Dienstag, 4. Januar 2011

Abraham J. Heschels "Man's Quest for God" - Teil IV: Continuity is the way (91-114)

Weil für Heschel das Gebet zwar die Grundlage für geistliches Leben ist und damit einen zentralen Stellenwert im Leben (des Juden) einnimmt, gleichzeitig das spontane Gebet nur punktuell der Höhepunkt jüdischen Lebens darstellen kann, schließt er der Thematik des Gebets ein Kapitel über die Taten, die Mizwot, an, die seiner Ansicht nach zur Heiligung des alltäglichen Lebens entscheidenden Beitrag leisten (94) und der Kapitelüberschrift gemäß die (geistliche) Kontinuität im Alltag des Juden bewahren sollen. Sie komplettieren - so sinngemäß Heschel - zudem den Menschen in seiner psycho-physischen Einheit.

Ausgangssituation ist für Heschel die Erfahrung seiner Studienzeit, in der er erkennen mußte, daß Philosophie lediglich aus der Perspektive des Menschen betrieben wird, während für ihn selbst die primär durchs Gebet zu erkennende Sicht Gottes maßgeblich ist. Dies setzt nach Heschel als Maxime die Heiligung und Heiligkeit des Menschen voraus (95), wodurch Maximen wie das Gutsein des Menschen als sekundär in den Hintergrund treten. Denn das Streben nach Heiligkeit hängt für Heschel unweigerlich mit der Erkenntnis Gottes und seiner Gottebenbildlichkeit zusammen, zumal er seinen chassidischen Wurzeln entsprechend von einer direkten Verbindung zwischen Gottesbeziehung (v.a. durch Gebet), Heiligung des Alltags durch Mizwot und der Wiederherrstellung der Königsherrschaft Gottes ausgeht (96; 98f.).

Zunächst muß Heschel zwei falschen Annahmen begegnen, die er folgendermaßen zu widerlegen versucht:
1. Obwohl sich nicht alle Gebote rational begründen lassen, besitzen sie eine spirituelle Dimension und sollten ernst genommen werden, sofern man nicht mit Gott spielen will (100f.).
2. Zwar hat Mose die Prinzipien der Tora auf dem Sinai empfangen; ihr Umfang sei aber von Generation zu Generation gewachsen, um dem wachsenden Ungehorsam vorzubeugen (101f.).

Ersterem Punkt widmet sich Heschel anschließend ausführlicher. Weil die Mizwot nicht anhand von rationalen Gründen bewertet werden könnten und gleichzeitig jüdisches Leben nicht durch „common sense” oder „common experience” darzulegen sei, formuliert er drei Thesen:

(a) Göttliche Bedeutung ist spirituelle bzw. geistliche Bedeutung.
(b) Die Auffassungsgabe fußt auf geistlichem Vorbereitetsein.
(c) Die göttliche Bedeutung wird in Taten erlebt, nicht in Spekulation.” (104; meine Übersetzung/Interpretation)

Gleichzeitig merkt Heschel an, daß es nicht um Glaube an die Taten gehe, sondern Glaube, der durch Taten gewonnen werde (106): „In doing we perceive.” Dadurch werde ebenfalls Gewißheit der Gegenwart Gottes erlangt. Weil es ihm nicht um das einmalige Gewinnen von Glaube oder Geist geht, ist eine Konstanz in Gebet und Taten notwendig (107).

Diese Tat-orientierte Religiosität führt Heschel auf die imitatio Dei zurück, die für ihn in Taten zum Ausdruck kommt (109). Dadurch möchte er auch einer Überbetonung der geistigen Dimension entgegenwirken (110ff.). Gleichzeitig dürfen ihm zufolge Zeremonien u.ä. nie nur äußerlich bleiben, sondern bedürfen auch immer der inneren Hingabe, der Kavanah (114), was Heschel zum nächsten Kapitel bringt.

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