Sonntag, 26. August 2012

“Right here, right now“ von Alan Hirsch und Lance Ford, Teil 1

Mit “Right here, right now“ legt der bekannte australische Autor Alan Hirsch sein x-tes Buch zur missionalen Kirche vor, diesmal in Kooperation mit dem Amerikaner Lance Ford. Ich war zunächst skeptisch, weil ich bereits zahlreiche Bücher von Alan zuvor gelesen hatte und sich vieles (natürlich) wiederholt hatte. Da ich aber mal wieder etwas Praktisches über Kirche lesen wollte und mir Amazon dann für wenige Euro das Buch anbot, schlug doch zu. Und - um das schon vorwegzunehmen - das Lesen hat sich wirklich gelohnt!

“Right here, right now“ ist gegliedert in drei Sektionen, die allesamt von Lance verfasstes sind. Sie bilden meines Erachtens nach das Kernstück dieses Buchs und waren für mich das Highlight. Gerahmt werden sie von einem “Briefing“ und einem “Debriefing“, beides verfasst von Alan. Besonders für Neulinge auf dem Gebiet der missionalen Kirche sind diese beiden Kapitel erhellend. Damit soll es in diesem ersten Post auch losgehen.

Im sog. “Briefing“, dem einleitenden Kapitel, erklärt Alan zunächst “seine“ missionale Theologie: “Missionalität“ bedeutet aus seiner Sicht eine Form von Mission, die von allen Christen als eine Art Massenbewegung, als “movement“, praktiziert werden muss (31). Praktisch geschehe diese Massenbewegung durch zwei sich ergänzende Missionsformen: Einerseits sei da der apostolische Dienst von Hauptamtlichen im kirchlichem Umfeld und als Dienst am Rest der Christen; dieser Part sei bereits in zahlreichen Büchern reflektiert worden. Andererseits sei aber der full-time Dienst der breiten Masse von Christen notwendig - und das ist eben zentraler Aspekt missionaler Theologie -, die in ihrem ganz alltäglichen Leben als “Missionare“ bewusst unterwegs seien. Erst das ergebe das “transformational Jesus Movement“ (= transformierende Jesus-Bewegung; 32), weshalb “Right here, right now“ sich ganz bewusst dieser zweiten Zielgruppe widme.

Hier fallen auch mittlerweile schon klassisch gewordene Stichpunkte wie:
1. Missio Dei: Wie Jesus der von Gott Gesandte sei und unter den Menschen als einer von ihnen lebte, so sollten auch Christen unter den Menschen leben und sich nicht abgrenzen (35ff.);
2. Third Places (= dritte Plätze): Ein ganz praktische Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Neben dem ersten Platz, der Familie, und dem zweiten Platz, der Arbeit, habe man i.d.R. noch mindestens einen dritten Platz, an dem man sich regelmäßig aufhält, z.B. ein Café, ein Fitness-Studio, ein Verein u.ä.
(40f.);
3. Kultur-übergreifende Mission: Weil immer mehr Menschen den Kirchen und dem Christentum fremd seien, müssten Anknüpfungspunkte gefunden werden (anhand von Apg 17 zeichnet Alan den “athenischen Weg“ von Paulus nach); interessant wird z.B. die Frage, was für heutige Menschen eigentlich “Gute Nachrichten“ (= Evangelium) sind (41f.; 45);
4. Nichtdualistisches Leben/Spiritualität: Gott in Jesus Christus müsse in alle Lebensbereiche hineinreichen, und alle Lebensbereiche würden von seiner Herrschaft transformiert (47ff.).



Damit kommt bereits ein entscheidender Aspekt nicht nur dieses Buches, sondern überhaupt der missionalen Kirche zum Ausdruck: Es geht in erster Instanz um Beziehungen zu Menschen, zu denen man in dem bekannten kirchlichen Umfeld ansonsten keinen Kontakt hätte. Man soll somit sensibilisiert werden für Menschen außerhalb der Kirchenmauern - nicht, indem man sie anwirbt, in die Kirche zu kommen, sondern indem man ganz natürlich bei ihnen und unter ihnen lebt und dort ihr Leben transformiert wird. Das Buch versucht, diesen theoretischen Aspekt mit konkretem Inhalt zu füllen. Theologisch wird damit gleichsam deutlich, dass die beiden Autoren gegen ein Christentum wettern, dass nur mit dem Leben nach dem Tod beschäftigt ist. Die beiden sind darin alles andere als grundsätzlich gegen Kirche, versuchen aber, Kirche, Welt und Gott wieder in ein rechtes Verhältnis zu rücken. Gerade dieses erste Kapitel “Briefing“ bietet kurz und knapp Gedanken, die Alan zuvor ausführlicher v.a. in den Büchern “The shaping of things to come“, “The Forgotten ways“ (neuerdings auf deutsch unter dem Titel “Vergessene Wege“) oder auch “Untamed“ gesagt hat. Wer sich also mit diesen Themen in kurzer Form befassen will, wird hier fündig.

Kommentare:

  1. Hallo Phil,

    danke für die Einleitung - hab's mir auch gerade bestellt!

    Gruß,
    Daniel

    P.S.: Warum kommt Ihr am Samstag nicht nach Münster? Wir brauchen Euch doch für die Bandreunion!

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  2. Hi Daniel!
    Ja, krass, habe das Buch gestern für 1,50 € gesehen. Umso besser für Dich und bin auf Deine Gedanken dazu gespannt.

    Sind schon eine Woche später wieder in MS, ohne Auto ist es nicht ganz einfach, und die Bahn/MFG frisst leider immer mehr Kohle. Ansonsten wären wir supergern gekommen, gerade auch für die Bandreunion. Aber vielleicht können wir das ja mal nachholen:-). Euch jedenfalls 'ne super Zeit!

    Liebe Grüße,
    Philipp

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