Montag, 26. Juli 2010

Zum Nachdenken: Bonhoeffer und die missionale Gemeinde

"So ist der erste Auftrag an die, die zur Kirche Gottes gehören, nicht etwas für sich selbst zu sein, also etwa eine religiöse Organisation zu schaffen oder ein frommes Leben zu führen, sondern Zeugen Jesu Christi an die Welt zu sein." - Dietrich Bonhoeffer, Ethik, DBW 6, 2. Auflage Gütersloh 1998, S.50

Als ich obiges Zitat heute bei Bonhoeffer las, mußte ich spontan an zwei Dinge denken:
Erstens bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie innovativ er für seine Zeit bereits dachte (kurz und knapp gesagt).

Zum zweiten (ausführlicher): Bonhoeffer formulierte diesen Satz in einem theologischen Gesamtzusammenhang. Ihm war klar, daß das Zeugnis Geben authentische Nachfolge, ernsthafte Spiritualität u.ä. voraussetzt, was er spätestens seit seiner Finkenwalder Zeit selbst und v.a. mit anderen zusammen praktiziert hatte.

Heutzutage erlebe ich dagegen leider immer wieder Gemeinden, in denen es zwar hip zu sein scheint, das Wort "missional" besonders groß zu schreiben, um Menschen zu erreichen und sich nicht länger hinter den eigenen Mauern zu verschanzen (was ja grundsätzlich gut ist). Unglücklicherweise kommt aber oft der erste Part, das geistliche Leben, zu kurz, wodurch Menschen ausgebrannt sind, die Perspektive fehlt u.v.m. - nicht wegen des falschen Denkens über Kirche und Welt, sondern womöglich, weil "missional" nicht mehr unterstützende Struktur ist, sondern irgendwie doch Ziel, also beinahe verabsolutiert wird, sich verselbständigt.

Dadurch mögen Menschen numerisch dazu kommen und sich auch idealerweise für ein Leben als Nachfolger Jesu entscheiden. Aber wenn gleichzeitig immer wieder die Rede vom Reich Gottes ist, sollte doch der Rahmen vorhanden sein, in dem Menschen als Nachfolger Jesu ihrem Vorbild - Jesus - ähnlicher werden können und das Reich Gottes in der Welt leben und repräsentieren - sei es durch Vorbilder in der Gemeinde (inkl. Mentoring/Coaching/Seelsorge), durch Lehre, Gebet, Musik, etc. Wenn wesentliche Bereiche davon nicht gegeben sind, dürfte es für einen Teil der Nachfolger schwierig werden, da nicht jeder die Persönlichkeit besitzt, sich mit allem Notwendigen geistlich selbst zu versorgen. Nicht jeder ist Individualist, und Programme, solange sie mit Leben gefüllt sind, tatsächlich dienen und möglichst viele aktiv werden, sollten nicht grundsätzlich zum Sündenbock erklärt werden.

Die Konsequenz, die ich nicht selten beobachte, habe ich bereits genannt: Menschen brennen aus, und das eigentliche Ziel, Reich Gottes zu bauen, verläuft im Sande. Dürfte es da nicht sinnvoller sein, aus einer gesunden Spiritualität, die natürlich die Dimension des Gesendetseins einschließt, Reich Gottes zu leben? Sind wir nicht an manchen Punkten vielleicht schon zu müde des Diskutierens über missionale Gemeinde und sollten uns dem Gebet, der Gemeinschaft, der Bibel, der Musik, usw. zuwenden, um aus dieser Kraft heraus Jesus nachzufolgen? Darüberhinaus: Welche Attraktivität auf meine Umgebung strahle ich denn eigentlich aus, wenn nicht erfüllt von der Kraft des Heiligen Geistes?

Mein Statement mag hier etwas schwarz-weiß formuliert sein. Umso dankbarer bin ich über jeden Kommentar und hoffe, intensiv über die Thematik zu diskutieren - v.a. mit dem Ziel, missionale Gemeinde mit intensiver Spiritualität zu sehen und zu erleben.

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