Mittwoch, 26. November 2014

Glaubensherausforderung und eine neue Generation von Leiterschaft - ein kurzer Rückblick auf den Inspirationstag “Kirche.neu“

 Komme gerade zurück vom Inspirationstag “Kirche.neu“ unter der Leitung von verschiedenen Netzwerken wie “Konsultation für Gemeindegründung in Deutschland“, “Inno“ oder auch “Emergent Deutschland“. Wow, bin jetzt noch geflasht, ehrlich gesagt.

Wie bereits erwähnt, fand dieser Tag unter dem Zusammenschluss mehrerer Netzwerke statt, was für mich persönlich ein erstes sehr gutes Signal war; die Gemeinsamkeiten standen im Vordergrund. Dementsprechend waren auch gut 130 Leiterinnen und Leiter aus unterschiedlichsten Kirchen und Werken zusammen, die allesamt eine Frage beschäftigte: Wie muss sich Kirche in Deutschland verändern, damit sie überleben kann? Mit meiner Präsenz und einem kleinen IGW-Stand konnte ich mich hoffentlich ein wenig in die Diskussion einbringen.

Als Inspirator (und produktiver Kritiker) wurde Pastor Oskar Murio von der Nairobi Chapel eingeladen, der uns anhand von fünf Bildern, die er über die Kirche in Deutschland hat(te), mächtig aufrüttelte. Ohne die Bilder im einzelnen wiederzugeben, waren es meines Eindrucks nach letztlich zwei große Probleme bzw. Herausforderungen: Einerseits fehlen laut Murio die charismatischen Leiter in unserem Land, besonders infolge des Zweiten Weltkrieges. Andererseits verwies er immer wieder auf unsere Ingenieurskunst, die aber unsere Kirchen (wie auch das persönlich-spirituelle Leben) in den Bereich der Machbarkeit verfrachte, weil die Kontrolle immer dominiere, während das Gottvertrauen oftmals gar nicht erforderlich sei. In alledem ging es natürlich immer wieder auch um kulturtransfer-spezifische Fragestellungen.

Die wohl steilste und herausforderndste These des ganzen Tages lautet dann von Murio, dass man eine zukünftige, wirklich gut ausgebildete Leiterschaft nicht in Deutschland ausbilden könne. Dies begründete er mit der bestehenden, resistenten Kultur, die aufstrebende Leiter innerhalb weniger Jahre in den Sog der Resistenz ziehe, sodass längerfristig keine Veränderung möglich sei.

Als Murio dann anschließend von seiner Leiterschaftsausbildung sprach, durfte ich immerhin etwas beruhigt feststellen, dass sich doch gut 80% von dem, was seine Schützlinge durchlaufen, mit dem deckt, was wir bei IGW machen: Kontinuierlicher Praxisbezug, Charakter- und Persönlichkeitsentwicklung, theologische Bildung im Kontext der Kirche usw. Wirklich interessant war dabei seine Forderung, als Leiter mindestens ein Jahr im Ausland gewesen zu sein, um bi-kulturell leben zu können und damit gewappnet zu sein für andere kulturelle Kontexte.

Um unser Gottvertrauen zu trainieren, trug er uns abschließend eine konkrete Aufgabe auf. Und zwar soll jeder von uns über zehn Sachen im Zusammenhang seines Werkes/seiner Kirche visionieren, die man selbst nicht vollbringen kann, sondern wofür man dezidiert Gottes Hilfe braucht. Nun, ich habe mir diese Dinge noch nicht konkret überlegt oder mich entsprechend inspirieren lassen. Unabhängig davon hatte ich aber bereits im Vorfeld eine Zahl an Studenten fürs kommende erste Studienjahr von IGW Frankfurt im Kopf, die eigentlich absolut utopisch ist, für die ich aber seit längerer Zeit immer wieder bete; da bleibe ich in jedem Fall dran, und hinzukommen werden noch mindestens noch weitere Visionen, die ich selbst nicht machen kann.

