Freitag, 30. Mai 2014

Zum Nachdenken: Dietrich Bonhoeffer über das Leben als Ziel des Menschen im Sinne Gottes

“Ich bitte um Leben, wie der Knecht seinen Herrn. Leben ist Wohltat Gottes. Leben ist nicht Mittel zum Zweck, sondern es ist in sich selbst Erfüllung. Gott schuf uns, damit wir leben, er versöhnte und erlöste uns, damit wir leben. Er will nicht Ideen triumphieren sehen über einem Trümmer- feld von Leichnamen. Die Ideen sind um des Lebens willen da, nicht das Leben um der Ideen willen. Wo das Leben selbst zur Idee gemacht wird, dort wird das wirkliche geschaffene und erlöste Leben tiefer zerstört als durch irgendeine andere Idee. Das Leben ist Gottes Ziel mit uns. Wird es Mittel zum Zweck, dann tritt in das Leben ein Widerspruch, der es zur Qual werden läßt. Dann wird das Ziel, das Gute, jenseits des Lebens gesucht, das nur mit der Lebensverneinung erkauft werden kann. Das ist der Zustand, in dem wir uns vorfinden, bevor wir das Leben in Gott empfangen und wir sind gelehrt worden, diesen Zustand gut zu nennen. Wir wurden zu Hassern und Verächtern des Lebens und zu Liebhabern und Anbetern der Ideen.“

- Dietrich Bonhoeffer, Meditation über Ps 119, in: Ders., Illegale Theologenausbildung : Sammelvikariate 1937-1940, DBW 15, S.526.

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