Montag, 25. Januar 2016

Rückblick: EXPONENTIAL-Deutschland (Duisburg)

“Wie wäre es, wenn durch unsere Kirchen mehr Menschen den Weg zu Gott fänden? Wenn junge Christen nicht nur Besucher von Veranstaltungen wären, sondern aktive Nachfolger von Jesus? Wenn Mentoren ihnen helfen würden, ihr Potential und Gottes Berufung zu entdecken und zu entfalten? Und das auch an ihren Arbeitsplätzen, bei ihren Freunden, in ihren Vereinen und Familien?“ 

So lauten die ersten Sätze von Lothar Krauss in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe von Dave und Jon Fergusons “Exponential. How You and Your Friends can start a Missional Church Movement“. Klingt das nicht nach dem, was man allgemein hin als “Erweckung“ bezeichnen würde? Und welcher Christ will das nicht? Um uns dabei zu helfen bzw. ein sog. “missional movement“ zu starten, kam Dave in der letzten Woche extra für uns zu zwei Konferenzen nach Deutschland, in dessen Zuge auch die deutsche Ausgabe herausgegeben wurde. Ich selbst durfte an der Konferenz in Duisburg teilnehmen, mich inspirieren und herausfordern lassen. Da ich die englische Fassung bereits vor einiger Zeit in mehreren Blogposts rezensiert habe (die deutsche Fassung unterscheidet sich im Wesentlichen vom Original durch das Fehlen des letzten Kapitels über die Multiplikation von ganzen Gemeindenetzwerken und kann hier bestellt werden; ihr habe ich nachfolgende Illustrationen entnommen), versuche ich an dieser Stelle, den roten Faden der Konferenz nachzuzeichnen und die für mich prägenden Inhalte kurz anzureißen. So seien lediglich der Grundgedanken an dieser Stelle erwähnt; Details können in meinen vorherigen Blogposts zur englischen Ausgabe und natürlich im Buch selbst nachgelesen werden. 

Dem Titel “Exponential“ entsprechend könnte man vermuten, dass es sich bei der Konferenz bzw. dem Buch um eine neue Strategie handelt. Dass sich irgendwie dazwischen auch Strategien befinden und eine gewisse für die Amerikaner bekannte Pragmatik vorhanden ist, lässt sich nicht verleugnen. Aber tatsächlich geht es in allererster Linie um Jüngerschaft bzw. dann auch Führung nach dem Vorbild Jesu, um nichts anderes - keine abstrakte Strategie oder “fünf Schritte“-Theorien zum erfolgreichen Pastoren- bzw. Gemeinde-Dasein. All das mag und darf als Konsequenz daraus erwachsen, doch geht es in allererster Linie um die Vision (bzw. Realität, wie in Daves Gemeinde und Netzwerken), dass Menschen ihren Weg zurück zu Gott finden, hingegebene Nachfolger Jesu werden und letztendlich eine missionale Bewegung entsteht, die nicht nur große Kirchengemeinden nach sich zieht, sondern v.a. transformierte Menschen und eine sogar transformierte Gesellschaft. Und genau das erlebt Dave in und durch seine Community Christian Church, die er mit seinem Bruder Jon und weiteren Freunden in Großraum Chicago gegründet hat und die mittlerweile nicht nur etliche Standorte mit über 7000 Mitgliedern umfasst, sondern aus der auch etliche Gemeindeneugründungen und -netzwerke überall in Amerika und sogar weltweit entstanden sind. 

Daves Grundgedanke, den er an den drei Tagen (Donnerstag bis Samstag) immer wieder kommunizierte, lautet, dass es für eine missionale Bewegung mit einem entsprechenden Momentum (durch Masse x Geschwindigkeit) zwei Faktoren brauche: Sich reproduzierende Gemeinden und missionale Menschen. Beides ist für ihn notwendig, worin er übrigens den mittlerweile allgegenwärtigen scheinbaren Gegensatz von missional und attraktional auflöst. Er stützt(e) sich dafür immer wieder auf vier für ihn zentrale Bibelstellen:

  1. Mt 16,18: “Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“
  2. Mt 28,19: “Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
  3. Apg 1,8: “Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“
  4. 2 Tim 2,2: “Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“

