Montag, 9. Januar 2017

Braucht die Kirche “Unternehmer“? Stefan Vatter bietet eine ausführliche Antwort

Wie sähe die (heutige) Kirche ohne Typen wie Petrus, Paulus oder Johannes aus? Würde es die Kirche überhaupt geben? Was würde passieren, wenn solche Typen in unserer Zeit konsequent(er) die Kirche neu beleben würden? Und wie könnte man sie strategisch einsetzen und was genau würden diese Typen - apostolisch begabte Menschen - eigentlich genau tun, wenn man sie identifizieren könnte?

Diesen wichtigen, ja geradezu entscheidenden, Fragen geht Stefan Vatter in seinem Buch “Finden, fördern, freisetzen“ auf den Grund, das mittlerweile in erweiterter, zweiter Auflage im Neufeld-Verlag erschienen ist. Dem Untertitel gemäß geht es Vatter dabei um die Wiederentdeckung des apostolischen Dienstes, mit dem er sich durch gerade genannte Attribute des Findens, Förderns und Freisetzens eine wirksame(re) Führung innerhalb der Kirche erhofft. 

Denn Vatter (mittlerweile international in Gemeinden, Organisationen und Unternehmen beratend tätig) nimmt den Leser zunächst mit hinein in die Problemsituation der Kirche, die er durch “eine neue Kultur der Leiterschaft“ (19) “[a]us den Nebenbänken in die Sonne treten“ (15) lassen will. Diese neue Leiterschaft hängt mit ebenjener Wiederentdeckung des apostolischen Dienstes zusammen, den er aber nicht (ausschließlich) mit charismatischen oder besonders übernatürlich begabten Persönlichkeiten in Verbindung bringt.

Vielmehr wird der Einfluss missionaler Theologie von den ersten Seiten an deutlich. Ausgehend vom historischen Begriff des “Apostels“ als Mischung aus Flottenkommandant, Bote Gottes und bevollmächtigtem Gesandten, entfaltet Vatter im ersten Kapitel eine apostolische Trinität, die maßgeblich durch die missio dei geprägt ist, von wo aus verschiedene Apostelpersönlichkeiten im Neuen Testament wie auch der Kirchengeschichte nachgezeichnet werden. Dabei lässt Vatter den Leser nicht im Unklaren darüber, dass er davon überzeugt ist, dass Apostel als Pioniere der Kirchen alles andere als ausgestorben sind, ohne sie eben schlicht mit charismatischen Persönlichkeiten oder exzeptionistischer Begabung gleichzusetzen.

Zwar ist für Vatter der apostolisch begabte Christ mit einem “Pioniercharisma“ (83) ausgestattet, jedoch zieht er keine scharfe Linie zum Charakter des Christen oder sonstigen natürlichen Eigenschaften, die er im zweiten Kapitel thematisiert. Gleichsam weiß Vatter um die “Berufung als heilige Beschlagnahmung“ (89) und die damit verbundenen Herausforderungen. Als eine wesentliche Stärke des Apostels sieht Vatter dabei die Ausrichtung auf das Reich Gottes an, die er in missionaler Manier jenseits der Gemeindegrenzen inmitten der Welt zeichnet, wo Gottes Wille zur Wiederherstellung umgesetzt wird - zentrale Inhalte, die das dritte Kapitel zeichnen.

Deutlich praktischer wird es mit dem vierten Kapitel, in dem Vatter die Rolle des Apostels innerhalb des Teams erläutert. Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass er ein Verfechter des fünffältigen Dienstes nach Eph 4 ist; zahlreiche kleinere, durchaus hilfreiche Tests lassen dabei den Leser selbst herausfinden, welchem der fünf Typen (Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer) er/sie selbst am nächsten steht. Dies führt ihn schließlich mit dem fünften Kapitel zu der Frage, wie eine Kirche mehr und mehr apostolisch geprägt werden kann.

Angereichert mit zahlreichen Praxisbeispielen und Zeugnissen diverser apostolisch begabter Leiter, leistet Vatters Buch einen exzellenten Beitrag, endlich wieder stärker diesen so wichtigen Unternehmer-/Pioniertypen in unseren Gemeinden zu entdecken bzw. ihm (oder: ihr - Vatter legt wert auf Egalität) wieder mehr Raum einzuräumen. Denn eins sollte spätestens nach der Lektüre deutlich werden: Ohne den apostolischen Typus wird die Kirche in ihrer Bedeutungslosigkeit verschwinden. Vatters Buch hilft als Grundlagenwerk dabei bestens, in dieses doch so wichtige Kapitel kirchlicher Führung und Führungskultur einzuführen und Schritte in Richtung apostolisch-orientierte Kirche zu gehen.

Wünschenswert wäre perspektivisch ein zweiter Band als eine Art Handbuch/Workbook, das - aufbauend auf diesen Grundlagen - ganz konkret hilft, apostolisch begabten Menschen beim eigenen Wachstum zu helfen; denn zwar bietet das Buch erste Schritte und nützliche Tipps um herauszufinden, ob ich apostolisch begabt bin. Wie ich meine apostolische Begabung allerdings fördern und freisetzen kann, thematisiert Vatter dann doch nur sehr sporadisch, was sich aufgrund des gebotenen Fülle an Material natürlich in diesem schon umfangreichen Buch von fast 300 Seiten auch kaum anders hätte lösen können. 

Alles in allem ein Must-Read für all diejenigen, die sich der Kirche gegenüber verantwortlich fühlen und an ihrer Weiterentwicklung teilnehmen wollen.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Zum Nachdenken: Über die Weisheit von Beziehungen

“Die Welt des Selbst wird einverleibt durch das Ich, die Welt der Weisheit ist gefüllt mit Wir. Weisheit ist nicht ein Wechsel vom Mir zu Dir, sondern ein Wechsel vom Mir zu Uns. […]

Weisheit sieht alles Leben durch Beziehungen - unsere Beziehung zu Gott, unsere Beziehung zu anderen, unsere Beziehung zur Natur. Es geht nicht um Selbstverleugnung, sondern das Anerkennen, dass unser bestes Selbst nur entdeckt werden kann, wenn wir andere als über uns betrachten. Wenn wir in Weisheit wandeln, können wir uns selbst nicht einmal außerhalb des Kontextes von Beziehungen denken. […]

Wenn wir wachsen, beginnen mehr und mehr Dinge, sich zu verbinden. Wenn wir in der Weisheit Gottes wachsen, beginnen wir zu erkennen, dass alles verbunden ist. Weisheit befreit uns von unverbundenen Lebensweisen. Weisheit befreit uns vom einschränkenden Aberglauben und von zerbrochenen Beziehungen, die uns kaputt machen.“

- Erwin Raphael McManus, Uprising: A Revolution of the Soul, Nashville: Thomas Nelson 2003, 240f.

Montag, 3. Oktober 2016

Lebst Du Dein Leben vom Ende her?

In den letzten Tagen las ich John Streleckys Buch “The Big Five for Life“, in dem es um die Führungsperson Thomas Derale geht. Thomas schaut mit 55 Jahren auf sein Leben zurück, das in wenigen Wochen aufgrund eines Gehirntumors enden wird, und nun reflektiert und kommuniziert er seine Geheimnisse über Leadership und das Leben in diversen Situationen und Dialogen. Als stilistisch leicht zu lesen- der Narrativ kann ich das Buch jedem empfehlen, der mehr zum Thema wissen will, weil es ein sehr ganzheitliches Konzept von Leadership liefert, die Möglichkeit einer besseren Arbeitswelt erträumt (die es hauptsächlich thematisiert) und eben durch die Form sehr zugänglich ist. 

