Samstag, 5. März 2011

Kommt jeder in den Himmel? Zur Diskussion über Rob Bells neues Buch "Love wins"

Als ich vor gut einer Woche über einen Blog auf den Clip zu Rob Bells neuem Buch "Love wins" kam, dachte ich mir nichts weiter dabei, fand den Clip und die Thematik interessant. Rob greift darin die klassische evangelikale Lehre über Himmel und Hölle auf ("ohne Bekehrung und Bekenntnis zu Jesus kommst Du nicht in den Himmel, sondern in die Hölle") und traktiert diese Lehre mit einigen sehr cleveren Fragen (z.B. "What kind of God is this that we need to be rescued from?"). Seine Antwort darauf ist der Titel seines Buches: "Love wins". Seht selbst:


Interessanterweise hat dieser Clip in den USA eine riesige Diskussion darüber ausgelöst, ob Rob nun denn Universalist sei, was die Klimax beinahe jeder Häresie zu sein scheint. Ein Beispiel für das Ausmaß der Diskussion findet man auf dem Blog des Musikers Michael Gungor, dessen Statement ich nur unterstreichen kann. Was dabei besonders bemerkenswert ist, ist die Tatsache, daß das Buch selbst überhaupt noch nicht erschienen ist, sondern erst Ende März in die Läden kommen soll.

Ohne diese Thematik annähernd umfassend durchdacht zu haben, werden folgende Fragen immer lauter in meinem Kopf, und zwar nicht die, ob es eine Hölle gibt, sondern vielmehr zweierlei:

Ist die Bibel oder Jesus tatsächlich so klar und schwarz-weiß, wie wir evangelikal geprägten Christen das immer zu wissen meinen, oder haben wir vielleicht doch zu selektiv einige Passagen aus dem Corpus Paulinum isoliert und vergessen darüber zentrale Passagen wie z.B.

Mt 7,21: "Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel." 

oder das Gleichnis vom Weltgericht aus Mt 25,31-46? Offb 20,12 klingt gar nach Werkgerechtigkeit: "Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken."

Und darüberhinaus: Wer bin ich, daß ich entscheide, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt? Soll ein einmaliges einfaches Bekenntnis tatsächlich solch ein Ausmaß haben oder gar diejenigen in die Hölle für ewig verdammen, die solch ein Bekenntnis nie gesprochen haben (warum auch immer)? Und wenn ja, wäre das doch recht unfair, denn immerhin gibt es Menschen, die geistig nicht so klar sind, daß sie ein typisches Übergabegebet nachsprechen oder gar verstehen könnten. Und wer kann in das Herz der Menschen sehen als allein Gott? Nachsprechen muß ja noch lange nicht zustimmen sein.

Nun geht es mir überhaupt nicht darum zu sagen: "Anything goes - leb', wie Du willst; im nächsten Leben ist sowieso alles gegessen." Auch will ich nicht sagen, daß Bekenntnisse nichts taugen o.ä. Absolut nicht, aber wir packen Gott oft in Boxen, die ihm völlig fremd sind. Ich denke, daß die Sache nicht so schwarz-weiß entschieden werden kann - und von uns sowieso nicht. 

Folgendes Statement von Leo Trepp, einem zeitgenössischen jüdischen Denker, habe ich bereits früher schon mal gepostet, möchte es aber an dieser Stelle noch einmal wiedergeben, weil es - auch ohne Jesus überhaupt zu nennen oder ihn theologisch zu berücksichtigen - aus meiner Sicht sehr viel Wahres beinhaltet, wovon wir als Christen lernen können, und vielmehr dem liebenden Vaterherz Gottes entspricht: 

"Das Denken der Juden bewegt sich nicht kompulsiv um die Fragen des Seins nach dem Tod. Gott hat jedem Menschen eine Aufgabe hier auf Erden gestellt, die er mit aller Kraft zu erfüllen hat. Die Zukunft überläßt der Jude Gott und seiner Gnade. Es wurde ihm gelehrt, daß alle Israeliten und alle Rechtschaffenden der Völker an der zukünftigen Welt Anteil haben. Es wird berichtet, daß Rabbinen Gott baten, ihnen keine Gewißheit der Erlösung ihrer Seelen zu geben, damit sie Ihm aus reiner Liebe und nicht in Erwartung eines künftigen Lohns dienen konnten."
Leo Trepp, die Juden. Volk, Geschichte, Religion, Reinbek 1998, S.274.

Kommentare:

  1. Phil,
    Du setzt Dich wirklich ernsthaft mit theologischen Themen auseinander.
    Es ist immer eine Freude Deine Blogs zu lesen!
    Ich glaube auch, dass es deutlich mehr sowohl als auch, als nur entweder oder gibt.
    Letztendlich sind wir auch hier auf den Heiligen Geist angewiesen, der uns in alle Wahrheit hineinführt.
    Danke für diesen Blog.
    Liebe Grüße,
    Marco

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  2. Hi Marco!
    Gern geschehen. Bin allerdings gefühlt immer noch total grün hinter den Ohren, was diese Thematik betrifft. Wenn ich mal wieder etwas mehr Luft und Zeit habe, werde ich mich intensiver dem Thema widmen. Ist ja doch sehr umfassend, hat aber gleichzeitig auch verdammt viel mit meinem Gottesbild zu tun. Danke Dir auf jeden Fall und viele Grüße ins eisige Kanada,
    Philipp

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  3. Melde Dich mal bitte: andre_pabst(at)gmx.de

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  4. Hallo Phil,

    ich sehe gerade, dass ich in Deiner Blogroll stehe. Deswegen hoffe ich, dass es okay ist, wenn ich Dir eine Werbung mit Bezug zu diesem Post dalasse. Ich habe mich selbst lange und intensiv mit dem Thema Hölle auseinandergesetzt und ein Buch zum Thema bei SCM Brockhaus veröffentlicht. In dem Buch habe ich mich bemüht die Diskussion so umfassend zu beschreiben wie das mit 500.000 Anschlägen möglich ist und einige vorsichtige Schlussfolgerungen zu ziehen.
    Vielleicht interessiert es Dich oder den einen oder anderen Deiner Leser, dann gibt es einen Post bei mir dazu und eine Bestellmöglichkeit beim Kultshop:
    - http://pastor-storch.de/2012/10/05/neues-buch-holle-der-blick-in-den-abgrund/
    - http://www.jfrs.de/kultshopp/catalog/product_info.php?products_id=1206

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  5. Danke, Storch, für Deine Werbung. Klingt auf jeden Fall interessant; hoffentlich komme ich in absehbarer Zeit dazu, es zu lesen. Viel Feedback und produktive Diskussionen wünsche ich Dir in jedem Fall!

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