Dienstag, 3. Juni 2014

Hauskreise und Multiplikation: Kapitel 6 von Dave und Jon Fergusons “Exponential“

Nachdem Dave und Jon Ferguson in den ersten fünf Kapiteln die Grundlage ihres multiplikativen Verständnisses von missionalem “Gemeindebewegungsbau“ dargelegt haben, das sich vornehmlich auf der individuellen Ebene von Leiterschaft und Künstlern bewegt hat, folgt im zweiten Teil des Buches “Exponential“ der Schritt hin zu Gruppen zwischen 10 und 100 Menschen.

Kapitel 6 reflektiert deshalb die in fast allen Kirchen mittlerweile populären Hauskreise. Zunächst einmal geht es anhand von drei Werten um ihren grundsätzlichen Sinn:
1. “Vernetzung der Unvernetzten“: Sowohl anhand der Paradies-Erzählung als auch später, zunächst mit  dem strukturierten Richter-System Moses (inspiriert durch seinen Schwiegervater Jitro; vgl. Ex 18) und dann mit Jesus, belegen Dave und Jon die Wichtigkeit von Kleingruppen; Kirche hat deshalb auch als Ziel “the mission of connecting the unconnected“ zu erfüllen, weil in ihr die Beziehung zu Gott und zum Nächsten zentral sind.
2. Entwicklung von “3C“-Nachfolgern: Um spirituell zur wachsen bzw. die Beziehung zu Jesus zu vertiefen, sind laut Dave und Jon drei Ebenen nötig: a) Gott-Ich (“Celebrate“), b) Kirche-Ich (“Connect“) und c) Welt-Ich (“Contribute“); während b) i.d.R. anfänglich dominant im Leben jedes neuen Christen ist, sollen a) und c) nach und nach wachsen, sprich letztlich jeweils etwa 1/3 ausmachen (wenn man das mathematisch so sagen kann); dies spiegelt dann auch die Dynamik einer entsprechenden Gruppe von “3C“-Nachfolgern wider.
3. Reproduktion von Gruppen und Leitern: Wenn lebendige Organismen gesund sind, reproduzieren sie sich, so Dave und Jon; die beiden gehen somit davon aus, dass Hauskreise in einer bestimmten Konstellation gerade nicht auf Dauer angelegt sind, sondern zwar Nachfolger und Leiter fördern sollen, sich aber nach einer bestimmten Zeit (anscheinend nicht länger als ein Jahr oder so) wieder multiplizieren.

Aus vier Gründen halten Dave und Jon die Kleingruppe dabei auch für den geeignetesten Rahmen, um Leiterschaft zu fördern:
1. Ein großartiger Plaz, um Leiterschafts-Risiken einzugehen: Selbst wenn ein (angehender) Leiter mal Fehler macht, ist die Gruppe überschaubar und kann sogar ggf. dies abfedern.
2. Ein großartiger Platz für ehrliches Feedback: In solch einer kleinen Gruppe kann der Leiter sicherstellen, dass er Feedback bekommt, zumal sämtliche Prozesse überschaubar bleiben.
3. Ein großartiger Platz, um “Kirche zu bekommen“: Es geht in kirchlicher Leiterschaft nicht um Positionen oder Titel, sondern Einfluss und Dienst; als Mikrokosmos von Kirche kreiert der Hauskreis damit genau jenes nötige Umfeld für Kirche.
4. Ein großartiges Modell für die Reproduktion von Campi: Reproduktion von Kleingruppen hat große Ähnlichkeit zur Errichtung eines neuen Kirchencampus.

Abschließend räumen Dave und Jon noch mit einigen Vorurteilen auf, als ob das Geschlecht, die soziale Klasse, Bildung oder Geistesgaben entscheidende Faktoren für die Leitungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung wären. Mit Verweis auf Joel Comiskey‘s “Home Cell Group Explosion“ betonen die beiden nämlich vielmehr das Gebetsleben des Leiters, seine/ihre gesetzen Ziele zur Multiplikation, effektives Training, das evangelistische Bemühen der Gruppe und den Fun-Faktor, also die Treffen der Gruppen jenseits des klassischen Hauskreises. Ob tatsächlich weder die Begabung zur Leiterschaft (ist ja eine Geistesgabe laut Paulus; vgl. Röm 12) noch die (theologische) Bildung eine Rolle spielen, wage ich zu bezweifeln; nicht umsonst sind es genau die Punkte, die ich zuvor bereits an Dave‘s und Jon‘s Ausführungen kritisiert habe. Alles in allem halte ich den Nutzen von Hauskreisen aber für unbezweifelbar und habe ähnliche Erfahrungen selbst gemacht.

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