Sicher werde ich mich in nächster Zeit an diese Aufgabe zum Gottvertrauen heranwagen, aber ich will Dich ebenso mit hineinnehmen in diese doppelte Herausforderung, Mit viel Gottesvertrauen eine neue Generation von Leitern mit Verantwortung für Kirche und Gesellschaft hervorzubringen. Wenn Du selbst Pastor oder sonstiger Leiter in einer Kirche bist, überleg mal persönlich für Dich selbst, wie viele Nachwuchskräfte Du innerhalb Deiner Kirche oder Deinem Umfeld finden möchtest in einer begrenzten Zeit; vielleicht fällt Dir eigentlich überhaupt niemand an, was wäre dann eine für Dich unrealistische Zahl? Und wenn Dir welche einfallen, helfe ich Dir mit IGW gern bei der Ausbildung dieser Leute, aber begnüge Dich damit nicht; denn am besten nimmst Du eine Zahl vor, die wirklich völlig utopisch ist, bei der Gott also auf jeden Fall eingreifen und mithelfen muss. Und wenn Du umgekehrt mit der Frage ringst, ob Du ein Leiter bist und Dich ggf. leiterschaftlich-theologisch ausbilden lassen willst, nimm bsp. diesen ganzen Berg an finanziellen Herausforderungen als Chance, Gottvertrauen zu erlernen. Wir von IGW können Dir mit einem gewissen Maß an Flexibilität entgegenkommen, um nebenher jobben zu ermöglichen u.ä.; nichtsdestotrotz möchte ich Dich aber ermutigen, auf Gott zu vertrauen, dass er Dich versorgt, z.B. durch Spenden. Denn da fängt der eigentliche Wachstumsprozess an Jüngerschaft an, der Dich freisetzt, noch mehr auf Gott zu vertrauen.

Ich hoffe, ich konnte Dich als Leser mit hineinnehmen in den Tag und die dort thematisierten Herausforderungen. Gespannt bin ich selbst ,was ich daraus noch machen werde - bzw. natürlich Gott v.a. - und wie sich das Ganze weiterentwickelt, damit der Tag nicht bloß ein nettes Event war. Lassen wir uns überraschen.

Sonntag, 16. November 2014

Woher kommt unser theologisch-pastoraler Nachwuchs? Ein Appell an die Pastoren im Land

Immer wieder beschäftigt mich das Thema der Nachwuchsförderung in unseren Kirchen, nicht zuletzt durch meine neue Herausforderung als Studienleiter für IGW hier in Frankfurt. Natürlich ist das unser täglich Brot von IGW, dass wir Studenten haben, die wir ausbilden können - wie sämtliche andere theologischen Ausbildungsstätten auch; wir existieren sozusagen in direkter Abhängigkeit von unseren Studenten, ohne die wir überflüssig werden.

Aber diese direkte Abhängigkeit kann natürlich nirgends ein Ende in sich selbst sein, d.h. wir dürfen uns emotional und v.a. geistlich nicht abhängig machen von den Studenten und uns förmlich daran klammern, möglichst viele Leute zu uns zu ziehen. Die Motivation kann und darf nur die sein, dass wir Leute fördern wollen, damit sie - theologisch gesprochen - Gottes Reich bauen bzw. sich als Seine Werkzeuge benutzen lassen und um ihrer selbst willen als Menschen; wir als Ausbildungsstätten stehen somit im zweifachen Dienst Gottes: Am größeren, globalen Ziel, Sein Reich und Seine Güte in der Welt zu unterstützen, wie auch am einzelnen uns anvertrauten Menschen, ihn/sie zur Entfaltung zu bringen. Jede egoistische Perspektive wäre kontraproduktiv. Das ist bspw. der Grund, weshalb wir von IGW mitten in unserer Instituts- und Studienreform (ISR 2015) sind, anstatt staatliche Anerkennung zu priorisieren (nicht, dass wir da grund- sätzlich gegen wären, aber alles hat seinen Preis) - um die Studenten für ihren Dienst als zukünftige Pastoren, Theologen, Gemeinde- gründer und sonstige Leiter noch besser zuzurüsten; und andere Ausbildungsstätten tun dies ebenfalls auf ihre Art und Weise.

Ich positioniere mich damit klar zugunsten eines theologisch-grundständigen Studiums/Ausbildung. Auch wenn ich absolut dafür zu haben bin, dass wir gute Leute in säkularen Berufen brauchen, damit sie dort Gesellschaft prägen und besser machen können, ist aus meiner Sicht eine gewisse Gruppe von Leuten nötig, die theo- logisch, pastoral und/oder pioniermäßig vorangehen und v.a. vordenken. Das muss sich natürlich nicht ausschließen, aber um wichtige Erkenntnisse zu entwickeln, braucht es manchmal Zeit und Freiraum, den man im alltäglichen Stress oft nicht findet. Von daher halte ich auch die Rolle des klassischen Pastors nicht grundsätzlich für überholt, der z.B. einer Gruppe von Menschen eine Einsicht in das historische Setting der Bibel geben kann, wodurch bspw. fundamen- talistische Ausprägungen unterbunden werden können.

