Montag, 16. Juni 2014

Sich reproduzierende Netzwerke und Movements - Teil 4 von Dave und Jon Fergusons “Exponential“


Der vierte und letzte Teil von Dave und Jon Fergusons “Exponential“ beschäftigt sich mit reproduzierenden Movements von 10000en und mehr. In Kapitel 12 sind es zunächst die Netzwerke, in Kapitel 13 dann die die Movements selbst, die angesprochen werden. Dennoch wird bereits im 12. Kapitel vorgegriffen, wenn als eine Kerncharakteristik darauf hingewiesen wird, dass das zu multiplizierende Netzwerk oder die Bewegung einen simple Struktur haben müsse, wie am Beispiel der anonymen Alkoholiker und anderen Bewegungen dargelegt wird.

Als “Netzwerk“ wird an dieser Stelle ein Gruppe von Kirchen in einer partnerschaftlichen Beziehung verstanden, die wiederum neue Kirchen hervorbringt. Dabei sind es fünf Merkmale, die alle Partner teilen sollen:

  1. Apostolische Leiterschaft (Die Zukunft klar sehen, neue Dinge starten und “Wahrheit verwalten“ -> nicht nur etwas für Helden, sondern durch das Azubimodell reproduzierbar)
  2. Geteilter Traum
  3. Gemeinsame Ideologie (= fundamentale Glaubensüberzeugungen und Ziele)
  4. Communitas (= gemeinsames Ziel auf Grundlage von Vertrauen)
  5. Rapide Reproduktion

Das 13. und letzte Kapitel von “Exponential“ geht noch einen Schritt weiter in der Makroperspektive und beleuchtet zunächst zwei entscheidende Vorteile eines Movements:

  1. Ein Movement vergrößert den Einfluss auf die umgebende Kultur;
  2. Ein Movement verringert den Widerstand, z.B. im Zuge von Kirchenneugründungen, die von Mal zu Mal früher geschehen kann/wird.

Überhaupt aber, so fordern Dave und Jon den Leser heraus, sei es aus der Dynamik des Movements heraus möglich, die Mission Jesu zu erfüllen, indem ganze Massen von Menschen auf die Führung des Heiligen Geistes achten und zusammen ihrem Auftrag nachgehen würden. Gleichsam ermutigen sie immer wieder dazu, dass es einfacher sei, als man denke. Dafür fassen die beiden nochmals bereits zuvor drei thematisierte Bausteine zusammen, die den Leser mit einem ermutigten Gefühl von “Let's do it!“ zurücklassen:

  1. Eine klare Vision
  2. Rapide Reproduktion

Sonntag, 15. Juni 2014

Der Weg zur Multisite und Gemeindeneugründung: “Exponential“, Kap. 9-11


Im dritten Teil von “Exponential“ thematisieren Dave und Jon sich reproduzierende Gemeinschaften von 100-1000 Leuten. D.h. Konkret geht es um den Aufbau von “Multisites“ bzw. “Venues“ (Kap. 9), sich reproduzierenden Multisites zum Erreichen einer ganzen Region (Kap. 10) und um eigenständige, sich multiplizierende Kirchen (Kap. 11).

Wichtig ist hier zunächst einmal die Unterscheidung zwischen Venue, einem separaten Versammlungsort mit Videoübertragung, und einer Multisite, einem eigenständigen Campus mit vollem Personal. Während die Venue primär das Ziel hat, mehr Leute aufnehmen zu können, bietet die Multisite die Möglichkeit, auch geographisch neuen Raum einzunehmen. Ob man hier tatsächlich das so trennscharf ausein- anderhalten kann, sei dahingestellt; was durch eine Multisite im Gegensatz zur reinen Videoübertragung aber gegeben ist, ist die Tatsache, dass ich nun auch unterschiedliche Gottesdienst-Stile anbieten kann, also einerseits den hippen Gottesdienst, andererseits den Traditionellen usw.

Sieben essentielle Schritte sind es, die Dave und Jon dem Leser zum Gründen einer Multisite ans Herz legen:
  1. Die Suche nach Gottes Aktion, was Er will
  2. Die Vision
  3. Leiter (= Campus Pastor)
  4. Das Team (bezahlte Angestellte)
  5. Finanzen
  6. Das regelmäßige Abgleichen der gemeinsamen Vision aller Multisites
  7. Nicht aufgeben, sondern dran bleiben

Dass Multisite im Gegensatz zu einer kompletten Neugründung am selben Ort strategisch sinnvoller ist, zeigen Dave und Jon im 9. Kapitel auf, wie sie anhand einer Statistik zum Gottesdienstbesuch belegen, zumal die neue Multisite i.d.R. dieselbe Exzellenz aufweisen kann wie die “Mutterkirche“. Noch einmal wird zudem auf die Mög- lichkeit hingewiesen, wie unterschiedlich Multisites sein können und die Gesamtkirche damit viel heterogener wird, was in Zeiten von Multikulti natürlich besonders attraktiv ist. Durch die Multisite hat die Kirche zudem die Möglichkeit, in einem bestimmten Stadtteil/einer Region sehr viel konkreter verwurzelt und dienend eingebunden zu sein, als wenn Kirche nur zentral von überall her die Menschen versammelt.

Neben den zuvor erwähnten sieben Schritten zur Multisite weisen Dave und Jon darauf hin, dass mit zunehmender Komplexität von mehr als drei Multisites ganz neue Probleme lauern, weshalb sie auf acht Fragen aufmerksam machen:

  1. Was genau ist der Traum? Sollen es wirklich mehr als drei Multisites werden? (halte diese Frage zugegebenermaßen für etwas falsch gestellt, denn zumindest ich würde nicht in Dimensionen von Kirchengröße denken, sondern vielmehr bedingt sich das doch durch die Region, die ich erreichen will; dafür sollen die Kirchenstrukturen dienen, nicht umgekehrt).
  2. Was ist absolut essentiell, das auch bei der Multiplikation reproduziert werden muss? Naheliegend ist z.B. der Gottesdienst, Kleingruppen, Kindergottesdienst etc.
  3. Welche Organisationsform wird verfolgt? Hier wird unterschieden zwischen einerseits der Autorität bei den Bereichsleitern unter Einfluss der Campus Pastoren, während es sich ab vier Multisites dreht und die Autorität besser vom jeweiligen Campus Pastor ausgeht.
  4. Sollen die Teachings persönlich, über Video oder beides bereitgestellt werden?
  5. Gibt es ein “Farm System“ für Leiterschaft? Diese Frage zielt auf die Gewinnung und Ausbildung neuer Campus Pastoren ab.
  6. Gibt es einen Plan zur Künstlerentwicklung?
  7. Ist genügend Geld für die Multiplikation vorhanden?
  8. Wird das Abgleichen der gemeinsamen Vision sichergestellt?

Um aber komplett neue Regionen zu erreichen, bedarf es auch Kirchenneugründungen, über die im 11. Kapitel reflektiert wird. Neben o.g. Sieben Schritten, die entsprechend gelten, machen Dave und Jon auf vier Gemeindegründungslektionen aufmerksam:

  1. Man soll möglichst frühzeitig die Vision einer Neugründung innerhalb der gesamten Mutterkirche kommunizieren, damit sich Leute angesprochen fühlen können bzw. überdenken, mit aufzubrechen in das neue Abenteuer. Voraussetzung dafür ist ein visionärer pastoraler Leiter, der eine echte Leidenschaft für die betreffende Stadt hat.
  2. Der Leiter muss vor der Ausendung Teil der Mutterkirche gewesen sein, um die multiplikative Luft zu atmen, die er/sie dann auch in der Neugründung implementiert.
  3. Es macht einen großen Unterschied zwischen einem Team und einem Winning Team.
  4. Es kann sehr hilfreich sein, mit mehreren Partnern eine neue Gemeinde zu gründen.

Damit die Aussendung gut funktioniert, geben Dave und Jon abschließend dem Hauptpastor wie auch dem zukünftigen Gemeindegründer jeweils vier Lektionen mit, zunächst die für den Hauptpastor:

  1. Gehen lassen können! Es gibt nie den passenden Zeitpunkt. Vielmehr während der noch anwesenden Zeit die Skills des Gemeindegründers trainieren und sich hinter seine Vision stellen.
  2. Verfügbar sein.
  3. Sehr regelmäßig die bevorstehende Aussendung feiern.
  4. In Verbindung bleiben.

Die vier Lektionen für den zukünftigen Gemeindegründer lauten:
  1. Frühzeitig über die Vision der Gemeindegründung reden.
  2. Dankbar sein für das Investment, was man vonseiten der Mutterkirche erhält.
  3. Kontinuierlich kommunizieren.
  4. Einen passenden Nachfolger für die frei werdende Stelle identifizieren.

Samstag, 14. Juni 2014

Die Notwendigkeit von Coaches zur Leiterschaftsausbildung - “Exponential“, Kapitel 8

Bevor es zum dritten Teil von “Exponential“ übergeht, thematisieren Dave und Jon Ferguson die Rolle, die Notwendigkeit und die Reproduktion von Coaches (Kapitel 8). Ein Coach soll ihnen zufolge Leiter motivieren, sie heraus- fordern und rechenschaftspflichtig halten, sodass sie in ihren Skills als Leiter wie auch als Nachfolger Jesu wachsen. Neben der funktionalen Komponente betonen die zwei die Relationale, was nichts weiter bedeutet, als dass ein Coach ein guter Freund des zu betreuenden Leiters sein/werden sollte. Wegen dieser intensiven Verbindung empfehlen sie, dass ein Coach maximal fünf Leiter betreuen sollte, um auch in Krisensituationen u.ä. verfügbar zu sein.

Konkret sind es vier Bereiche, die der Coach bei jedem Leiter im Blick haben sollte: 1. Die Beziehungen zu Menschen, 2. Der Umgang mit dem eigenen Körper, 3. neue geistige Herausforderungen, 4. die Beziehung zu Gott. Dave und Jon gehen hier sehr griffig auf Facetten des Menschseins ein, die bei den meisten Leitern gern mal vernachlässigt werden – wie überhaupt die beiden die Rolle des Coaches als wohl am meisten Vernachlässigte empfinden. Neben der Zurüstung und dem Dienst an den Leitern erwähnen sie außerdem das Rekrutieren neuer Leiter als zentrale Aufgabe des Coaches, sodass für die beiden klar ist, dass Kirche niemals eine Ein-Mann-Show sein kann, sondern sich die Aufgaben auf viele Schultern verteilen müssen.

Das Kapitel wird abgerundet durch zahlreiche sehr konkrete Anleitungen, wie man als Coach beispielsweise eine Konversation mit seinem “Schützling“ führt bzw. auch welche Fragen gestellt werden können bzw. sogar sollten (und was tunlichst zu vermeiden ist).

Freitag, 6. Juni 2014

Missionale Teams neben der klassisch-attraktionalen Gemeinde: “Exponential“ von Dave und Jon Ferguson (Kapitel 7)

Kapitel 7 von “Exponential“ konzentriert sich auf sog. “missionale Teams“, sprich Gruppen jenseits der klassischen Kirche bzw. klassischen Sonntags-Gottes- dienstes; beispielhaft wird zunächst die Story von Shawn erzählt, der statt des Sonntags-Gottesdienstes mit einer immer größer werdenden Gruppe Wasserski fährt und nach und nach sehr subtil christliche Rituale einbaut wie beispiels- weise ein kurzes Gebet vor Beginn, ein kurzer Austausch von persönlichen Problemen und vielleicht noch ein Bibelvers bis dahin, aber auch ganz klassisches gemeinsames Frühstück usw. Noch substantieller ist der Aufwand von Kirsten, die mit ihrer Familie aus dem gutbürgerlichen Vorort in einen sozialen Brennpunkt zieht und dort soziale Aktivitäten und Netzwerke aufbaut, gleichzeitig aber mit ihrer Mutterkirche in Verbindung bleibt.

Hintergrund dieser missionalen Teams ist die Tatsache, dass es eine immer größer werdende Gruppe von Menschen gibt, die keinen Fuß in eine Kirche setzen würden, wie hip auch immer diese sein mag. Statt dessen bewegt man sich als missionales Team (oder Indiviuum) zu den Menschen hin, ganz so, wie Jesus unter den Menschen gelebt hat (freilich steckt dahinter auch das Theologumenon der missio Dei, worüber man hier mehr lesen kann). In Reminiszenz zu Kapitel 6 sprechen Dave und Jon Ferguson von “3C-Gruppen“, die also genau- so wie Hauskreise aus Gottesbegegnung (“celebrate“), Gemeinschaft (“connect“) und praktizierter Nächstenliebe (“contribute“) bestehen bzw. sich dorthin entwickeln.

Im Unterschied zu klassischen Hauskreisen existiert solch eine 3C- Gruppe aber von vornherein zu einem festgelegten Zweck, entweder für eine “massenkompatible“ Tätigkeit wie Wasserski Fahren oder für einen Dienst. So oder so ist aber im nächsten Schritt das Ziel, mit der nach und nach wachsenden Gruppe aus Christen und Nicht-Christen den jeweils anderen Part abzudecken, sprich bei einer gemeinsamen (Fun-) Aktivität auch anderen zu dienen, bei einer Dienst-orientierten Gruppen mit den Menschen in Beziehung zu kommen, denen man dient. In der dritten Phase spielt auch das dritte C (“celebrate“) eine Rolle, also die Beziehung zu Gott, in die beispielsweise durch ein kurzes Gebet oder einen Bibelvers eingeführt werden kann, wie oben gesehen.

Um auch den 3C-Teams das Gen der Multiplikation wiederum zu verinnerlichen, nennen Dave und Jon sieben für sie wichtige Punkte:
1. Glaube, dass der Missions-/Sendungsauftrag Jesu (nach Apg 1,8) tatsächlich erfüllt werden kann;
2. Jeder einzelne Christ soll dazu ordiniert werden, eine Kirche zu gründen;
3. Leute sollen unterrichtet werden, zu gehen statt nur Leute einzuladen;
4. Das konkrete Evangelium für eine bestimmte Gruppe priorisieren und konkret Kirche erst im zweiten Schritt zu denken;
5. 3C-Teams müssen immerzu die Sendung im Blick behalten (“apostolisch“) und dabei unter den Menschen leben (“inkarnatorisch“);
6. Coaching und Training für missionale Gruppen;
7. Sich mit Chaos und Versagen anfreunden.

Mich persönlich hat zunächst einmal Punkt 2 angesprochen, dass man jeden einzelnen Christen als Missionar bzw. Kirchengründer einsegnen bzw. ordinieren soll. Normalerweise wird dieses Privileg einer kleinen Gruppe “zugemutet“, die dann vollzeitlich dient; aber tatsächlich ist doch jeder von uns Christen als Nachfolger Jesu in irgendeiner Form Missionar. Für manche kann dieses Procedere eine regelrechte Freisetzung bedeuten. Tatsächlich kann die Mission natürlich am Arbeitsplatz oder dem sonstigen Umfeld passieren, während hier aber auch - und dem pflichte ich bei - daran gedacht ist, dass prinzipiell jeder solch eine Gruppe starten kann; und schließlich muss man das ja auch nicht einmal allein tun, sondern kann sich passende Mitstreiter dafür suchen.

Neben dem grundsätzlichen Sendungsgedanken und dem inkarnierten Leben unter Menschen, die ich normalerweise nicht über eine klassische Kirche erreichen würde, möchte ich außerdem dem letzten Punkt nochmals Gewicht verleihen: Mein Eindruck ist, dass wir i.d.R. viel zu lange mit Aktionen warten, die jenseits unserer Kirchenmauern passieren, als ob dafür keine Ressourcen zu Verfügung stünden (in Wirklichkeit haben wir meistens Angst, dass uns Leute für unseren Sonntags-Gottesdienst verloren gehen, entweder als Publikum oder als Mitarbeiter). Denn was kann wirklich Schlimmes passieren, sofern man die Leute zu Verantwortungsbewusstsein erzieht, mit ihnen die Sache durchspricht und ihnen jemanden als Coach zur Seite stellt? Und schließlich wollen sicher nicht alle auf einmal gehen.

Dieses Kapitel ist für mich deshalb auch eins der Herzstücke des ganzen Buches, weil es endlich ein Modell schafft,das den Graben zwischen klassischer Kirche und organisch-missionalem Leben miteinander überwindet. Voraussetzung dafür ist, dass alle Gruppen und Veranstaltungen als gleichwertig betrachtet werden. So ist es für mich persönlich genauso Nachfolge, wenn jemand passioniert seinen Beruf ausübt, in dem er/sie vielleicht sogar noch Menschen dient, und sonntags “nur“ zum Gottesdienst kommt (evtl. noch einen Hauskreis hat), während jemand anderes seinen/ihren Sonntag und vielleicht sogar noch Zeit unter der Woche für eine Gruppe investiert, die wiederum den Dienst an anderen im Fokus hat. Solange die Vision der Gemeinde breit genug ist und man dementsprechend quasi nicht gegeneinander arbeitet, habe ich keinerlei Bedenken, sondern sehe vielmehr ein riesiges Potenzial, das mehr und mehr ausgeschöpft werden sollte.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Zum Nachdenken: Dietrich Bonhoeffer über Neuschöpfung und Leiblichkeit

“Die Auferstehung Jesu Christi ist Gottes Ja zur Kreatur. Nicht Zerstörung, sondern Neuschöpfung der Leiblichkeit geschieht hier. Der Leib Jesu geht aus dem Grabe hervor, und das Grab ist leer. Wie es möglich, wie es zu denken ist, daß der sterbliche und verwesliche Leib nun als der unsterbliche, unverwesliche, verklärte Leib da ist, bleibt uns verschlossen. Nichts vielleicht wird durch die Verschiedenar- tigkeit der Berichte über die Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern so deutlich, wie dies, daß wir uns über die neue Leiblichkeit des Auferstandenen keine Vorstellung zu machen vermögen. Wir wissen, es ist derselbe Leib - denn das Grab ist leer; und es ist ein neuer Leib - denn das Grab ist leer. Wir wissen, Gott hat die erste Schöpfung gerichtet, und er hat eine neue Schöpfung in der Gleichheit der ersten geschaffen. Nicht eine Christusidee lebt fort, sondern der leibliche Christus. Das ist Gottes Ja zur neuen Kreatur mitten in der alten. In der Aufersteh- ung erkennen wir, daß Gott die Erde nicht preisgegeben, sondern sich zurückerobert hat. Er hat ihr eine neue Zukunft, eine neue Verheißung gegeben. Dieselbe Erde, die Gott schuf, trug den Sohn Gottes und sein Kreuz, und auf dieser Erde erschien der Auferstan- dene den Seinen, und zu dieser Erde wird Christus am letzten Tage wiederkommen. Wer die Auferstehung Christi gläubig bejaht, der kann nicht mehr weltflüchtig werden, er kann aber auch nicht mehr der Schöpfung verfallen, denn er hat mitten in der alten Schöpfung die neue Schöpfung Gottes erkannt.

- Dietrich Bonhoeffer, Betrachtung zu Ostern: Auferstehung, in: Ders., DBW 16: Konspiration und Haft (1940-1945), Gütersloh 1996, S.472f.

Dienstag, 3. Juni 2014

Hauskreise und Multiplikation: Kapitel 6 von Dave und Jon Fergusons “Exponential“

Nachdem Dave und Jon Ferguson in den ersten fünf Kapiteln die Grundlage ihres multiplikativen Verständnisses von missionalem “Gemeindebewegungsbau“ dargelegt haben, das sich vornehmlich auf der individuellen Ebene von Leiterschaft und Künstlern bewegt hat, folgt im zweiten Teil des Buches “Exponential“ der Schritt hin zu Gruppen zwischen 10 und 100 Menschen.

Kapitel 6 reflektiert deshalb die in fast allen Kirchen mittlerweile populären Hauskreise. Zunächst einmal geht es anhand von drei Werten um ihren grundsätzlichen Sinn:
1. “Vernetzung der Unvernetzten“: Sowohl anhand der Paradies-Erzählung als auch später, zunächst mit  dem strukturierten Richter-System Moses (inspiriert durch seinen Schwiegervater Jitro; vgl. Ex 18) und dann mit Jesus, belegen Dave und Jon die Wichtigkeit von Kleingruppen; Kirche hat deshalb auch als Ziel “the mission of connecting the unconnected“ zu erfüllen, weil in ihr die Beziehung zu Gott und zum Nächsten zentral sind.
2. Entwicklung von “3C“-Nachfolgern: Um spirituell zur wachsen bzw. die Beziehung zu Jesus zu vertiefen, sind laut Dave und Jon drei Ebenen nötig: a) Gott-Ich (“Celebrate“), b) Kirche-Ich (“Connect“) und c) Welt-Ich (“Contribute“); während b) i.d.R. anfänglich dominant im Leben jedes neuen Christen ist, sollen a) und c) nach und nach wachsen, sprich letztlich jeweils etwa 1/3 ausmachen (wenn man das mathematisch so sagen kann); dies spiegelt dann auch die Dynamik einer entsprechenden Gruppe von “3C“-Nachfolgern wider.
3. Reproduktion von Gruppen und Leitern: Wenn lebendige Organismen gesund sind, reproduzieren sie sich, so Dave und Jon; die beiden gehen somit davon aus, dass Hauskreise in einer bestimmten Konstellation gerade nicht auf Dauer angelegt sind, sondern zwar Nachfolger und Leiter fördern sollen, sich aber nach einer bestimmten Zeit (anscheinend nicht länger als ein Jahr oder so) wieder multiplizieren.

Aus vier Gründen halten Dave und Jon die Kleingruppe dabei auch für den geeignetesten Rahmen, um Leiterschaft zu fördern:
1. Ein großartiger Plaz, um Leiterschafts-Risiken einzugehen: Selbst wenn ein (angehender) Leiter mal Fehler macht, ist die Gruppe überschaubar und kann sogar ggf. dies abfedern.
2. Ein großartiger Platz für ehrliches Feedback: In solch einer kleinen Gruppe kann der Leiter sicherstellen, dass er Feedback bekommt, zumal sämtliche Prozesse überschaubar bleiben.
3. Ein großartiger Platz, um “Kirche zu bekommen“: Es geht in kirchlicher Leiterschaft nicht um Positionen oder Titel, sondern Einfluss und Dienst; als Mikrokosmos von Kirche kreiert der Hauskreis damit genau jenes nötige Umfeld für Kirche.
4. Ein großartiges Modell für die Reproduktion von Campi: Reproduktion von Kleingruppen hat große Ähnlichkeit zur Errichtung eines neuen Kirchencampus.

Abschließend räumen Dave und Jon noch mit einigen Vorurteilen auf, als ob das Geschlecht, die soziale Klasse, Bildung oder Geistesgaben entscheidende Faktoren für die Leitungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung wären. Mit Verweis auf Joel Comiskey‘s “Home Cell Group Explosion“ betonen die beiden nämlich vielmehr das Gebetsleben des Leiters, seine/ihre gesetzen Ziele zur Multiplikation, effektives Training, das evangelistische Bemühen der Gruppe und den Fun-Faktor, also die Treffen der Gruppen jenseits des klassischen Hauskreises. Ob tatsächlich weder die Begabung zur Leiterschaft (ist ja eine Geistesgabe laut Paulus; vgl. Röm 12) noch die (theologische) Bildung eine Rolle spielen, wage ich zu bezweifeln; nicht umsonst sind es genau die Punkte, die ich zuvor bereits an Dave‘s und Jon‘s Ausführungen kritisiert habe. Alles in allem halte ich den Nutzen von Hauskreisen aber für unbezweifelbar und habe ähnliche Erfahrungen selbst gemacht.