Montag, 7. Mai 2012

Erfahrung vs. Theologie & Offenbarung? Eine Auseinandersetzung mit dem “Gottesbegriff nach Auschwitz“ von Hans Jonas, Teil 5: Jonas eklektischer Zugang zur biblischen Tradition

Dass Gott verstehbar ist, hält Jonas ebenso wie seine Güte hoch, weshalb er die ethischen Anweisungen als Teil der Offenbarung bzw. Verstehbarkeit Gott gelten lässt, zumal sie mit Jonas Verantwortungsethik - besonders die Propheten-Tradition (vgl. Jonas, Erinnerungen, 339) - kompatibel sind. Damit muss Jonas allerdings Kernstücke der jüdischen Identität fallen lassen, so allem voran jede Vorstellung einer creatio continua (42; vgl. Ps 104) und die zu Beginn seines Mythos geschilderte Vorstellung von Gott als “Herr der Geschichte“ (vgl. 2.3); konkret nennt er den Exodus (42), ebenso eschatologische Verheißungen, während er an der Erwählung der Juden festhält (43).

Wichtig ist Jonas dabei das Hochhalten des einen Gottes (vgl. Dtn 6,4) samt der Vorstellung der creatio ex nihilo im Gegensatz zu manichäischem Dualismus (43) - mit dem er sich während seiner Gnosis-Forschungen auseinandergesetzt haben dürfte -, um die Güte Gottes zu erhalten. Der eine Gott soll es sein, der die Schöpfung ins Leben gerufen hat durch freiwillige “Machtentsagung, [...] daß wir sein könnten“ (48f.).

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen