schichte, wie sie zu dem geworden sind, was sie sind: Während Bill bereits in eine Pastorenfamilie hineingeboren ist, sich mehr und mehr mit dem Thema Heilung zu beschäftigen begann und einen entschei- dende Anstoß durch John Wimber (“Vineyard Movement“) 1987 erfuhr, erlebte Randy bereits als Teenager infolge eines schweren Autounfalls wundersame Heilung am eigenen Körper. Im Zuge der Kapitel wird nach und nach geschildert, wie sich diese Heilungs- begabung und -tätigkeit bei beiden regelrecht entwickelt. Denn interessanterweise sind es oft spezifische Krankheitsbilder, die erst nach und nach sozusagen erobert werden. Am befremdlichsten oder erstaunlichsten wirkt sicherlich dabei das Zeugnis, dass beide besonders in den letzten Jahren erlebt haben – so zumindest ihr Zeugnis -, dass Gott durch sie Menschen geheilt habe, bei denen Operationen mit Metall- oder Titanteilen schief gegangen seien und sie nun furchtbare Schmerzen und Einschränkungen hätten; die Heilungen beinhalten zumindest oft auch die Komponente, dass die eingesetzten Teile regelrecht verschwunden sind oder über die Haut resorbiert werden. Besondere Berichte wie diese als auch damit zusammenhängende theologische Positionen vermittelt dieses Buch sehr lebendig, unterhaltsam und v.a. inspirierend. Es steckt regelrecht dazu an, von Gott mehr zu erwarten, denn bei Randy und Bill bleibt Heilung kein Dienst nur für die oberen Zehn(tausend) der besonders frommen und heiligen Christen.

Ich für meinen Teil kann das Buch jedem empfehlen, der sich fernab von Show und zweifelhaften Attitüden mit dem Thema “Heilung“ auseinandersetzen will. Von meiner Theologie her ist es für mich auch sehr gut nachvollziehbar, dass Gott nach wie vor diese Dinge durch uns Christen tun will und es auch davon abhängt, welche Einstellung und Erwartung wir dem Ganzen gegenüber einnehmen; man vergleiche das nur mit der Story Jesu, der in seiner Heimatstadt Nazareth kaum Wunder tun konnte, weil die Menschen eben keine Erwartungshaltung hatten, sondern ihn lediglich für den Zimmermann hielten (Mk 6,1-6). Ich will an dieser Stelle keinesfalls eine simple Wohlstandstheologie o.ä. vermitteln, sei es im Sinne es “Man muss nur genügend glauben“; vielmehr meine ich aber, dass wir uns oft der Möglichkeiten selbst verbauen, die uns Gott eigentlich geben möchte. Ich jedenfalls bleibe dran und gespannt, wie sich meine ganz persön- liche Reise mit dieser Thematik entwickeln wird; grundsätzliche Einwände jedenfalls hege ich also nicht, da ich die Schwachstellen des westlich-rationalistischen Weltbildes kenne und glaube, dass Gott tatsächlich der Schöpfer von Himmel, Erde und des Menschen ist (creatio ex nihilo) und dieses Verlangen auch nie abgelegt hat (ergo creatio continua).

Samstag, 12. Juli 2014

Der Kern des Evangeliums: Worum dreht sich eigentlich die gesamte Geschichte Gottes mit uns Menschen, was ist der rote Faden?




Im Zuge der Auseinander- setzung mit der Apostelge- schichte und einer damit verbundenen Predigt habe ich mir mal wieder die Fra- ge gestellt, was eigentlich der Kern des Evangeliums ist, also was das Gute an der Guten Nachricht oder das Frohe an der Frohen Botschaft ist (all diese Übersetzungen von “evangelion“/“ευαγγελιον“ sind ja zulässig und meinen dasselbe). Unter welchem Schlagwort lässt sich möglichst viel von dem verei- nen, was wir in der (biblischen) Story Gottes mit uns Menschen vor- finden - sozusagen der rote Faden, der sich durch die gesamte Bibel zieht und auch danach nicht abreißt? Die Frage mag zunächst theo- retisch klingen; tatsächlich hängt von ihr aber ganz grundlegend ab, wie wir Kirche gestalten, was wir predigen und wie wir “Nachfolge“ verstehen. Es geht hier also um die absolten Basics, die aber gleich- zeitig so fundamental entscheidend sind. Meine These ist, dass es im Kern des Evangeliums um Wiederherstellung geht, wie ich nachfolgend zu zeigen versuche.

Noch vor einigen Jahren war ich fest davon überzeugt, dass der Kern Beziehung sei, die Gott mit den Menschen suche (z.B. in Jesu Dop- pelgebot der Liebe ausgedrückt in Mk 12,28ff. Par.); das Motto von “Jugend mit einer Mission“ beispielsweise lautet “Gott kennen und Ihn bekannt machen“. Und dies ist sicher auch alles andere als falsch. Aber was mache ich mit Verheißungen wie, dass auch die Schöpfung erlöst werden soll (vgl. bes Röm 8,18ff.)? Das wäre aber doch gar nicht nötig, wenn es “nur“ um Gott und uns Menschen ginge, denn dann könnte man auch bestimmten Entrückungslehren (bsp. der “Dispensationalismus“) zustimmen, die ja weitestgehend darauf hinauswollen.

Um der Ausgangsfrage nach dem Kern des Evangeliums näher zu kommen, habe ich mir angeschaut, was Jesus seinen Nachfolgern eigentlich aufträgt zu tun und wovon immer wieder in der Apostel- geschichte berichtet wird (mal abgesehen von Jesu Worten und Taten selbst). Ich stellte dabei relativ schnell drei große “Arbeitsbereiche“ fest:

  1. Die Nachfolger Jesu erzählen/predigen von Jesu Kreuzigung und Auferstehung, wodurch Jesus als von Gott eingesetzter Gesalbter (Messias/Christus) und Erlöser angesehen wird, worin sich Gott erneut als Herr der Geschichte beweist (vgl. Apg 2,36ff.; 3,14ff.; 4,10ff.; 5,42; 8,5; 9,22 usw.).
  2. Sie versammeln sich regelmäßig zum gemeinsamen Gebet, zum Essen und Abendmahl (wenn sich die letzten beiden Punkte überhaupt voneinander trennen lassen; vgl. Apg 2,42; 4,23ff.).
  3. Sie heilen Kranke, tun Wunder und treiben böse Geister aus (vgl. Apg 3,6ff.; 5,12ff.; 6,8; 9,34.40 usw.).

Wenn ich dies wiederum mit der Verständnis von Evangelium als Beziehung zw. Gott und Mensch vergleiche, frage ich mich, warum die Jünger dann überhaupt Kranke heilen usw. Reicht es dann nicht, dass Kranke sich einfach zu Gott bekehren? Anscheinend ist also erneute Beziehung zwischen Gott und seinen Menschen nicht der einzige Inhalt des Evangeliums.

Im nächsten Schritt habe ich mir die zwei großen Rahmenerzäh- lungen am Anfang und Ende der Bibel vergegenwärtigt und konnte feststellen, dass die o.g. Drei “Arbeitsbereiche“ der Nachfolger Jesu wie eine Antwort auf die sog. Adam-und-Eva-Erzählung wirken. Denn nachdem Gott die Welt, die Tiere und den Menschen geschaffen hat und ihn – bzw. konkret Adam und Eva – in den Garten Eden gesetzt hat, um ihn zu pflegen (Gen 1-2), geschieht das Unvorstellbare: Adam und Eva essen von der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse und wenden sich damit ab von Gott (vgl. Gen 3). Genau genommen, sind es im Wesentlichen drei Facetten der Übertretung, die sich bei diesem sog. “Sündenfall“ ereignen (vgl. Gen 3):

  1. Adam und Eva weisen Gottes Gebote zurück und schenken der Lüge der Schlange Glauben, dass sie selbst wie Gott sein könnten, berauben damit Gott seiner Autorität.
  2. Sie erkennen, dass sie nackt sind, und verstecken sich deshalb – aus Angst – vor Gott, wodurch die Beziehung zwischen Gott und Mensch gestört wird.
  3. Sie werden aus dem Paradies vertrieben, um nicht auch noch vom Baum des Lebens zu essen und Unsterblichkeit zu er- langen; statt dessen haben sie mit Leid, Schmerz und Tod zu kämpfen (wie schon die Ermordung ihres Sohnes Abel durch dessen Bruder Kain verdeutlicht).

