Freitag, 17. Februar 2017

IGW nun auch offiziell Teil von Fresh X

Anfang Februar war es soweit: Der Trägerverein “Fresh X Netzwerk e.V.“ wurde gegründet, um dem bereits seit längerem bestehenden Netzwerk der deutschsprachigen Fresh X Bewegung ein eigenständiges, offiziell-organisatorisches Fundament zu bieten. Da IGW als Ausbildungsstätte für missionale Leiter eins von 23 Gründungsmitgliedern dieses Vereins ist, durfte ich als Vertreter ebenfalls vor Ort sein:





Aber was ist Fresh X eigentlich? Dieses Video bringt es gut auf den Punkt: 




Im Kern geht es dabei also um nichts anderes als neue Ausdrucksformen von Kirche, eben fresh expressions of church. Wie dies bei IGW auch ausführlich und immer wieder mit den Studenten thematisiert wird, sollen diese neuen Ausdrucksformen von Kirche missional und kontextuell sein, d.h. bei den Menschen vor Ort und an ihre Lebenswelt angepasst sein. Dadurch soll Lebensveränderung möglich werden, die zu neuer Gemeinde führt. Für nichts anderes lebt ja IGW, nämlich Verantwortungsträger und Pioniere dafür auszubilden, die genau diese Dinge initiieren. Darum passen IGW und Fresh X auch so gut zusammen.

Kompakte Informationen findet man außerdem direkt auf der Website der deutschen Fresh X Bewegung.

Zur vertieften Auseinandersetzung empfehle ich darüber hinaus den brandneuen Fresh X-Guide


In einem sehr anschaulichen Format, und zwar ganz im Stile eines Reiseführers, erfährt man so ziemlich alles zur deutschen Fresh X - Bewegung, von ihren Ursprüngen her, ihrer theologischen Prägung und v.a. massenhaft Praxisbeispiele aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Der Fresh X Guide liefert somit ein sehr gutes Zeugnis darüber, was im deutschsprachigen Raum schon an innovativen Projekten läuft - also sehr zu empfehlen, zumal des schlanken Preises von 14,95 €.

Aber was unterscheidet Fresh X nun von dem sonstigen missionalen Zeug (wie die Zusammenarbeit mit Gemeindegründungen usw.), was ja bei IGW sowieso schon läuft? Wofür diese neue Kooperation? Der Grund ist in meinen Augen relativ schlicht: Während IGW bislang v.a. in freikirchlichen Gefilden unterwegs gewesen ist und dort innovative Impulse setzen konnte, ist die Fresh X Bewegung stärker mit der landeskirchlichen Landschaft verbunden; das hat seinen Grund v.a. darin, dass die fresh expressions of church ihren Ursprung bei den Anglikanern haben, also der britischen Staatskirche.

Unsere Hoffnung ist, Netzwerke, Ressourcen und Know-How zu bündeln, um zukünftig noch effektiver missionale Leiter zu finden und auszubilden, die dann neue Fresh Xs initiieren oder verstärken können. Denn von nichts anderem träumen wir alle, dass lebendige, zeitgemäßige Kirche fürs 21. Jahrhundert entsteht, durch die Menschen von Gott berührt und wiederhergestellt werden, die dies dann weitergeben.  

Auf eine gute Zusammenarbeit und für Seine Kirche!

Montag, 9. Januar 2017

Braucht die Kirche “Unternehmer“? Stefan Vatter bietet eine ausführliche Antwort

Wie sähe die (heutige) Kirche ohne Typen wie Petrus, Paulus oder Johannes aus? Würde es die Kirche überhaupt geben? Was würde passieren, wenn solche Typen in unserer Zeit konsequent(er) die Kirche neu beleben würden? Und wie könnte man sie strategisch einsetzen und was genau würden diese Typen - apostolisch begabte Menschen - eigentlich genau tun, wenn man sie identifizieren könnte?

Diesen wichtigen, ja geradezu entscheidenden, Fragen geht Stefan Vatter in seinem Buch “Finden, fördern, freisetzen“ auf den Grund, das mittlerweile in erweiterter, zweiter Auflage im Neufeld-Verlag erschienen ist. Dem Untertitel gemäß geht es Vatter dabei um die Wiederentdeckung des apostolischen Dienstes, mit dem er sich durch gerade genannte Attribute des Findens, Förderns und Freisetzens eine wirksame(re) Führung innerhalb der Kirche erhofft. 