Welcher Gedanke hat mich nun besonders herausgefordert? Wie bereits erwähnt, lässt sich dem Buch viel Weisheit entnehmen, die am Schluss auch nochmals kompakt zusammengefasst ist, um sie sich immer wieder mal ins Gedächtnis zu rufen. Letztlich hat mich aber von allem eine Frage gepackt, nämlich:

Lebe ich mein Leben von seinem Ende her?

Dahinter steckt die Annahme, dass jeder ein persönliches Lebensziel hat, warum er/sie lebt, sozusagen die Eigenmotivation bzw. die Berufung. Die gilt es, in jedem Fall herauszufinden, und hängt essentiell mit meinem Weltbild zusammen, mit meinen Werten etc. Das heißt, ich tue gut daran, mir darüber im Klaren zu werden, was das für mich bedeutet, warum und wofür ich eigentlich lebe - oder werde ich gelebt?

Ich als Christ kann diese erste Frage nach dem Warum für mich relativ einfach beantworten. Denn auch wenn es theologisch natürlich etliche Differenzen gibt, wird es irgendwas mit Gott, mit Seinem Willen und mit meiner Beziehung zu Ihm zu tun haben (ausführlicher habe ich diese Frage hier thematisiert). Um es platt auszudrücken: Ich muss oder sollte mir aus Sicht meines christlichen Weltbildes zunächst einmal keine allzu großen Sorgen machen, weil der große Narrativ der Bibel damit endet, dass alles gut wird, weil Gott gut ist, es gut meint und gut vollenden wird. 

Aber das beantwortet noch gar nicht zwingend die Frage, was ich konkret mit meinem Leben anfangen will.  

Dafür verknüpft Strelecky das persönliche Lebensziel mit fünf kon- kreten Dingen - mit den sog. “big five for life“ -, die ich erlebt, erreicht oder gesehen haben will, bevor ich sterbe. Für den einen mag eins dieser fünf Dinge eine Weltreise sein, für den Nächsten ist eins davon möglichst gute Beziehungen, und für einen Dritten bedeutet es, eine bestimmte Stellung oder Position erreicht zu haben. 

Aus meiner Sicht sind die “big five for life“ also v.a. darum spannend, weil die wenigsten von uns Menschen praktisch mit der Erwartung leben, irgendwann einmal zu sterben. Theoretisch wissen wir darum, und ab einem bestimmten Alter kommt vielleicht auch häufiger mal der Gedanke darüber. Aber haben wir bis dato auch tatsächlich unser Leben so gelebt, wie wir wollten?  Oder schauen wir zurück und ärgern uns, dass wir nie dieses oder jenes gewagt haben, zu viel Zeit mit Unnützem verbracht haben usw.?

Strelecky leitet von den “big five for life“ - vielleicht etwas amerika- nisch - das Konzept von Erfolg ab, sprich ich habe mein Leben dann erfolgreich gelebt, wenn ich meine “big five“ sozusagen abgehakt habe. 

Sicher kann man diesen Gedankengang als zu pragmatisch und machbar beiseite schieben; und das Konzept hat definitiv seine Schwächen, allein deshalb, weil das Leben weniger berechenbar ist als ein sonst übliches Projekt, das es zu managen gilt. Dennoch möchte ich persönlich Streleckys Gedanken weiter prozessieren und das Gute rausziehen, und zwar zumindest in zweierlei Hinsicht

1. Selbstverwirklichung vs. Jesus-Nachfolge?

 Bei uns Christen (v.a. im Westen) habe ich oft das Gefühl, dass wir unser Christsein als Lebensversicherung verstehen, die uns ereilt, wenn es zuende geht. Bis dahin leben wir in erster Linie mit Blick auf uns selbst, unsere Familie, unseren guten Job und dergleichen und betätigen uns nebenher vielleicht noch in der Gemeinde, lesen ab und an mal in der Bibel usw. Wo ist aber die echte Jesusnachfolge mit dem Anspruch geblieben, zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit zu streben (vgl. Mt 6,33)? Ich nehme mich da selbst gar nicht raus. Aber wir reden mittlerweile soviel über Berufung, über unsere Stärken und Persönlichkeit, dass wir dabei gern mal unsere allererste Berufung vergessen, nämlich Jesus nachzufolgen. Ich bin mir der schwierigen Spannung bewusst, hier nicht wiederum in altbekannte Dualismen zu verfallen. Denn die Welt ist natürlich auch Gottes Schöpfung, ich will keinesfalls in irgendeinen Asketismus verfallen o.ä. Aber mir jedenfalls fällt es aktuell eher schwerer, nicht auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen und als Christ überhaupt keinen wesentlichen Unterschied mehr zu machen. Und missionale/ kontextuelle/ gesellschaftstransformatorische Theologie liefert mir zwar eine gute und durchaus sinnvolle Rechtfertigung, bestimmte Dinge nicht mehr zu tun, die kulturell einfach suboptimal sind, mich dann aber auch mit einer gewissen Handlungsunfähigkeit zurücklässt. Und da bezeugt mir das Neue Testament einfach ein anderes Bild. Um sich in dieser Unsicherheit immer wieder neu zu fokussieren, kann ein solches Konzept als ein Kompass helfen, um sich immer wieder aufs Wesentliche zu konzentrieren (vorausgesetzt, ich habe das Wesentliche vorher für mich klar definiert).

2. Das Leben als zeitlich abgesteckte Herausforderung und Chance

Egal ob Christ oder Nicht-Christ, die meisten von uns leben nicht vom Ende her mit dem Bewusstsein, dass das irdische Leben irgendwann aufhört. Denn für uns wirkt das in erster Linie bedrohlich; selbst ich, der ich mich “Christ“ schimpfe und eine Hoffnung auf die Ewigkeit besitze, empfinde nicht anders. Und das dürfte seinen Grund darin haben, dass wir dieses Ende eben als negativ verstehen. Aber ist das eigentlich so? Warum muss ich (hier)  ewig leben? Kann es nicht auch sehr attraktiv sein zu wissen, dass ich für eine bestimmte Zeit hier bin, um etwas Sinnvolles aus diesem Leben zu machen? Schon im 2. Brief an Timotheus heißt es von Paulus, er habe den guten Kampf gekämpft und den Lauf vollendet (2 Tim 4,7); und schon Jesus selbst war sich seines klaren und zeitlich angegrenzten Auftrages bewusst. Um diesen Rahmen etwas besser abzustecken, können mir die “big five for life“ helfen, die mir hier gegebene Zeit sinnvoll und v.a. bewusst zu nutzen. Wie gesagt, das Konzept hat seine Grenzen, und letztlich weiß ich nie, wie lange ich noch zu leben habe. Aber ist es nicht eine sehr schöne und reizvolle Vorstellung, an einem Punkt im Leben zurückzublicken und sagen zu können: “Ich habe wirklich das Beste aus meinem Leben gemacht und könnte theoretisch jetzt sterben“? Das muss ja gar nicht der letzte Atemzug sein - wenn nicht, umso besser. Aber zumindest mir, als Aufgaben-orientierte Person, hilft der Gedanke ungemein, mein eigenes Leben auch als Aufgabe zu betrachten, die es anhand meiner abgesteckten Lebensvision möglichst gut zu meistern gilt. Vielleicht stresst das andere Persönlichkeitstypen ungemein; mich jedenfalls ermutigt das eher und gibt mir v.a. eine Perspektive, den Tod und damit das Ende meines irdischen Lebens als viel weniger bedrohlich anzusehen. 

Die Gedanken sind natürlich alle nicht wirklich neu. Die Frage ist nur: Setze ich diese Gedanken tatsächlich um? Stelle ich die entsprechenden Weichen und habe den Mut, der manchmal nötig ist, ganz neue Wege einzuschlagen? Gehe ich dem Job nach, für den ich geschaffen bin, weil ich mich beharrlich damit auseinandergesetzt habe? Oder lebe ich eigentlich nur die paar Stunden nach meiner Arbeit und fange erst dann an, wirklich zu leben? Und habe ich mich auch sonst auf die (für mich) wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben konzentriert oder muss ich bei der Informationen über meinen baldigen Tod feststellen, dass ich jetzt nur noch wirklich wichtige Dinge tun will? 

Und auch ganz selbstkritisch muss ich dann letztlich fragen, ob mir solch ein Buch wie dieses nicht wie der übliche Zeitgeist suggeriert, dass ich noch mehr schaffen muss, obwohl ich eigentlich mehr Zeit mit meiner Familie, mit Freunden usw. verbringen sollte. Ja, diese Gefahr besteht ebenfalls - es sei denn, ich sorge dafür, dass eine der big five auch intensive Beziehungen sind; das hängt ja gerade an mir selbst und meiner Planung :-).

Donnerstag, 21. Juli 2016

Zum Nachdenken: Heschel über Religion und Rassismus



In Zeiten, in denen es (nicht nur) in Amerika drunter und drüber geht, lohnt es sich, mal wieder eine Dosis Heschel ernst zu nehmen - 40 Jahre alte Gedanken, aber brandaktuell:

“At the first conference on religion and race, the main participants were Pharaoh and Moses. […]

The outcome of that summit meeting has not come to an end. Pharaoh is not ready to capitulate. The exodus began, but is far from having been completed. In fact, it was easier for the children of Israel to cross the Red Sea that for a Negro to cross certain university campuses. […]

Religion and race. How can the two be uttered together? To act in the spirit of religion is to unite what lies apart, to remember that humanity as a whole is God’s beloved child. To act in the spirit of race is to sunder, to slash, to dismember the flesh of living humanity. Is this the way to honor a father: to torture his child? How can we hear the word ’race’ and feel no self-reproach? […]

As a standard of values and behavior, race operates as a comprehensive doctrine, as racism. And racism is worse than idolatry. Racism is satanism, unimitigated evil. 

Few of us realize that racism is man’s gravest threat to man, the maximum of hatred for a minimum of reason, the maximum of cruelty for a minimum of thinking.“

- Abraham J. Heschel, Religion and Race (1963), in: Ders., The Insecurity of Freedom. Essays on Human Existence, New York: Farrar, Straus & Giroux 1967, 85f.

Freitag, 10. Juni 2016

Zum Nachdenken: Moltmann und messianischer Lebensstil

“Messianischen Lebensstil kann man nicht ’machen’. Nicht Übung macht hier den Meister, sondern das Leiden und die Hoffnung. Dieser Stil wird vom Geist geschaffen, wo Menschen persönlich und gemeinsam ihr Leben und ihre Lebensgeschichte in der umgreifenden Geschichte Christi entdecken und an der Geschichte Gottes mit der Welt teilnehmen. Die Wiedergeburt des einzelnen und der Gemeinschaft wird dann zum Zeichen und Fragment der kommenden Wiedergeburt der ganzen Schöpfung. Die Gemeinschaft mit dem Gekreuzigten führt in die Gemeinschaft der messianischen Leiden der Welt. die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen führt in den Anbruch der Freiheit der messianischen Zeit. Von der messianischen Geschichte Gottes her beginnt das in Schmerzen wiedergeborene Leben zu leuchten, aber nicht aus eigener Kraft. Seine Fragment und Ansätze werden zu gelebten und erlittenen Wegzeichen der Hoffnung für andere. Wer ernsthaft nach dem ’Sakrament des Geistes’ und seinen Zeichen fragt, wird an diesen Zeichen des gelebten Lebens nicht vorübergehen. In der Lebensgemeinschaft mit dem Messias wird sein Leben selbst zum messianischen Zeichen geprägt werden.“

- Jürgen Moltmann, Kirche in der Kraft des Geistes. Ein Beitrag zur messianischen Ekklesiologie, 2. Aufl. Gütersloh 1989, 314f.

Sonntag, 29. Mai 2016

Zum Nachdenken: Moltmann und die Ghettoisierung der Christenheit

“Kirche erschöpft sich nicht darin, daß Menschen zu ’Kirchgängern’ werden. Sie existiert auch nicht nur im Gottesdienst am Sonntagmorgen. Sie ist in der Weltchristenheit familiär, sozial und politisch präsent, aber nicht als Kirche, sondern als Christenheit, nicht durch den Klerus, sondern durch die fälsch ’Laien’ genannten Christen. Für die gottesdienstlichen und gemeindlichen Versammlungen sind die beauftragten Pfarrerinnen und Pfarrer, Pastorinnen und Pastoren zuständig, in den Fragen der Weltchristenheit aber sind sie die ’Laien’ und die Laien sind die beauftragten Spezialisten. […] 

Statt einer hierarchischen Aufteilung in Klerus und Laien und an Stelle der separatistischen Ghettoisierung der Christenheit in der Kirche sprechen wir von den beiden Lebensbewegungen der Christenheit: ihrer Sammlung zur Gemeinde und ihrer Sendung in ihre Berufe an der Gesellschaft.“

- Jürgen Moltmann, Der Geist des Lebens. Eine ganzheitliche Pneumatologie, Gütersloh 1991, 247.

Freitag, 5. Februar 2016

“Der beste Job der Welt“


“Pfarrerinnen und Pfarrer üben einen faszinierenden Beruf aus. Er ist vielfältig, herausfordernd und immer dicht am Menschen. 26 Frauen und Männer aus unterschiedlichsten Gemeinden berichten in diesem Buch ehrlich und persönlich von ihrer Motivation, dieser besonderen Berufung nachzugehen; von ihrem beruflichen Werdegang sowie über Freuden und Herausforderungen ihres Alltags im Diest für Gott.

Herausgekommen ist dabei ein Ermutigungsbuch - und eine spannende Lektüre für Theologiestudierende und Gemeindemitglieder, aber natürlich auch für Pastoren aller Denominationen.“ 

- Fritz Peyer-Müller (Hg.), Der beste Job der Welt. Theologen, Pfarrer und Pastoren über ihre Berufung. Schwarzenfeld: Neufeld, 2015 (Zitat von der Rückseite)


Mit diesem Zitat ist der Nagel des neuen Bandes der IGW-Edition aus dem Neufeld-Verlag tatsächlich auf den Kopf getroffen. Wer ihn bisher (immer) noch nicht zur Kenntnis genommen hat, sollte dies schnellstens nachholen. Denn es handelt sich tatsächlich um ein Ermutigungsbuch. Die Struktur der persönlichen Stories sind weitestgehend einheitlich gestaltet, aber natürlich ist ihr Inhalt so unterschiedlich, wie Menschen unterschiedlich sind. Beiträge stammen u.a. von Steffen Beck und Leo Bigger (ICF), Martin Bühlmann (Vineyard), Toby Faix (CVJM-Hochschule Kassel), Freimut Haverkamp (Hillsong Germany) und Artur Siegert (Kirche für Oberberg). Und so lege ich jedem dieses Buch ans Herz, der/die

a) Ermutigende Lebenszeugnisse gern liest,
b) Ermutigung darin findet zu sehen, in welch breitem Spektrum Gott von Frömmigkeit aber auch Führungsposition Gott Seine Leute einsetzt,
c) selbst auf der Suche nach der eigenen Berufung ist und ermutigt werden möchte, dass es eben nie den Ideal-Standard-Weg der Berufung gibt, sondern Gott mit jedem/r einzelnen Seine ganz eigene Geschichte schreibt.