Dabei ist wichtig zu wissen, dass bei dieser Adam-und-Eva-Story der Punkt nicht der ist, ob es sich hierbei um ein historisch greifbares Ereignis handelt. Viel entscheidender – mit Søren Kierkegaard (“Die Krank- heit zum Tode“) gesprochen – ist die Tatsache, dass sie sich in mir und Dir immerzu wiederholt. Wir alle sind also Adam und Eva, denn wir alle haben uns von Gott abgewandt und machen unser eigenes Ding. Wenn ich nun diese drei Facetten der Adam-und-Eva-Story mit dem vergleiche, was die Jünger tun, deckt sich dies ziemlich gut:

  1. Gott soll wieder als Gott und Herr verkündigt und anerkannt werden, und zwar jenseits des Volkes Israel (Israel war ja zuvor als auserwähltes Volk u.a. dazu beauftragt, den Monotheismus in die Welt zu bringen), indem Er sich in Jesus von Nazareth geoffenbart hat.
  2. Die Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zu mir selbst wird wiederhergestellt, was sich bei den Jüngern in der Güterge- meinschaft, den gemeinsamen Mahlzeiten und eben auch dem Gebet deutlich wird; besonders in der bis dato verbotenen Mahlgemeinschaft zwischen Juden und Griechen wird die Wiederherstellung zwischen den Völkern besonders deutlich (vgl. Gal 2,11ff.)
  3. Krankheit und Tod (wie auch die Herrschaft des Teufels/der Dämonen) werden durch Heilungen, Befreiungen/Exorzismen und Wunder bekämpft.

Der rote Faden oder der Kern des Evangeliums mündet für mich deshalb in dem Schlagwort, das diese drei Facetten in sich vereint und das ich anfangs bereits eingeführt habe: Wiederherstellung. Nach der Zerstörung durch den Menschen wird Gott als Schöpfer und Herr der Geschichte wird wiederhergestellt, der die Beziehung zu den Menschen und den Menschen untereinander wieder bzw. ganz neu ermöglicht, und ebenso die gefallene Schöpfung – damit natürlich auch die menschliche Natur – wird wiederhergestellt und darin von Leid, Schmerz und Tod befreit.

Deutlich wird dieses Ziel der Wiederherstellung in Offb 21, dem letz- ten Buch des Neuen Testaments, wo von Gottes endgültiger Vollen- dung die Rede ist: “Gott wird bei ihnen (uns Menschen; d. Verf.) wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Au- gen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz werden sein. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Vv. 3-5; Herv. v. Verf.)

Faszinierend für mich ist dabei dies: Obwohl die Zerstörung in der Welt durch den Menschen hervorgerufen worden ist, bindet sich Gott weitestgehend an den Menschen, um diese Zerstörung von dem Menschen und seiner Welt wiederum abzuwenden und Wiederher- stellung zu bringen. Dies beginnt bereits mit der Erwählung Abra- hams, in dem alle Völker auf Erden gesegnet sein sollen (vgl. Gen 12,3), und nimmt seinen ersten Höhepunkt mit dem Volk Israel, dass Gott aus Ägypten führt mit dem Ziel, Agent Gottes in der Geschichte zu sein.

Warum dies nun gerade so passiert bzw. warum Gott ein Volk beruft, durch das Er aber offenkundig letztlich nicht Wiederherstellung brin- gen kann, muss an dieser Stelle offen bleiben. Fakt ist aber, dass Gott in letzter Instanz den Weg wählt, selbst Mensch zu werden, um dieser Welt samt dem Menschen Wiederherstellung zu bringen, und zwar in Jesus von Nazareth. Mit Jesu Auftreten bricht die endgültige Wiederherstellung Gottes an (vgl. Röm 8,18ff.; Gal 4,4; Eph 1,9ff. u.a.), die auf den großen Tag der Vollendung hin kulminiert, wie er oben in Offb 21 beschrieben ist.