Denn Vatter (mittlerweile international in Gemeinden, Organisationen und Unternehmen beratend tätig) nimmt den Leser zunächst mit hinein in die Problemsituation der Kirche, die er durch “eine neue Kultur der Leiterschaft“ (19) “[a]us den Nebenbänken in die Sonne treten“ (15) lassen will. Diese neue Leiterschaft hängt mit ebenjener Wiederentdeckung des apostolischen Dienstes zusammen, den er aber nicht (ausschließlich) mit charismatischen oder besonders übernatürlich begabten Persönlichkeiten in Verbindung bringt.

Vielmehr wird der Einfluss missionaler Theologie von den ersten Seiten an deutlich. Ausgehend vom historischen Begriff des “Apostels“ als Mischung aus Flottenkommandant, Bote Gottes und bevollmächtigtem Gesandten, entfaltet Vatter im ersten Kapitel eine apostolische Trinität, die maßgeblich durch die missio dei geprägt ist, von wo aus verschiedene Apostelpersönlichkeiten im Neuen Testament wie auch der Kirchengeschichte nachgezeichnet werden. Dabei lässt Vatter den Leser nicht im Unklaren darüber, dass er davon überzeugt ist, dass Apostel als Pioniere der Kirchen alles andere als ausgestorben sind, ohne sie eben schlicht mit charismatischen Persönlichkeiten oder exzeptionistischer Begabung gleichzusetzen.

Zwar ist für Vatter der apostolisch begabte Christ mit einem “Pioniercharisma“ (83) ausgestattet, jedoch zieht er keine scharfe Linie zum Charakter des Christen oder sonstigen natürlichen Eigenschaften, die er im zweiten Kapitel thematisiert. Gleichsam weiß Vatter um die “Berufung als heilige Beschlagnahmung“ (89) und die damit verbundenen Herausforderungen. Als eine wesentliche Stärke des Apostels sieht Vatter dabei die Ausrichtung auf das Reich Gottes an, die er in missionaler Manier jenseits der Gemeindegrenzen inmitten der Welt zeichnet, wo Gottes Wille zur Wiederherstellung umgesetzt wird - zentrale Inhalte, die das dritte Kapitel zeichnen.

Deutlich praktischer wird es mit dem vierten Kapitel, in dem Vatter die Rolle des Apostels innerhalb des Teams erläutert. Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass er ein Verfechter des fünffältigen Dienstes nach Eph 4 ist; zahlreiche kleinere, durchaus hilfreiche Tests lassen dabei den Leser selbst herausfinden, welchem der fünf Typen (Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer) er/sie selbst am nächsten steht. Dies führt ihn schließlich mit dem fünften Kapitel zu der Frage, wie eine Kirche mehr und mehr apostolisch geprägt werden kann.

Angereichert mit zahlreichen Praxisbeispielen und Zeugnissen diverser apostolisch begabter Leiter, leistet Vatters Buch einen exzellenten Beitrag, endlich wieder stärker diesen so wichtigen Unternehmer-/Pioniertypen in unseren Gemeinden zu entdecken bzw. ihm (oder: ihr - Vatter legt wert auf Egalität) wieder mehr Raum einzuräumen. Denn eins sollte spätestens nach der Lektüre deutlich werden: Ohne den apostolischen Typus wird die Kirche in ihrer Bedeutungslosigkeit verschwinden. Vatters Buch hilft als Grundlagenwerk dabei bestens, in dieses doch so wichtige Kapitel kirchlicher Führung und Führungskultur einzuführen und Schritte in Richtung apostolisch-orientierte Kirche zu gehen.

Wünschenswert wäre perspektivisch ein zweiter Band als eine Art Handbuch/Workbook, das - aufbauend auf diesen Grundlagen - ganz konkret hilft, apostolisch begabten Menschen beim eigenen Wachstum zu helfen; denn zwar bietet das Buch erste Schritte und nützliche Tipps um herauszufinden, ob ich apostolisch begabt bin. Wie ich meine apostolische Begabung allerdings fördern und freisetzen kann, thematisiert Vatter dann doch nur sehr sporadisch, was sich aufgrund des gebotenen Fülle an Material natürlich in diesem schon umfangreichen Buch von fast 300 Seiten auch kaum anders hätte lösen können. 

Alles in allem ein Must-Read für all diejenigen, die sich der Kirche gegenüber verantwortlich fühlen und an ihrer Weiterentwicklung teilnehmen wollen.