Den meisten von uns sollten diese Bibelstellen bekannt sein. Und so sind auch die Prinzipien, die er mit seiner Gemeinde und den daraus folgenden Netzwerken abgeleitet hat, inhaltlich keinesfalls neu. Das, was aber den alles entscheidenden Unterschied macht, ist, dass er diese Prinzipien konsequent lebt und umsetzt

Aber wie sieht das konkret aus? Dave definiert Jüngerschaft als die zentrale Aufgabe von uns Christen (nach Mt 28,19), was er zum einen in der Leitung durch den Heiligen Geist und die daraus resultierende Zeugenschaft praktiziert (nach Apg 1,8); das führt notwendigerweise zu einem missionalen Lebensstil, den jeder Christ also gerade im nicht-christlichen Umfeld zu pflegen hat, damit andere Menschen ihren Weg zurück zu Gott finden. Und so erläuterte er ganz praktisch sein Prinzip von B.L.E.S.S. (englisch für “Segen“), das besagt, dass man mindestens 1x/Tag eines der fünf dahintersteckenden Dinge tun soll: 1. Beginne Deinen Tag mit Gebet!, 2. Listen: Zuhören, 3. Essen (mit Nicht-Christen), 4. Serve: Dienen, 5. Story: Geschichte erzählen (von Jesus). 

Wie die konkrete Gemeindeform dann schließlich aussehen mag, hängt Dave zufolge von der Vision des Leiters ab, die er/sie unter der Leitung des Geistes empfangen hat, weil Jesus Christus selbst es ist, der Seine Gemeinde baut, dessen Zeugen und Mitarbeiter wir sein dürfen (nach Mt 16,18). Unser Job als Christen ist es auf elementarster Ebene dabei, dass wir uns immerzu in Jünger investieren und sie dadurch auch mehr und mehr in Führung(-skompetenzen) anleiten. Und so gehören Jüngerschaft und Führung für ihn aufs Äußerste zusammen, und prinzipiell kann jeder (je nach dem bis zu einem gewissen Grade) leiten. 

Der Schlüssel nun, um Menschen (und gerade auch diejenigen, die ihren Weg erst kürzlich zurück zu Gott gefunden haben; das ist übrigens Daves zentrales Verständnis von Evangelium) in Führung anzuleiten, funktioniert ganz praktisch über das Prinzip von “apprenticeship“, was im Deutschen übersetzt wird mit “Lehrlings-Dasein“, “Azubi Sein“ oder vielleicht sogar besser mit “Trainee Dasein“. Jedenfalls wendet er dieses Prinzip konsequent auf jeder Ebene seiner Ausbildung von Leitern bis hin zur Multiplikation von Gemeinden und Netzwerken (s.u.) an, nämlich dass ein bestehender Leiter sich einen geeigneten Trainee auswählt (zu entsprechenden Kriterien haben wir einiges in den Workshops zur Leiter-Multiplikation bei Artur Siegert und Lothar Krauss gehört). Ihn/sie führt er anschließend durch fünf Schritte: 


Und über diese Schritte werden dann folgende Leiter ausgebildet: 




Und auch die Multiplikation von Künstlern oder missionalen Gruppen funktioniert nach diesem Prinzip. Was das im einzelnen genau bedeutet, kann, wie gesagt, im Buch oder in meinen Blogposts nachgelesen werden. Dies führt bei konsequenter Umsetzung dann zu der einen Hälfte der anfangs geäußerten Gleichung, die eine missionale Bewegung hervorrufen soll. Und so sind es fünf Prinzipien von Reproduktion, die Dave ganz praktisch anwendet:

  1. “Reproduktion erfordert, dass jeder jemanden in Ausbildung hat.“
  2. “Reproduktion ist proaktiv, nicht reaktiv.“
  3. “Reproduktion hängt nicht von Größe ab, sondern von der Bereitschaft der Leiter.“
  4. “Reproduktion hat nicht mit unserem eigenen Königreich, sondern mit dem Reich Gottes zu tun.“
  5. Reproduktion geschieht am Rand und in der Mitte.“

Angereichert wurden die Vorträge von Dave durch zwei Workshops zur Multiplikation von Leitern, Kleingruppen, Gottesdiensten, Standorten und Gemeinden; ich selbst zwar zweimal im Workshop zur Multiplikation von Leitern, einmal mit Artur Siegert, das andere Mal mit Lothar Krauss - wow, selten so weise, leidenschaftliche und mind-blowing Leiter erlebt wie diese beiden. Artur entfaltete zunächst seine Vision von 1 Mio (!!!) neuer Christen in den nächsten zwanzig Jahren in Deutschland, für die wir mindestens 10000 neue Leiter benötigen. Sowas steckt mich natürlich an und lässt mich mitträumen - der Wahnsinn! Was mir nicht bewusst war, ist, dass die von ihm initiierte Leiterakademie im aktuellen 3-Jahres-Programm bereits mehr als 600 Leiter ausbildet. Lothar entfaltete aus seiner Schatzkammer (in der ebenfalls kurzen Zeit von guten 30min) Gedanken dazu, was eigentlich einen Leiter ausmacht (Einfluss, Nachfolger, Charakter) und wonach ich bei einem Azubi-Leiter an Grundvoraussetzungen suche (Verfügbarkeit, geistliche Beweglichkeit, Belehrbarkeit, Einfluss); der/die Azubi wird ihm zufolge - am besten zuerst Projekt-bezogen wegen klarem Anfang und Ende - durch Theorie plus Praxis (Lothar liebt das deutsche duale Ausbildungs- und Studiensystem), Supervision (vonseiten des Leiters) und Üben entsprechend geschult, beobachtet und schließlich eben in seiner Leitung bestätigt oder auch nicht. Danke, Ihr zwei!!! Überhaupt gilt mein ganz besonderer Dank Lothar Krauss, der federführend die Konferenz(en) eingefädelt hat und somit verantwortlich dafür ist, dass Dave überhaupt in Deutschland war: Lothar, danke für Deinen genialen Einsatz!!! Mehr zu seinen Insights findet man übrigens auf dem Leiterblog.

Zum anderen durfte ich als ganz besonderes Highlight zusammen mit meinen beiden Freunden und IGW-Kollegen Michael Girgis und Daniel Janzen und im Zusammensein des Kollegiums vom Theologischen Seminar Beröa an einer Privat-Session mit Dave teilnehmen, wo wir Fragen zur theologischen Ausbildung loswerden konnten. Hab selten so einen nahbaren und lockeren Typen wie Dave erlebt. Wirklich cool! 

Abgerundet wurde die Konferenz einerseits durch eine Podiumsdiskussion mit den Workshopleitern samt Daniel Janzen (Co-Rektor von IGW-Deutschland) um Dave herum, andererseits durch Lothars Vortrag über Chancen und Grenzen von “Exponential“ im deutschen Kontext. 




Lothars äußerst herausfordernder Input rückte den Fokus einmal mehr auf die alles entscheidende Frage, nämlich ob wir als Leiter diese Prinzipien tatsächlich umsetzen oder nicht. So einfach die Idee, so schwierig ist doch das dran Bleiben, weshalb er mit folgender Glaubensherausforderung abschloss:



Was nehme ich nun persönlich mit? 
  1. Die Bedeutung von Freundschaft, v.a. zu meinen beiden Mitstreitern und Kollegen Michael und Daniel; das ist für Dave übrigens auch die Grundlage jeder Trainee/Azubi-Beziehung.
  2. Mich hat das Buch bereits beim ersten Mal überschwänglich inspiriert, aber nun gilt es, die Prinzipien konsequent umzusetzen. Ich möchte als Leiter selbst über mich hinauswachsen, ein neues Level erreichen und in die nächste “Generation“ investieren. Ich will als Jünger Jesu mehr Risiko eingehen, um Teil Seiner Mission zu sein.
  3. Konkret werde ich mir Azubis suchen, in die ich investieren darf und die meine Position früher oder später ergänzen oder gar ersetzen können.
  4. Mit einzelnen Studis werde ich Daves Buch studieren.
  5. Ich möchte diese herausfordernden Gedanken teilen, z.B. in Predigten, Gastvorträgen und in Gemeinden, zu denen ich guten Kontakt habe. Dass dies mit viel Weisheit verbunden ist, versteht sich von selbst.
  6. Ich möchte Teil werden von dem deutschen EXPONENTIAL-Netzwerk, um gemeinsam mit anderen dran zu bleiben.
  7. Ich brauche selbst einen oder mehrere Coaches, die in mich investieren, damit ich weiter wachsen kann. 
  8. Vielleicht ist sogar früher oder später ein Platz in einer Gemeinde(-gründung) wieder dran, wo ich all diese Gedanken platzieren und umsetzen kann.

Gott helfe mir, der mir immer wieder zuruft: “Du schaffst das!“ Ich träume groß und freue mich auf all das, was da noch kommen mag. Und manchmal liebe ich einfach die amerikanische Pragmatik, Dinge anzugehen und nicht so lange Dinge kritisch zu beäugen, bis sämtliche Vision und Inspiration im Sande verlaufen ist. Und so fange ich lieber gleich an. Bist Du mit im Boot? Schreib mir gern Deine Gedanken und Inspirationen dazu, teil meinen Blogpost in den sozialen Netzwerken und kauf Dir möglichst bald Daves Buch (am besten direkt über Lothars Blog), wenn Du es nicht schon längst gelesen hast; im Februar kommt die 2. Auflage der deutschen Übersetzung raus. Und wenn Du Dich selbst als Leiter siehst, aber noch intensiv (auch theologisch) auf diesem Pfad ausgebildet werden willst, schau Dich bei IGW (www.igw.edu) um oder melde Dich direkt bei mir (mertens at igw.edu) zur Beantwortung Deiner Fragen, für ein Interessentengespräch usw. Und wenn Du Pastor bist, Deine eigenen Leiter nach Daves Vorbild ausbilden willst, helfen wir Dir gern dabei. Wie gesagt, wir waren vor Ort und werden ebenso weiterverfolgen, was die Inhalte für uns als  Ausbildungsinstitut für Theologie und Führung bedeuten.


Sonntag, 17. Januar 2016

Wie “verkaufen“ wir das Evangelium? Teil 4: Abkehr vom WHY

“So viele Organisationen sind auf der Stärke einer einzelnen Person aufgebaut, dass ihr Weggang eine entscheidende Störung hervorrufen kann. Die Frage ist nicht, ob das geschieht - alle Gründer gehen oder sterben irgendwann -, sondern die Frage ist, wann und wie die Organisation vorbereitet ist auf diesen unausweichlichen Abgang.“

- Simon Sinek, Start with Why. How great Leaders inspire Everyone to take Action, London: Penguin, 2009, 187 (meine Übertragung).

Sinek spricht ein Phänomen an, dass sich auch bei zahlreichen Kirchen feststellen lässt: Bill Hybels kam nach einziger Zeit zurück als Senior Pastor von Willow Creek, Erwin McManus zurück zu Mosaic. Und bei zahlreicheren kleineren Kirchen und Gründungsprojekten findet man dieses Phänomen, das Sinek beschreibt, sicherlich ebenso häufig. Dass der Verlust dessen, warum diese bestimmte Kirche oder Gründung eigentlich existiert, immer das einzige Problem darstellt, kann und will ich natürlich nicht sagen. Wie könnte ich auch? Aber oftmals spielt meiner Erfahrung nach der Verlust des WARUM/WOZU eine entscheidende Rolle, in die Mittelmäßigkeit abzurutschen. Und das muss nicht zwingend mit dem Verlust des Visionärs zu tun haben, sondern kann auch geschehen, wenn die ursprüngliche Vision (das WARUM/WOZU) unklar wird, weil der Fokus - notgedrungen oftmals - auf ein Großprojekt und damit das WAS gerückt wird. Oder warum scheitern so viele Gemeinden bspw. an einem Bauprojekt? Sicher, es gibt auch Bauprojekte, die eigentlich kontraproduktiv gegenüber der Vision der Gemeinde, aber ist das der Hauptteil?

Sonntag, 10. Januar 2016

Wie “verkaufen“ wir das Evangelium? Teil 3: Authentizität

“Der goldene Kreis liefert einen überzeugenden Beweis dafür, wie viel mehr wir erreichen können, wenn wir uns selbst daran erinnern, in allem zuerst nach dem WARUM/WOZU zu fragen. […] 

Menschen kaufen nicht das, WAS Du tust, sondern WARUM/WOZU Du es tust. […]
Authentizität bedeutet, dass Dein goldener Kreis in Balance ist. Es meint, dass Du alles, was Du sagst und tust, tatsächlich glaubst.

- Simon Sinek, Start with Why. How great Leaders inspire Everyone to take Action, London: Penguin, 2009, 38; 41; 68 (meine Übertragung).

Ist das, was Du als Leiter tust, authentisch? Folgen Dir Menschen, weil sie Deine Vision teilen oder weil sie müssen? Tust Du konsequent die Dinge, die Deiner Vision entsprechen? Und sind Deine Methoden effektiv für das, von dem Du träumst, um Dein Ziel zu erreichen? Fragen über Fragen, mit denen ich mich selbst immer wieder beschäftige. Und das hört auch nie auf, würde ich sagen.

Warum diese Frage nach dem WARUM/WOZU so unendlich wichtig ist und was passiert, wenn sie in Vergessenheit gerät, werde ich im letzten Post dieser Serie anhand von Simon Sineks Buch kurz erläutern.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Wie “verkaufen“ wir das Evangelium? Teil 2: Manipulationen

“Es gibt nur zwei Wege, menschliches Verhalten zu beeinflussen: Du kannst es manipulieren oder inspirieren. […] Von der Wirtschaft bis zur Politik, Manipulationen durchziehen ungezügelt sämtliche Formen von Verkauf und Marketing. […] Wenn Unternehmen und Organisationen keinen klaren Sinn dafür haben, warum ihre Kunden ihre Kunden sind, tendieren sie dazu, sich in unverhältnismäßig großer Zahl auf Manipulationen zu verlassen, um das zu bekommen, was sie brauchen. Und das aus einem guten Grund. Manipulation funktioniert. […] Unter allen Umständen, in denen eine Person or Organisation mehr als eine einzelne Transaktion will, falls es also eine Hoffnung auf eine loyale, anhaltende Beziehung geben soll, hilft Manipulation nicht. […] Unternehmen und Organisationen mit einem klaren Sinn für das WARUM/WOZU (engl. “WHY“) sorgen sich niemals darum [wo der Unterschied gemacht werden kann; Anm. d. Verf.]. Sie denken nicht über sich selbst, wie jemand anderes zu sein, und müssen deshalb auch niemanden von ihrem Wert ’überzeugen’.“

- Simon Sinek, Start with Why. How great Leaders inspire Everyone to take Action, London: Penguin, 2009, 17, 31, 47 (meine Übersetzung).

Simon Sinek ist überzeugt davon, dass die Hauptrolle eines Leiters bzw. Gründers v.a. die ist, sein Team mit der Vision immer wieder zu inspirieren. Das soll seiner Ansicht nach die alles treibende Kraft sein, aus der heraus abgeleitet wird, WAS man eigentlich WIE tut. Zunächst beschreibt er jedoch zahlreiche Negativbeispiele und Handlungen, die er allesamt letztlich als Manipulation entlarvt: Sparpreise/Angebote, Promotion, das Einflößen von Furcht, Versprechungen, Gruppendruck etc. 

Arbeiten wir als Kirchen aber nicht auch viel zu häufig mit Manipulationen? Ich denke an folgende Dinge:
- Freies Essen und Getränke bei Jugendveranstaltungen, wenn ich darüber versuche, mehr Teens zu locken (ist mir besonders häufig in den USA begegnet)
- Eine möglichst hippe Gemeinde, Worshipband oder möglichst lässig predigender Pastor, nur um den Zahn der Zeit treffen zu wollen
- (Straßen-) Evangelisationen, bei denen ich Menschen mit der Hölle in den Himmel holen will (zu häufig erlebt und kennt vermutlich jeder)
- Die Nachfolge Jesu möglichst einfach machen und die Hürde niedrig hängen, damit ja keiner abgeschreckt wird
- Falsche Versprechungen, als ob mein Leben als Christ einfacher würde oder gar, dass ich sicherlich im Wohlstand enden werde

Wo hast Du bereits solche und andere Manipulationen in der Kirche erlebt? Und welchen alternativen Weg schlägt Simon Sinek nun vor? 

Auflösung im nächsten Blogpost.

P.S. Das Buch von Simon Sinek gibt es übrigens auch in Deutsch.