Nun stellt sich aber für mich die entscheidende Frage, wie man überhaupt diesen theologisch-pastoralen Nachwuchs findet. Denn das ist eine meiner ganz praktischen Herausforderungen als Studien- leiter. Also, wie kommen die Leute zu uns (oder zu anderen)? Es mag hier sicherlich unterschiedliche Ansätze und Wege geben, und jede Ausbildungsstätte versteht dies auch anders.

Ich für meinen Teil jedenfalls bin davon überzeugt, dass wenn es darum geht, theologisch-pastoralen Nachwuchs zu finden und zu fördern, spielen nach wie vor die Pastoren und sonstigen Leiter in unserem Lande eine entscheidende Rolle. Es ist richtig, dass sich im Zeitalter der Selbstbestimmung Teenies eigenständig mit ihrer Zukunft und den Ausbildungs- und Studienformaten auseinander- setzen wollen - und das sollen sie auch. Aber gleichzeitig herrscht eine Orientierungslosigkeit, gerade weil die Erfahrenen in unserem Land sich oftmals aus ihrer Verantwortung zurückgezogen haben (sicherlich auch Zeitgeist-bedingt aufgrund eines falsch propagierten Freiheitsverständnisses).

Wir, die wir schon unseren Platz in Familie, Kirche und Gesellschaft gefunden haben, sollten endlich wieder mehr und mehr geistliche Vater- und Mutterschaft vorleben; Mentoring und Talentscouting spielt hier also eine entscheidende Rolle, was zum Lifestyle von jedem von uns werden sollte. Und gerade dann, wenn wir uns in einer pastoralen Leitungsfunktion befinden, muss es in unserer DNA liegen, die Augen offen zu haben für den Nachwuchs. Dies finde ich bei Paulus und Timotheus, bei Elia und Elischa und nicht zuletzt natürlich bei Jesus selbst, der sich seine zwölf Jünger eigens auswählt, mit ihnen sein Leben teilt und sie in ihre spätere Bestimmung führt; und nur so funktioniert multiplikatives Wachstum, wie es bspw. von Jon und Dave Ferguson in “Exponential“ vermittelt wird.

Ich frage deshalb ganz persönlich Dich, der Du das als Pastor oder sonstiger Leiter hier liest: Wo gibt es Menschen um Dich herum, die in Deine Fußstapfen treten können, Deine rechte Hand werden oder unter Deiner Obhut etwas Neues starten? Es liegt an Dir (wie auch an mir), die nächste Generation zu prägen und zu fördern und diejenigen zu finden, die dazu berufen sind/sein können, um Dir in Deiner Berufung nachzufolgen. Wir von IGW können Dir und Euch dabei helfen, den eigenen Nachwuchs auszubilden und sofort in dem Bereich einzusetzen, wo die jeweiligen Stärken sind; das ist die Stärke unseres dualen Konzeptes. Dieses Prinzip der Mentorenschaft funktioniert übrigens auch bei jedem anderen Berufsbereich, auch wenn dies an dieser Stelle nicht mein Fokus ist/war.

Wenn Du Fragen und Ideen hast, wende Dich gern direkt an mich. Z.B. bei einem Kaffee können wir uns ausführlicher darüber unter- halten bzw. ich komme auch gern in Deiner Gemeinde vorbei und stelle unser Konzept und die dahinterliegenden Gedanken vor, sofern dies noch im Einzugsbereich von Frankfurt liegt (wobei wir auch Studiencenter in Essen, Braunschweig und überall in der Schweiz haben; ggf. kommt jemand anderes vorbei). Über ein äquivalentes Fernstudium können sogar weiter entfernte Distanzen überbrückt werden, wenn Du als Ansprechpartner und Mentor vor Ort aktiv bist; ich unterstütze Dich dabei gern wie jeder andere von uns bei IGW, und ebenso tun dies sicherlich die entsprechenden Leute der anderen Ausbildungsstätten. Zögere nicht, sondern fang heute an, Dir Gedanken zu machen und die Augen offen zu halten! Danke.

Montag, 3. November 2014

Missionale Kirche: Neues Video von Fresh X

Ein neues Video (Zumindest für mich bisher unbekannt) hat die Fresh X - Bewegung herausgebracht, die ziemlich gut und lustig missionales Denken und v.a. Handeln darstellt. Sehr selbst: