Montag, 5. Juli 2010

Gottesdienst/Anbetung - Wem dient das eigentlich?

Gestern hörte ich ein sehr interessantes Teaching über "Anbetung/Worship" von Dwight A. Pryor. Aufbauend auf vielen kleineren, sehr interessanten Facetten über Anbetung/Worship im Alten und Neuen Testament ging er der Frage nach, für wen wir Christen heutzutage eigentlich den Gottesdienst veranstalten und mit welcher Haltung wir demgemäß agieren. U.a. nannte er als mögliche Empfänger den regelmäßigen Gottesdienstbesucher oder auch den "Seeker" (wie es so schön bei Willowcreek u.ä. Gemeinden heißt), der ein möglichst intensives Erlebnis mit Gott haben soll.

Dwight hob dagegen anhand der biblischen Texte hervor, daß der Gottesdienst bzw. die Anbetungselemente zuerst immer Gott als Ziel haben sollte(n), womit er nicht kulturell-geprägte Ausdrucksformen im Blick hat, sondern lediglich nach dem Adressaten fragt. Worship könne seiner Ansicht nach deshalb ebenso in Formen von Hymnen wie in aktuellen Praisesongs verpackt werden. Entscheidend sei aber, daß es zunächst einmal darum gehe, Gott eine Wertschätzung entgegenzubringen (engl. "worship" von "
worth-ship"), und erst sekundär darum, den einzelnen emotional zu ergreifen (was womöglich daraus folge).

Sicherlich darf man nicht beides gegeneinander ausspielen (was Dwight auch nicht beabsichtigt). Und es sollte auch klar sein, daß in jedem Gottesdienst der Mensch als reale Größe wahrzunehmen ist, was bedeutet, daß beispielsweise die Worshipband nicht nur direkt Gott die Ehre gibt, sondern auch immer im Dienst der Gemeinde steht (was ein gewissen musikalisches Niveau voraussetzt, usw.). Eines wurde mir in diesem Zusammenhang aber mal wieder klar: Wenn bei Worship/Anbetung die Richtung vom Menschen zu Gott ist (als Antwort auf Gottes Liebe wohlgemerkt), bedeutet dies an erster Stelle, daß jedes Gegenüber von Akteuren und Teilnehmern des Gottesdienstes überwunden ist: Was Paulus in Gal 3,28 über Juden und Griechen, Männer und Frauen, Sklaven und Freie schreibt - daß sie alle einer sein sollen -, hat in diesem Fall auch Prediger und Zuhörer, Musiker und Hände hebende Anbeter zu betreffen. Sie sollen vor Gott einer sein, nämlich der anbetende Leib Christi. Dabei geschieht auch Erbauung der Gemeinde und des einzelnen; vor allem
aber wird eine Konsumhaltung unterbunden, die in populären Gemeinden wie Willowcreek oder Hillsong gern mal zutage tritt.

Diese Konsumhaltung kann in sämtlichen Bereichen auftreten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß der Konsum von Theologie dazu führen kann, primär etwas über Gott zu erfahren. Nach und nach kann ich dann damit prahlen, wieviel ich schon über Ihn anhand der Bibel weiß, usw. Aber das bringt mich nicht notwendigerweise auch nur einen Schritt näher zu Ihm und führt möglicherweise weder zur Ehrfurcht noch zum anbetenden Niederfallen vor Seiner Herrlichkeit. Mit Worshipsongs gilt dies natürlich ebenso: Ich kann zig Songs auswendig wirklich gut singen können, aber in Gottes Ohren ist es möglicherweise nur "ein tönendes Erz oder eine klingelnde Schelle" (1 Kor 13,1).

Ich denke, daß ich mich in nächster Zeit mal intensiver der Frage widmen werde, was getan werden kann, damit weder die Worship-Session noch die Predigt zum reinen Konsum verführen: Muß beides möglicherweise doch mehr Ecken und Kanten haben? Muß der einzelne noch bewußter mit dieser eben genannten Problematik "konfrontiert" werden? Kann es hilfreich sein, Predigten zu halten, die in Wort (und Bild, Video, etc.) Gottes Wesen, Seine Herrlichkeit und Größe noch mehr in den Vordergrund stellen?

Dies seien nur mal ein paar erste Gedanken. Ich freue mich über jeden, der mit mir in die Konversation darüber einsteigen möchte; ebenso bei Fragen oder Einsprüchen; vieles habe ich noch gar nicht angeschnitten. Ich bin aber mal gespannt, ob sich daraus etwas entwickelt. Warten wir's ab.

Kommentare:

  1. Schöner Beitrag. Ich bin auch dafür "Gottes Wesen, Seine Herrlichkeit und Größe noch mehr in den Vordergrund zu stellen." ER sucht schließlich die, welche in Geist und Wahrheit anbeten. Die Lieder mit "segne mich, umarme mich, liebe mich und mich mich mir" haben doch etwas an Dominanz in unseren Gemeinden gewonnen, so dass eine Änderung des Focus von mir weg und hin zu Gott zu überlegen ist...

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  2. Danke für Deinen Beitrag, Olaf. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.

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