Es wäre aber nun weit gefehlt zu glauben, dass mit Jesus schon alles endgültig vollendet sei. Das bemerkt jeder von uns selbst sofort, und nach obigen Verständnis des Evangeliums geht es ja um “ganzheit- liche“ Wiederherstellung und nicht nur um eine irgendwie geartete spirituelle Erlösung. Deswegen ist mit Ostern auch nicht Schluss der Heilsgeschichte, natürlich aber ein ganz existentieller Höhepunkt, weil der auferstandene Jesus der Erste ist, dessen Körper vollständig wiederhergestellt bzw. transformiert ist (merkwürdig allerdings, dass man laut Joh immer noch die Seitenwunde und die Male sieht; vgl. Joh 20,27). Aber 49 Tage nach Ostern, an Pfingsten, erhalten die Nachfolger Jesu ebenfalls die Wiederherstellungspower Gottes, den Heiligen Geist, durch den ja auch Jesus nur die Dinge tun konnte, die er zu seinen Lebzeiten (also vor der Kreuzigung) tat: Menschen heilen, Wunder tun und die Beziehung zu Gott (und auch den Men- schen?) wiederhergestellt erleben. Und nun sind die Nachfolger Jesu ebenfalls dazu berufen, den o.g. drei Facetten der Zerstörung durch Wiederherstellung zu begegnen, sie selbst zu erleben und ebenso weiterzugeben. Erneut bindet sich Gott somit an den Menschen, um die mit Jesus bereits angebrochene Wiederherstellung in der Welt auszubreiten, natürlich nicht vollständig, sondern mit der Hoffnung auf die endgültige Vollendung Gottes (Offb 21). Traditionell spricht man hier von dem “Schon jetzt und noch nicht“, denn der Wiederherstel- lungsprozess Gottes ist angebrochen, aber er dauert an und ist noch nicht vollendet.

Und so sind auch wir im 21. Jahrhundert als Nachfolger Jesu nach wie vor mit dem Heiligen Geist zugerüstet und dazu aufgefordert, Wiederherstellung zu bringen: Durch Wiederanerkennung Gottes als Herr der Welt, Geschichte und des Menschen, durch Subversion der bestehenden (ungerechten) Gesellschaftsordnungen, durch Instand- setzungen der Beziehungen zu Gott, den Nächsten und mir selbst und auch durch Wunder und Krankenheilungen. Nicht um eine ab- strakte Bekehrung geht es noch um rein ekstatisch-charismatische Erlebnisse, dessen Wirkung nur im Moment bleibt, sondern um eine ganzheitliche Wiederherstellung, die den trinitarischen Gott als Schöpfer (Vater), Erlöser (Sohn) und Vollender (Heiliger Geist) zu gleichen Teilen wiederspiegelt. Unter “Wiederherstellung“ subsu- mieren sich somit klassische Aktivitäten wie Mission, Evangelisation, Diakonie und Einsatz der Charismen (Gnaden- bzw. Geistesgaben); Wiederher- stellung beinhaltet aber eben auch das, was neumodern mit “Gesell- schaftstransformation“oder “missionalem Leben“ bzw. Mottos wie “Großzügigkeit und Gerechtigkeit“ bezeichnet wird. Solch ein Verständnis des Kerns des Evangeliums besitzt damit meiner Ansicht nach auch die Kraft, konfessionelle Unterschiede zu über- winden und möglichst viele Errungenschaften der unterschiedlichen Großkirchen in sich zu vereinen.

Montag, 16. Juni 2014

Sich reproduzierende Netzwerke und Movements - Teil 4 von Dave und Jon Fergusons “Exponential“


Der vierte und letzte Teil von Dave und Jon Fergusons “Exponential“ beschäftigt sich mit reproduzierenden Movements von 10000en und mehr. In Kapitel 12 sind es zunächst die Netzwerke, in Kapitel 13 dann die die Movements selbst, die angesprochen werden. Dennoch wird bereits im 12. Kapitel vorgegriffen, wenn als eine Kerncharakteristik darauf hingewiesen wird, dass das zu multiplizierende Netzwerk oder die Bewegung einen simple Struktur haben müsse, wie am Beispiel der anonymen Alkoholiker und anderen Bewegungen dargelegt wird.

