Sonntag, 29. Januar 2012

Bachelorstudium “praktische Theologie“ ab Sommer 2012/neue “Ths“-Homepage

Wie der ein oder andere vielleicht schon mitbekommen hat, bin ich Teil des Dozententeams von “Ths - Die theologische Berufsakademie“, einer recht innovativen theologischen Ausbildungsstätte hier im Rhein-Main-Gebiet in der Nähe von Mainz (der Ort heißt Gau-Algesheim, wen's interessiert). Weil wir seit dieser Woche eine neue Homepage haben, dachte ich mir, dass ich kurz die Gelegenheit nutze und die ganze Sache vorstelle.

Anhand von Dietrich Bonhoeffer habe ich hier bereits eine Gedanken zu einer alternativen theologischen Ausbildung gepostet. Seine zentrale Aussage lautete:

"An die Universität glaube ich nicht mehr, habe ja eigentlich nie daran geglaubt - zu ihrem Ärger. Die gesamte Ausbildung des Theologennachwuchses gehört heute in kirchlich-klösterliche Schulen, in denen die reine Lehre, die Bergpredigt und der Kultus ernstgenommen werden - was gerade alles drei auf der Universität nicht der Fall ist und unter gegenwärtigen Umständen unmöglich ist. Es muß auch endlich mit der theologisch begründeten Zurückhaltung gegenüber dem Tun des Staates gebrochen werden - es ist ja doch alles nur Angst." - Dietrich Bonhoeffer, DBW 13, S.204f.

Bei “Ths“ werden tatsächlich zahlreiche Aussagen Bonhoeffers umgesetzt - und noch darüber hinaus. Denn i.d.T. lernen die Studierenden nicht nur zusammen, sondern sie leben auch zusammen, was u.a. den Charakter formen und Jüngerschaft fördern soll. Die theologische Fundierung findet an drei Tagen durch praxisnahe Dozenten unterschiedlicher Denominationen statt; zusätzlich ist jede(r) Studierende in eine lokale Kirche eingebunden, lernt dort praktische Tools wie z.B. Leiterschaft u.ä. und wird durch einen Verantwortlichen vor Ort gecoacht, um all das zu erlernen, was man später für die Praxis braucht, und um Kirche im 21. Jahrhundert auch tatsächlich für Menschen der Postmoderne relevant zu machen. Damit bestehen natürlich Ähnlichkeiten zu anderen theologischen Ausbildungsstätten wie “IGW“ (Institut für Gemeindebau und Weltmission) oder auch “AfL“ (Akademie für Leiterschaft). Wir schätzen all diese bereits bestehenden Ausbildungsstätten sehr und versuchen nun, gezielt unser Konzept, angelehnt an die Berufsakademien (und vielleicht auch Jüngerschaftsschulen) im und für das Rhein-Main-Gebiet fruchtbar zu machen.

Sicherlich zielt die Studium/die Ausbildung - die übrigens mit einem Bachelor von der NCIU akkreditiert ist - gerade nicht zu allererst darauf ab, wissenschaftliche Theologen hervorzubringen, sondern eben Praxis-Leute im weitesten Sinn. Dennoch werde ich (im Einklang mit den anderen Dozenten) mein Bestes geben, um den Studierenden nicht nur Wissenschaftlichkeit beizubringen, sondern auch mit Themen infiltrieren/infizieren:-), die mir besonders am Herzen liegen: Missionale Theologie; Verständnis und Kenntnis über das Judentum und jüdisches Denken, um mehr und mehr zurück zu unseren jüdischen Wurzeln zurückzukehren; Hermeneutik und Erkenntnislehre für die postmoderne Zeit; alles, was irgendwie mit Eschatologie im weitesten zu tun hat. Bin wirklich gespannt, wie uns allen das gelingt, und hoffe auf viel Freude neben dem gemeinsamen Arbeiten.

Sollte Dich diese Ausbildungs-/Studienform ansprechen und Du überlegst aktuell, was Du beruflich machen willst, kann ich Dir wirklich ans Herz legen, Dir mal die Homepage von “Ths“ genauer anzuschauen und vielleicht einfach mal vorbeizukommen. Für Fragen stehe ich an dieser Stelle natürlich auch zu Verfügung.   
 

Montag, 23. Januar 2012

Zum Nachdenken: Abraham J. Heschel über das Verhältnis von Engagement und Gnade

“Die scharfe Trennung von Tora (Lehre, Gesetz) und Gnade, von Werken und Glaube stellt eine Hauptabweichung vom hebräischen Denken dar. Die Fixierung auf das persönliche Heil führt anscheinend dazu, daß die Offenheit gegenüber der Geschichte in säkularer und sozialer Hinsicht verstellt wird. Gesellschaftliche Mißstände, die im Verlauf größerer wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Umwälzungen entstehen, haben offenbar die Gefühle der sog. Säkularen weit mehr bewegt und erregt als das Gewissen der Frommen. Eine ähnliche Entwicklung kann man im Judentum feststellen, wenn eine ausschließliche Beschäftigung mit dem Ritual das Empfinden für soziale Fragen abstumpfen kann. In den Tagen der Bibel waren die Propheten erregt, während die Welt schlief; heute ist die Welt erregt, während Kirche und Synagoge sich geschäftig mit Trivialitäten befassen.“ - Abraham J. Heschel 

(Ders.: Erneuerung des Protestantismus. Eine jüdische Stimme [1963], in: Rothschild, F.A.: Christentum aus jüdischer Sicht. Fünf jüdische Denker des 20. Jahrhunderts über das Christentum und sein Verhältnis zum Judentum, Berlin/Düsseldorf 1998, 320.)

Dienstag, 3. Januar 2012

Inno 2012/Novavox 2012


Für alle, die immer noch nicht darüber bescheid wissen und vielleicht interessiert sein könnten: Ende Januar findet in Stuttgart im Zuge des Willowcreek-Kongresses ein Forum innovativer Leiter und Netzwerke statt, das Inno2012. Besonders interessant für diejenigen, die noch nicht so up-to-date sind, welche innovativen Bewegungen innerhalb der Kirche(n) in Deutschland aktuell existieren.

Schon mal hinweisen möchte ich außerdem auf die nächste Novavox-Konferenz Ende November, die mit Deb & Alan Hirsch, Michael Frost und wohl einigen mehr schon jetzt hochkarätig besetzt ist und niemandem entgehen sollte, der an Kirche in der Postmoderne interessiert ist. Dazu wird sie zentral im Rhein-Main-Gebiet stattfinden. Bin gespannt!