Als “Netzwerk“ wird an dieser Stelle ein Gruppe von Kirchen in einer partnerschaftlichen Beziehung verstanden, die wiederum neue Kirchen hervorbringt. Dabei sind es fünf Merkmale, die alle Partner teilen sollen:

  1. Apostolische Leiterschaft (Die Zukunft klar sehen, neue Dinge starten und “Wahrheit verwalten“ -> nicht nur etwas für Helden, sondern durch das Azubimodell reproduzierbar)
  2. Geteilter Traum
  3. Gemeinsame Ideologie (= fundamentale Glaubensüberzeugungen und Ziele)
  4. Communitas (= gemeinsames Ziel auf Grundlage von Vertrauen)
  5. Rapide Reproduktion

Das 13. und letzte Kapitel von “Exponential“ geht noch einen Schritt weiter in der Makroperspektive und beleuchtet zunächst zwei entscheidende Vorteile eines Movements:

  1. Ein Movement vergrößert den Einfluss auf die umgebende Kultur;
  2. Ein Movement verringert den Widerstand, z.B. im Zuge von Kirchenneugründungen, die von Mal zu Mal früher geschehen kann/wird.

Überhaupt aber, so fordern Dave und Jon den Leser heraus, sei es aus der Dynamik des Movements heraus möglich, die Mission Jesu zu erfüllen, indem ganze Massen von Menschen auf die Führung des Heiligen Geistes achten und zusammen ihrem Auftrag nachgehen würden. Gleichsam ermutigen sie immer wieder dazu, dass es einfacher sei, als man denke. Dafür fassen die beiden nochmals bereits zuvor drei thematisierte Bausteine zusammen, die den Leser mit einem ermutigten Gefühl von “Let's do it!“ zurücklassen:

  1. Eine klare Vision
  2. Rapide Reproduktion

Sonntag, 15. Juni 2014

Der Weg zur Multisite und Gemeindeneugründung: “Exponential“, Kap. 9-11


Im dritten Teil von “Exponential“ thematisieren Dave und Jon sich reproduzierende Gemeinschaften von 100-1000 Leuten. D.h. Konkret geht es um den Aufbau von “Multisites“ bzw. “Venues“ (Kap. 9), sich reproduzierenden Multisites zum Erreichen einer ganzen Region (Kap. 10) und um eigenständige, sich multiplizierende Kirchen (Kap. 11).

Wichtig ist hier zunächst einmal die Unterscheidung zwischen Venue, einem separaten Versammlungsort mit Videoübertragung, und einer Multisite, einem eigenständigen Campus mit vollem Personal. Während die Venue primär das Ziel hat, mehr Leute aufnehmen zu können, bietet die Multisite die Möglichkeit, auch geographisch neuen Raum einzunehmen. Ob man hier tatsächlich das so trennscharf ausein- anderhalten kann, sei dahingestellt; was durch eine Multisite im Gegensatz zur reinen Videoübertragung aber gegeben ist, ist die Tatsache, dass ich nun auch unterschiedliche Gottesdienst-Stile anbieten kann, also einerseits den hippen Gottesdienst, andererseits den Traditionellen usw.

Sieben essentielle Schritte sind es, die Dave und Jon dem Leser zum Gründen einer Multisite ans Herz legen:
  1. Die Suche nach Gottes Aktion, was Er will
  2. Die Vision
  3. Leiter (= Campus Pastor)
  4. Das Team (bezahlte Angestellte)
  5. Finanzen
  6. Das regelmäßige Abgleichen der gemeinsamen Vision aller Multisites
  7. Nicht aufgeben, sondern dran bleiben

Dass Multisite im Gegensatz zu einer kompletten Neugründung am selben Ort strategisch sinnvoller ist, zeigen Dave und Jon im 9. Kapitel auf, wie sie anhand einer Statistik zum Gottesdienstbesuch belegen, zumal die neue Multisite i.d.R. dieselbe Exzellenz aufweisen kann wie die “Mutterkirche“. Noch einmal wird zudem auf die Mög- lichkeit hingewiesen, wie unterschiedlich Multisites sein können und die Gesamtkirche damit viel heterogener wird, was in Zeiten von Multikulti natürlich besonders attraktiv ist. Durch die Multisite hat die Kirche zudem die Möglichkeit, in einem bestimmten Stadtteil/einer Region sehr viel konkreter verwurzelt und dienend eingebunden zu sein, als wenn Kirche nur zentral von überall her die Menschen versammelt.

Neben den zuvor erwähnten sieben Schritten zur Multisite weisen Dave und Jon darauf hin, dass mit zunehmender Komplexität von mehr als drei Multisites ganz neue Probleme lauern, weshalb sie auf acht Fragen aufmerksam machen:

  1. Was genau ist der Traum? Sollen es wirklich mehr als drei Multisites werden? (halte diese Frage zugegebenermaßen für etwas falsch gestellt, denn zumindest ich würde nicht in Dimensionen von Kirchengröße denken, sondern vielmehr bedingt sich das doch durch die Region, die ich erreichen will; dafür sollen die Kirchenstrukturen dienen, nicht umgekehrt).
  2. Was ist absolut essentiell, das auch bei der Multiplikation reproduziert werden muss? Naheliegend ist z.B. der Gottesdienst, Kleingruppen, Kindergottesdienst etc.
  3. Welche Organisationsform wird verfolgt? Hier wird unterschieden zwischen einerseits der Autorität bei den Bereichsleitern unter Einfluss der Campus Pastoren, während es sich ab vier Multisites dreht und die Autorität besser vom jeweiligen Campus Pastor ausgeht.
  4. Sollen die Teachings persönlich, über Video oder beides bereitgestellt werden?
  5. Gibt es ein “Farm System“ für Leiterschaft? Diese Frage zielt auf die Gewinnung und Ausbildung neuer Campus Pastoren ab.
  6. Gibt es einen Plan zur Künstlerentwicklung?
  7. Ist genügend Geld für die Multiplikation vorhanden?
  8. Wird das Abgleichen der gemeinsamen Vision sichergestellt?

Um aber komplett neue Regionen zu erreichen, bedarf es auch Kirchenneugründungen, über die im 11. Kapitel reflektiert wird. Neben o.g. Sieben Schritten, die entsprechend gelten, machen Dave und Jon auf vier Gemeindegründungslektionen aufmerksam:

  1. Man soll möglichst frühzeitig die Vision einer Neugründung innerhalb der gesamten Mutterkirche kommunizieren, damit sich Leute angesprochen fühlen können bzw. überdenken, mit aufzubrechen in das neue Abenteuer. Voraussetzung dafür ist ein visionärer pastoraler Leiter, der eine echte Leidenschaft für die betreffende Stadt hat.
  2. Der Leiter muss vor der Ausendung Teil der Mutterkirche gewesen sein, um die multiplikative Luft zu atmen, die er/sie dann auch in der Neugründung implementiert.
  3. Es macht einen großen Unterschied zwischen einem Team und einem Winning Team.
  4. Es kann sehr hilfreich sein, mit mehreren Partnern eine neue Gemeinde zu gründen.

Damit die Aussendung gut funktioniert, geben Dave und Jon abschließend dem Hauptpastor wie auch dem zukünftigen Gemeindegründer jeweils vier Lektionen mit, zunächst die für den Hauptpastor:

  1. Gehen lassen können! Es gibt nie den passenden Zeitpunkt. Vielmehr während der noch anwesenden Zeit die Skills des Gemeindegründers trainieren und sich hinter seine Vision stellen.
  2. Verfügbar sein.
  3. Sehr regelmäßig die bevorstehende Aussendung feiern.
  4. In Verbindung bleiben.

Die vier Lektionen für den zukünftigen Gemeindegründer lauten:
  1. Frühzeitig über die Vision der Gemeindegründung reden.
  2. Dankbar sein für das Investment, was man vonseiten der Mutterkirche erhält.
  3. Kontinuierlich kommunizieren.
  4. Einen passenden Nachfolger für die frei werdende Stelle identifizieren.

Samstag, 14. Juni 2014

Die Notwendigkeit von Coaches zur Leiterschaftsausbildung - “Exponential“, Kapitel 8

Bevor es zum dritten Teil von “Exponential“ übergeht, thematisieren Dave und Jon Ferguson die Rolle, die Notwendigkeit und die Reproduktion von Coaches (Kapitel 8). Ein Coach soll ihnen zufolge Leiter motivieren, sie heraus- fordern und rechenschaftspflichtig halten, sodass sie in ihren Skills als Leiter wie auch als Nachfolger Jesu wachsen. Neben der funktionalen Komponente betonen die zwei die Relationale, was nichts weiter bedeutet, als dass ein Coach ein guter Freund des zu betreuenden Leiters sein/werden sollte. Wegen dieser intensiven Verbindung empfehlen sie, dass ein Coach maximal fünf Leiter betreuen sollte, um auch in Krisensituationen u.ä. verfügbar zu sein.

Konkret sind es vier Bereiche, die der Coach bei jedem Leiter im Blick haben sollte: 1. Die Beziehungen zu Menschen, 2. Der Umgang mit dem eigenen Körper, 3. neue geistige Herausforderungen, 4. die Beziehung zu Gott. Dave und Jon gehen hier sehr griffig auf Facetten des Menschseins ein, die bei den meisten Leitern gern mal vernachlässigt werden – wie überhaupt die beiden die Rolle des Coaches als wohl am meisten Vernachlässigte empfinden. Neben der Zurüstung und dem Dienst an den Leitern erwähnen sie außerdem das Rekrutieren neuer Leiter als zentrale Aufgabe des Coaches, sodass für die beiden klar ist, dass Kirche niemals eine Ein-Mann-Show sein kann, sondern sich die Aufgaben auf viele Schultern verteilen müssen.

Das Kapitel wird abgerundet durch zahlreiche sehr konkrete Anleitungen, wie man als Coach beispielsweise eine Konversation mit seinem “Schützling“ führt bzw. auch welche Fragen gestellt werden können bzw. sogar sollten (und was tunlichst zu vermeiden ist).

Freitag, 6. Juni 2014

Missionale Teams neben der klassisch-attraktionalen Gemeinde: “Exponential“ von Dave und Jon Ferguson (Kapitel 7)

Kapitel 7 von “Exponential“ konzentriert sich auf sog. “missionale Teams“, sprich Gruppen jenseits der klassischen Kirche bzw. klassischen Sonntags-Gottes- dienstes; beispielhaft wird zunächst die Story von Shawn erzählt, der statt des Sonntags-Gottesdienstes mit einer immer größer werdenden Gruppe Wasserski fährt und nach und nach sehr subtil christliche Rituale einbaut wie beispiels- weise ein kurzes Gebet vor Beginn, ein kurzer Austausch von persönlichen Problemen und vielleicht noch ein Bibelvers bis dahin, aber auch ganz klassisches gemeinsames Frühstück usw. Noch substantieller ist der Aufwand von Kirsten, die mit ihrer Familie aus dem gutbürgerlichen Vorort in einen sozialen Brennpunkt zieht und dort soziale Aktivitäten und Netzwerke aufbaut, gleichzeitig aber mit ihrer Mutterkirche in Verbindung bleibt.

Hintergrund dieser missionalen Teams ist die Tatsache, dass es eine immer größer werdende Gruppe von Menschen gibt, die keinen Fuß in eine Kirche setzen würden, wie hip auch immer diese sein mag. Statt dessen bewegt man sich als missionales Team (oder Indiviuum) zu den Menschen hin, ganz so, wie Jesus unter den Menschen gelebt hat (freilich steckt dahinter auch das Theologumenon der missio Dei, worüber man hier mehr lesen kann). In Reminiszenz zu Kapitel 6 sprechen Dave und Jon Ferguson von “3C-Gruppen“, die also genau- so wie Hauskreise aus Gottesbegegnung (“celebrate“), Gemeinschaft (“connect“) und praktizierter Nächstenliebe (“contribute“) bestehen bzw. sich dorthin entwickeln.

Im Unterschied zu klassischen Hauskreisen existiert solch eine 3C- Gruppe aber von vornherein zu einem festgelegten Zweck, entweder für eine “massenkompatible“ Tätigkeit wie Wasserski Fahren oder für einen Dienst. So oder so ist aber im nächsten Schritt das Ziel, mit der nach und nach wachsenden Gruppe aus Christen und Nicht-Christen den jeweils anderen Part abzudecken, sprich bei einer gemeinsamen (Fun-) Aktivität auch anderen zu dienen, bei einer Dienst-orientierten Gruppen mit den Menschen in Beziehung zu kommen, denen man dient. In der dritten Phase spielt auch das dritte C (“celebrate“) eine Rolle, also die Beziehung zu Gott, in die beispielsweise durch ein kurzes Gebet oder einen Bibelvers eingeführt werden kann, wie oben gesehen.

Um auch den 3C-Teams das Gen der Multiplikation wiederum zu verinnerlichen, nennen Dave und Jon sieben für sie wichtige Punkte:
1. Glaube, dass der Missions-/Sendungsauftrag Jesu (nach Apg 1,8) tatsächlich erfüllt werden kann;
2. Jeder einzelne Christ soll dazu ordiniert werden, eine Kirche zu gründen;
3. Leute sollen unterrichtet werden, zu gehen statt nur Leute einzuladen;
4. Das konkrete Evangelium für eine bestimmte Gruppe priorisieren und konkret Kirche erst im zweiten Schritt zu denken;
5. 3C-Teams müssen immerzu die Sendung im Blick behalten (“apostolisch“) und dabei unter den Menschen leben (“inkarnatorisch“);
6. Coaching und Training für missionale Gruppen;
7. Sich mit Chaos und Versagen anfreunden.

Mich persönlich hat zunächst einmal Punkt 2 angesprochen, dass man jeden einzelnen Christen als Missionar bzw. Kirchengründer einsegnen bzw. ordinieren soll. Normalerweise wird dieses Privileg einer kleinen Gruppe “zugemutet“, die dann vollzeitlich dient; aber tatsächlich ist doch jeder von uns Christen als Nachfolger Jesu in irgendeiner Form Missionar. Für manche kann dieses Procedere eine regelrechte Freisetzung bedeuten. Tatsächlich kann die Mission natürlich am Arbeitsplatz oder dem sonstigen Umfeld passieren, während hier aber auch - und dem pflichte ich bei - daran gedacht ist, dass prinzipiell jeder solch eine Gruppe starten kann; und schließlich muss man das ja auch nicht einmal allein tun, sondern kann sich passende Mitstreiter dafür suchen.

Neben dem grundsätzlichen Sendungsgedanken und dem inkarnierten Leben unter Menschen, die ich normalerweise nicht über eine klassische Kirche erreichen würde, möchte ich außerdem dem letzten Punkt nochmals Gewicht verleihen: Mein Eindruck ist, dass wir i.d.R. viel zu lange mit Aktionen warten, die jenseits unserer Kirchenmauern passieren, als ob dafür keine Ressourcen zu Verfügung stünden (in Wirklichkeit haben wir meistens Angst, dass uns Leute für unseren Sonntags-Gottesdienst verloren gehen, entweder als Publikum oder als Mitarbeiter). Denn was kann wirklich Schlimmes passieren, sofern man die Leute zu Verantwortungsbewusstsein erzieht, mit ihnen die Sache durchspricht und ihnen jemanden als Coach zur Seite stellt? Und schließlich wollen sicher nicht alle auf einmal gehen.

Dieses Kapitel ist für mich deshalb auch eins der Herzstücke des ganzen Buches, weil es endlich ein Modell schafft,das den Graben zwischen klassischer Kirche und organisch-missionalem Leben miteinander überwindet. Voraussetzung dafür ist, dass alle Gruppen und Veranstaltungen als gleichwertig betrachtet werden. So ist es für mich persönlich genauso Nachfolge, wenn jemand passioniert seinen Beruf ausübt, in dem er/sie vielleicht sogar noch Menschen dient, und sonntags “nur“ zum Gottesdienst kommt (evtl. noch einen Hauskreis hat), während jemand anderes seinen/ihren Sonntag und vielleicht sogar noch Zeit unter der Woche für eine Gruppe investiert, die wiederum den Dienst an anderen im Fokus hat. Solange die Vision der Gemeinde breit genug ist und man dementsprechend quasi nicht gegeneinander arbeitet, habe ich keinerlei Bedenken, sondern sehe vielmehr ein riesiges Potenzial, das mehr und mehr ausgeschöpft werden sollte.